Eine Orgel-Expertin wie Jackie Rubi gibt es wohl keine zweite. Ihre Orgel-Sammlung ist weltweit einzigartig. Regelmässig ausverkauft sind die von ihr veranstalteten Konzerte im Unterengstringer Orgelsurium, wo im Juni 2018 der letzte öffentliche Anlass steigt. In Uitikon ist Rubi Kirchenorganistin. Und Weiningen hat sie zu einer neuen Kirchenorgel verholfen, indem sie den Verein Neue Orgel Weiningen ins Leben gerufen hatte. Die Musikerin, ursprünglich aus dem Kanton Bern, hat im Limmattal richtig Wurzeln geschlagen, liebt ihre Gemeinde Unterengstringen und wurde mit über 400 Stimmen zur Limmattalerin des Jahres 2017 gewählt. Im Interview sagt sie, was sie sich für 2018 wünscht. 

Jackie Rubi spiel ihre Eigenkomposition «Chuchiblues» auf einer Orgel vom Typ Hammond B 3

Jackie Rubi spiel ihre Eigenkomposition «Chuchiblues» auf einer Orgel vom Typ Hammond B 3

 

Jackie Rubi, waren Sie überrascht, Limmattalerin des Jahres zu werden?

Jackie Rubi: Nur schon als ich das Telefon erhielt, dass ich nominiert worden bin, hatte ich riesige Freude. Ich hätte dann nie gedacht, dass ich gewinne. Schliesslich war auch Pfarrer Sieber nominiert, ein sehr berühmter Mann.

Umso mehr Reaktionen dürften Sie nach dem Sieg erhalten haben?

Viele Leute haben mir gratuliert. Manche kamen extra im Orgelsurium vorbei, dazu gab es viele E-Mails und viel Post. Und auch hier am Konzert von Jeff Turner machte es natürlich die Runde. Meine Gäste freuten sich und ich mich auch. Es ist eine grosse Ehre.

Noch werden 18 Konzerte stattfinden, bis dann am 10. Juni das Grande Finale im Orgelsurium steigt...

Manche dieser Konzerte führen wir doppelt durch, weil sie schon ausverkauft sind. Auch fürs Grande Finale gibt es keine Billette mehr. Schon früher hatten wir viele ausverkaufte Konzerte, wir dürfen wirklich auf eine sehr erfolgreiche Zeit zurückblicken. Es steckt ja auch viel Herzblut dahinter, zum Beispiel beim Kochen. Hier gibt es nur Frischware, mein Mann Hermann kocht gut und das schätzen die Leute auch. Mit 80 bis 100 Menus ist die Arbeit schon noch happig. Dazu kommen Abwasch und Service. Über die ganzen 20 Jahre waren es sicher weit über 30 Leute, die hier für einen kleinen Obolus mitgeholfen hatten. Ohne sie wäre ich nichts. Darum möchte ich mich herzlichst bedanken bei all unseren Helfern und natürlich bei all jenen, die mich gewählt haben. Limmattalerin des Jahres zu werden, obwohl ich ursprünglich ein richtiger Bäremutz bin, ist einfach Hammer.

Kommen wir zur weiteren Zukunft. Das Orgelsurium wird von 2018 bis 2020 in geschlossener Gesellschaft weitergehen, danach ist Schluss. Wird das Musikgeschäft nach Ihrer Pensionierung weiterbestehen?

In der Musikbranche ist es schwierig, ein Geschäft zu übergeben. Auch das ganze Online-Zeug haben wir hier arg zu spüren bekommen. Die Leute liessen sich beraten, kauften sich die Ware aber woanders. Deshalb führen wir den Verkauf nur noch im kleinen Rahmen weiter. Es ist undenkbar, dass jemand die Firma übernimmt. Denn das Geschäft ist sehr stark mit meiner Person verbunden. Aber die Musikschule läuft sehr gut und wir freuen uns vor allem über die vielen erwachsenen Schüler. Und auch die Zusammenarbeit mit der Musikschule Engstringen funktioniert gut. Hier läuft im Moment alles weiter wie bisher.

Ihre Orgel-Sammlung haben Sie jetzt nicht erwähnt.

Die Hammond-Orgeln sammle ich ja schon seit eh und je. Darunter ist auch die allererste, die Hammond A aus dem Jahr 1934, die erhielt ich mal von einem amerikanischen Museum, als dieses schloss. Heute haben wir die komplette Hammond-Serie. Ein spezielles Stück Musikgeschichte, für das ich noch einen Platz in einem Museum suche.

Orgel-Fans gibt es auf der ganzen Welt. Und dann ist da noch das Unternehmen Suzuki, dem die Firma Hammond heute gehört. Wäre das vielleicht ein Kandidat?

Suzuki ist ein grosser Konzern, hat aber viel Herzblut für die Hammond-Orgeln. Vielleicht setze ich mich mit Suzuki in Verbindung. All die Orgeln nach Japan zu schaffen, wäre wohl nicht ganz einfach.

Bis es so weit ist, können Sie Ihren Schülern noch die ganze Hammond-Geschichte zeigen.

Hammond-Orgelschüler gibt es leider nicht mehr viele. Auch der Keyboard-Trend ist langsam vorbei. Gefragt sind Klavier und vor allem Digitalpiano. Einige enthusiastische Orgelschüler habe ich aber noch. Ich freue mich sehr auf den 30. Januar. Da machen wir in Weiningen ein Konzert mit vielen Schülern, Studenten und Orgelbauern der Firma Rieger – vom Sechsjährigen, der mit einer Pedalverlängerung spielt, bis zu den Grossen. So können wir zeigen, dass die Pfeifenorgel ein Instrument für Klein bis Gross und für jede und jeden ist.

Wie würden Sie Eltern vom Orgelunterricht für die Kinder überzeugen?

Das ist vielleicht nicht die richtige Frage. Es hat mit der heutigen Zeit zu tun. Alles kommt aus Boxen, Apps und Computern. Livemusik ist zeitaufwendig und für viele anstrengend. Früher, wenn im Fernsehen ein Panflöten-Auftritt lief, wollten in der Woche darauf mehrere Kunden eine Panflöte kaufen. Die Hammond-Orgel kommt heute selten in den Medien vor. Darum ist es sehr schwierig, Leute zu überzeugen, sie zu spielen. Ausser im Jazz und bei Revival-Bands ist die Hammond-Orgel wenig aktuell. Man sieht sie kaum und was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Aber die Orgel, ob klassisch oder Hammond, ist und bleibt die Königin der Instrumente.

Die Gäste im Orgelsurium sind nach wie vor begeistert. Woher kommen die vielen Leute eigentlich?

Von überall zwischen Bern und dem Bodensee. Schliesslich treten hier richtige Koryphäen auf. Zudem haben wir einen Kunden, der regelmässig aus den Niederlanden anreist. Und einen haben wir, der fliegt alle zwei Jahre von Boston hierher an ein Konzert, weil er die Künstler nirgends von so nahe erleben kann wie hier. Das ist unglaublich. Er muss sich das richtig zusammensparen. Aus Unterengstringen selbst haben wir hingegen eher wenige Gäste.

Haben Sie einen Lieblingsmusiker?

Den besten Musiker gibt es nicht, den hat die Katze gefressen. Ich mag jede Musik, die gut gespielt ist, sei das nun Jazz, Barock oder gerne auch Ländler. Wirklich alles, solange es gut gespielt ist.

Zum Schluss: Was wünschen Sie sich für 2018?

Schön wäre, wenn ich einen neuen, würdigen Platz für meine Hammond-Orgeln finden würde. Zudem wünsche ich allen alles Gute und beste Gesundheit. Und weil ich sehr mit dem Christentum verbunden bin, wünsche ich mir, dass der christliche Glaube weiterhin gepflegt wird, auch wenn viele Leute nichts mehr von der Kirche halten.