Unterengstringen

«Es ist ein orientalisches Märchen»: Die Marionettenbühne Unterengstringen wagt sich an Neues

In den Räumen des Vereins Marionettenbühne Unterengstringen arbeitet das Ensemble emsig an den Vorbereitungen zu einem neuen Stück für Kinder. Noch will man den Titel aber nicht verraten.

Im Obergeschoss des alten Schulhauses in Unterengstringen herrscht reger Betrieb. Nach der Zwangspause während des Lockdowns arbeiten die Ensemblemitglieder der Marionettenbühne Unterengstringen wieder fleissig an ihrem neusten Projekt, einem neuen Stück, das nächstes Jahr erstmals aufgeführt werden soll. Es wird ein besonderes werden. Zum ersten Mal werden Marionetten aus einem anderen Stück für ein neues verwendet. Die Idee dazu hatte Ensemblemitglied Ursula Lamprecht. «Wir spielen immer die gleichen Stücke. Ich wollte etwas Neues ausprobieren», sagt Lamprecht. Sie ging deshalb die vorhandenen Figuren der Marionettenbühne durch und wählte geeignete aus. So entstand die erste Version des neuen Stücks, mit der sie ans Ensemble herantrat.

Um was für eine Geschichte es sich handelt, will sie noch nicht verraten. «Es ist ein orientalisches Märchen», lässt sich Lamprecht aber entlocken. Die Spannung will auch Irene Ramseyer, Präsidentin des Vereins Marionettenbühne Unterengstringen, noch aufrechterhalten. Zu den Vorbereitungen gibt sie aber gerne Auskunft. So habe der Märchentext zuerst in Dialogform gebracht werden müssen. Die Dialoge wiederum mussten auf Schweizerdeutsch umgeschrieben werden, da es sich um ein Kinderstück handelt. Stücke für Erwachsene werden hingegen auf Hochdeutsch aufgeführt.

Schauspieler sprechen die Dialoge auf Band

Wie bei den anderen Stücken der Marionettenbühne werden die Dialoge auch bei der neuen Inszenierung vom Band kommen. Sie müssen daher von Schauspielern und Sprechern noch eingesprochen werden. Laut Ramseyer steht man bereits in Kontakt mit einem Tonstudio in Oerlikon, das schon in der Vergangenheit für die Marionettenbühne produziert hat. Erst nachdem die Aufnahmen gemacht worden sind, können die Proben beginnen. Deshalb sind die Ensemblemitglieder derzeit daran, die Marionetten in neue Kostüme zu kleiden und die Kulissen zu bauen. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. So verarbeitet Ramseyer unter anderem auch alte Krawatten zu neuen Kostümen. Weitere Stoffe fand sie im Brockenhaus oder in Stoffläden. Zudem müssen einige Figuren neu gebaut werden. So werden für das aktuelle Projekt Störche benötigt, die es im Fundus nicht gibt.

Ansonsten lassen die vorhandenen Figuren der 1972 gegründeten Marionettenbühne nichts zu wünschen übrig. Der Fundus umfasst neben unzähligen Bühnenbildern und Requisiten gut 300 Marionetten. Alle wurden speziell für ein Stück gefertigt. Die meisten stammen von einer Prager Puppenmacherin und wurden vom langjährigen Regisseur der Marionettenbühne, Jiří Jaroš, in die Schweiz gebracht. Sie sind je nach Stück in einer anderen Art gehalten. Darum ist es wichtig, dass beim neuen Projekt nur Marionetten aus einem Stück verwendet werden. Rund 20 Figuren erhalten nun eine neue Rolle.

Die Kulissen müssen  neu erstellt werden

Die grösste Herausforderung sei im Moment aber der Kulissenbau, sagt Ramseyer. Fast alle Elemente müssten neu erstellt werden. Theaterleiter und Gründungsmitglied Fridel Born hat sich deshalb zu Hause und in der Freizeitwerkstatt in Unterengstringen ins Zeug gelegt und sogar ein Modell der Bühne erstellt. «Wir experimentieren noch damit und diskutieren, was wir machen könnten», sagt Ramseyer. Noch ist nämlich nicht alles fertig, einzelne Elemente stehen unvollendet hinter der Bühne. So zum Beispiel eine Stadt, die zum Szenenwechsel von der Seite auf die Bühne geschoben werden kann. «Während des Bühnenumbaus sorgt eine Erzählerin für die Verbindung vom Publikum zum Stück», sagt Born. «Sie schlägt den Bogen zu den Kindern, da wir sonst nur Tonbandaufnahmen abspielen», ergänzt Ramseyer.

Die Aufnahmen bedingen, dass das Geschehen auf der Bühne genau durchchoreografiert ist. Im Verlauf der Vorbereitungen hatte das Ensemble denn auch gemerkt, dass es ohne Regisseur nicht weitergeht. Über die befreundete Profipuppenspielerin Monika Schmucki fand man schliesslich Hilfe. Christian Strässle, Musiker und Schauspieler, übernahm die Regie und arbeitet seither tatkräftig mit. «Er hat sich gleich begeistern lassen», freut sich Ramseyer. Dank Strässle werden sich die Spieler bei den kommenden Proben nun ganz auf ihre Marionetten fokussieren können. Denn die filigranen Fäden müssen mit Vorsicht bedient werden. «Die wichtigsten Notfallutensilien sind Nadel und Faden», sagt Born und schmunzelt. Zudem dürfe man das Gewicht der Puppen nicht unterschätzen, so Ramseyer.

Die Mitglieder des Ensembles sind mit viel Herzblut bei der Sache und hoffen, dass der eine oder andere Spieler noch zum Verein dazustösst. Denn einige Stücke können aus Spielermangel nicht mehr aufgeführt werden. Die Figuren zu «Die schöne Galathée» verweilen darum unbenutzt im Keller. Dieses Jahr mussten aber ohnehin alle Aufführungen abgesagt werden. «Vielleicht können wir unser Weihnachtsspiel ja doch noch aufführen», hofft Lamprecht. Denn die Aufführungen des neuen Stücks sind erst für den Herbst nächsten Jahres geplant. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun.

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