Limmattaler Rangierbahnhof

Erstmals in Europa: Die SBB-Wagons verkuppeln sich jetzt automatisch

Mit einem Handgriff verbunden: Ein Rangierer zeigt die automatische Kupplung an einem Güterwagen im Limmattaler Rangierbahnhof.

Die SBB stellten im Limmattal erstmals seit über 100 Jahren eine Innovation im Güterverkehr vor.

Bis Ende April kuppelten die Rangierer die SBB-Cargowagen noch so, wie man es bereits vor 100 Jahren gemacht hat. Seit dem 6. Mai ist dies anders: Dann nahmen die SBB die ersten automatisch gekuppelten Cargowagen in Betrieb. Bei diesen fährt ein Güterzug auf den anderen zu und kuppelt automatisch. Stand der Rangierer früher zwischen den beiden Wagen und musste immer wieder unter der Kupplung durchkriechen, kann er bei diesem Prozess neben dem Gleis stehenbleiben. Um die beiden gekuppelten Wagen zu trennen, muss das Rangierpersonal nur noch kräftig an einem roten Griff ziehen.

Mit diesem «Schritt Richtung Teilautomatisierung auf der letzten Meile des Bahnbetriebs», wie die SBB in einer Medienmitteilung die Erneuerung nennen, wollen sie ein Zeichen als Pionierin auf dem Kontinent setzen. Momentan hat europaweit noch niemand solche Kupplungen. «Es ist eine Insellösung in der Schweiz. Aber es besteht ganz klar die Ambition, dass das gute Beispiel der Schweiz in ganz Europa etabliert wird.» Das sagte Peter Füglistaler, Direktor vom Bundesamt für Verkehr, an einer Medienkonferenz im Rangierbahnhof Limmattal.

Innovationsfreier Cargotransport

Hundert Jahre verblieb der Gütertransport «innovationsfrei», wie SBB-Cargo-CEO Nicolas Perrin die unveränderte Situation auf den Gleisen nennt. Nun müsse etwas gehen: «Wenn wir uns nicht weiterentwickeln, besteht ein grosses Risiko, dass wir den Anschluss verpassen.» Deshalb rüsteten die SBB im letzten Jahr 100 Güterwagen und 25 Loks um. Diese Erneuerungen kosteten insgesamt rund 15 Millionen Franken, davon steuerte der Bund rund 9 Millionen bei. Die Wagen verkehren momentan nur im Binnenverkehr.

Sie legten bisher bereits eine Distanz von 25'000 Kilometern zurück. «In den ersten sechs Nächten verlief der Verkehr stabil», sagt Jasmin Bigdon, Leiterin Asset Management SBB Cargo. Letztlich ist die automatische Kupplung Teil der Entwicklung in Richtung Ein-Personen-Betrieb. So werde mit der automatischen Kupplung ein Rangierer eingespart. Entlassungen soll es aber trotz der Erneuerung keine geben. Das werde alles über die natürliche Fluktuation geregelt: «In der nächsten Zeit werden 400 Fachkräfte pensioniert», sagt Perrin. Nachwuchs sei dagegen schwierig zu rekrutieren, da der Beruf noch immer von starker körperlicher Arbeit geprägt sei. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Schiene nun effizienter, pünktlicher und konkurrenzfähiger gegenüber dem Strassenverkehr werde.

Beruf soll attraktiver werden

Als Nächstes planen die SBB, sukzessive mehr automatisch gekuppelte Güterwagen einzusetzen. Mitte 2020 kommt die automatische Probe der Bremsen als weiterer Teil der Digitalisierung des Güterverkehrs hinzu. Diese soll jeweils bis zu 30 Minuten Arbeit einsparen. Auch das Kollisionswarnsystem soll künftig modernisiert werden. Statt dass das Rangierpersonal vor dem Lokführer den Überblick über die Gleise wahrt, soll die Rangierlok mithilfe von Funkfernsteuerung und Videokameras an den richtigen Ort gewiesen werden.

Alle diese Änderungen sollen den Rangierberuf wieder attraktiv machen. So geht sein Image weg vom Eisenbähnler, der zwischen zwei Zügen steht und an grossen Kupplungen dreht, hin zum Rangierer, der mit dem Tablett die Lokomotive einweist.

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