Bepackt mit Rollkoffer, Sporttasche oder bloss mit schlichter Migros-Papiertüte zog ab 11 Uhr jede Viertelstunde ein kleiner Tross vom Bahnhof Birmensdorf ins Reppischtal. Einige waren in dicke Winterjacken gehüllt, andere fast schon sommerlich leicht gekleidet unterwegs, aber die jungen Schweizer hatten alle dasselbe Ziel: die Kaserne. Eine Mischung aus gespannter Erwartung und Respekt vor dem, was auf sie zukommen wird, stand vielen im Gesicht geschrieben.

Die Anwesenden gehören zu den schweizweit insgesamt gut 10'000 jungen Schweizern und 120 jungen Schweizerinnen, für die am Montag die Rekrutenschule (RS) begann. Im Gegensatz zum Grossteil ihrer Leidensgenossen werden die in Birmensdorf eingerückten Rekruten – 329 Männer und 2 Frauen – nicht nur 18 Wochen in Camouflage verbringen. Als Durchdiener verbringen sie die nächsten 300 Tage im Militär und absolvieren somit ihre gesamte Dienstpflicht an einem Stück.

Wie am Flughafen-Check-in

Speziell war der Wochenbeginn aber nicht nur für die neuen Rekruten, sondern auch für Birmensdorf. Seit 2003 startete nämlich keine RS mehr im Reppischtal. Erst die Verschiebung des Kommandos der Durchdienerschule von Aarau nach Birmensdorf – aufgrund der Umsetzung der Weiterentwicklung der Armee – bescherte der Kaserne im Reppischtal nach rund 15 Jahren wieder einen RS-Start.

Wer nun aber laut hallende Befehle und umherjagendes Kader erwartete, wurde eines Besseren belehrt. Als würden sie am Check-in des Flughafens Zürich Schlange stehen, mussten die Rekruten in der Kaserne Birmensdorf zu Beginn alle ihre Papiere bereithalten und sich mit Marschbefehl, Dienstbüchlein und Identitätskarte ausweisen. Damit wurde sichergestellt, dass auch wirklich die richtigen Personen eingerückt waren. Für das administrative Personal startete der Tag also hektisch. Nebst 274 deutschsprachigen wurden auch 67 französisch- sowie vier italienischsprachige Rekruten erwartet.

Doch Fourier Kahler und seine Kollegen hinter dem Empfangstisch meisterten den Ansturm ohne Probleme. «Das Einrücken ging sehr geregelt und ruhig über die Bühne», sagte Hubert Bittel, Schulkommandant und Oberst im Generalstab, bei der anschliessenden Begrüssung in der Sporthalle zufrieden. «Nur vier Rekruten mussten wir aus medizinischen Gründen wieder nach Hause schicken.»

Vorfreude überwiegt

Auch wenn die Armee medial immer wieder für Schlagzeilen sorge, wolle er sich zuerst selbst ein Bild machen, sagte Chan Wai Tung. «Ich bin schon ein wenig nervös und aufgeregt», gestand der Dietiker. Doch die Vorfreude auf etwas Neues, auf Kameradschaft und das Lernen von Selbstständigkeit überwiege. Und es sei durchaus in seinem Sinne, auch mal an die eigenen Grenzen zu gehen. Ganz unvorbereitet ist er aber nicht eingerückt. «Zuverlässige Quellen haben mir schon diverse Fresspäckli-Zusagen gemacht», sagte er lachend, «ich werde gut versorgt sein.»

Noch am Morgen habe er mit seinem Kindergartenkameraden Denis Özdemir auf dem Weg nach Birmensdorf seinen letzten Kaffee als Zivilist genossen. Doch in der Kaserne hätten sich ihre Wege getrennt: «Ich bin im Zug Bivio der Kompanie 2 eingeteilt, Denis im Zug Canale.» Er freue sich vor allem auf die Action, etwa die Häuserkampfausbildung, sagte Özdemir. Auch über eine Spezialausbildung habe er sich bereits Gedanken gemacht – wenn möglich würde er gerne den Umgang mit Sprengstoff lernen. «Ich bin hierhingekommen, um physisch und psychisch stärker zu werden und Disziplin zu lernen», erklärte er. Vielleicht werde er sich nach der geleisteten Dienstzeit bei der Swisscoy melden. «Ein Auslandeinsatz wäre mein Traum. Aber ich schaue jetzt zuerst einmal, wie mir das Militär gefällt.»