Erst spät gelang dem Grasshopper Club der Ehrentreffer. Fünf Minuten vor Abpfiff erzielten die Zürcher das 1:3 gegen Unione Sportiva Allessandria. Es war das Schlussresultat eines Spiels, das die Gäste aus Italien dank ihrer Schnelligkeit und ihres starken Kopfballspiels für sich entscheiden konnten. Doch das interessierte an diesem Sonntag, den 28. April 1929 kaum einen. Die rund 15'000 Zuschauer waren gekommen, um das neue Stadion zu feiern, das mit diesem Freundschaftsspiel offiziell eingeweiht wurde.

Innerhalb weniger Jahre wurde mit dem Hardturm bereits das dritte grosse Fussballstadion in der Stadt Zürich eingeweiht. Vier Jahre zuvor hatte der 1896 gegründete FC Zürich den in Fronarbeit durch seine Mitglieder erstellten Letzigrund in Betrieb nehmen können.

Nur rund 300 Meter vom Hardturm entfernt stand das Stadion Förrlibuck, das 1924 eingeweiht und vom 1903 aus der Taufe gehobenen FC Young Fellows, damals die dritte Kraft in der Stadt, als Heimstätte genutzt wurde. Die Entwicklung und die Popularität des Fussballs in Zürich hatte in jenen Jahren ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Auch in anderen Städten der Schweiz entstanden in jenen Jahren Stadien mit einem Fassungsvermögen von mehr als 10'000 Zuschauern.

Nationalmannschaft als Motor

Zum Boom beigetragen hatte die Schweizer Nationalmannschaft, die immer mal wieder in der Limmatstadt zu Gast war. Etwa, als sie am 18. Mai 1924 Ungarn vor 20 000 Zuschauern auf dem Förrlibuck bei einem Freundschaftsspiel mit 4:2 bezwang, ehe es nach Paris an die Olympischen Spiele ging. Dort reihte das Team Erfolg an Erfolg. Die Siegesserie wurde erst im Final von Uruguay gestoppt. Mit 0:3 unterlag die Nati den Südamerikanern. Die olympische Silbermedaille war jedoch gleichbedeutend mit dem inoffiziellen Titel des Europameisters.

Der vor 90 Jahren eröffnete Hardturm (im Bild ein Spiel zwischen GC und YB im Jahr 1959) war der dritte grosser Sportplatz, der in Zürich den 1920er-Jahren entstand.

Der vor 90 Jahren eröffnete Hardturm (im Bild ein Spiel zwischen GC und YB im Jahr 1959) war der dritte grosser Sportplatz, der in Zürich den 1920er-Jahren entstand.

Bis die drei grossen Zürcher Vereine ihre eigenen Heimstätten beziehen konnten, war es ein weiter Weg. Gespielt wurde an den unterschiedlichsten Orten in der Stadt, meist auf improvisierten Plätzen, zum Beispiel auf dem Sihlhölzli. Weil dort keine Garderoben vorhanden waren, mussten sich die Sportler nach getaner Arbeit im Sihlkanal waschen. Auch auf der Allmend gingen die Fussballer ihrem Hobby nach. Und selbst auf dem Areal der Radrennbahn Hardau in der Nähe des Albisriederplatzes, die als erste ihrer Art in der Schweiz 1892 erbaut wurde, rannten die Spieler dem runden Leder nach.

1911 hatte der FCZ dann die Gelegenheit die Radrennbahn zu erwerben. Der Verein schlug das Angebot jedoch aus. Er pachtete stattdessen einen Platz beim Restaurant Sonne an der Badenerstrasse. Der Ort, wo später der Letzigrund errichtet wurde, hiess damals noch Sportplatz An der Herdern. Doch bereits 1912 war es dem FCZ möglich, einen Platz an der Ecke Albisrieder-/Dennlerstrasse zu erwerben, den Utogrund. Dort blieb der Verein, bis er Anfang der 1920er wieder auf das Areal des Sportplatzes An der Herdern zurückkehrte, das seit dem Ende des Ersten Weltkriegs für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt wurde.

1923 stimmte der Stadtrat dem Bau des Letzigrunds zu. Zwei Jahre später, am 22. November, konnte er mit einem Spiel gegen GC, das 2:2 endete, offiziell eingeweiht werden. Doch die Freude über das eigene Stadion währte nicht lange. Wirtschaftlich schwierige Zeiten zwangen den FCZ dazu, den Letzigrund Mitte der 1930er-Jahre der Stadt abzutreten.

Auch der 1886 gegründete Grasshopper Club hatte in seinen ersten Vereinsjahren an verschiedenen Orten gespielt, ehe er Anfang des 20. Jahrhunderts an der Hardturmstrasse auf dem alten Hardturm-Sportplatz heimisch wurde. Bis zur Eröffnung des nahe gelegen Hardturm-Stadions diente der Sportplatz GC als Heimstätte.

Eine Platz-Odyssee prägte die Anfangsjahre der Young Fellows. Der Verein war unter anderem in der Radrennbahn Hardau und im Utogrund beheimatet. Anfang der 1920er-Jahre gelang es ihm schliesslich, ehemaliges Wiesland an der Förrlibuckstrasse zu erwerben. Am 11. Mai 1924 konnte dann das für 80'000 Franken erstellte Stadion Förrlibuck mit einem Freundschaftsspiel gegen das Team von Legnano aus der Lombardei eröffnet werden. Die Partie endete mit einer 0:1-Niederlage für die Gastgeber.

Ein Stadion verschwindet

Heute erinnert nichts mehr an das Stadion der Young Fellows. 1933 veräusserte der Verein das Grundstück für rund 310'000 Franken an die Stadt. Bereits 1937 genügte das Stadion den Ansprüchen von YF nicht mehr, weshalb der Club auch die Gebäude an die Stadt verkaufte und in den Letzigrund wechselte. Von da an wurde der Förrlibuck nur noch für unterklassigen Fussball genutzt. Zudem war das Stadion 1939 Ziel der Schlussetappe der Tour de Suisse. Drei Jahre später tagte auf der Anlage die «Reichsdeutsche Jugend in der Schweiz».

Fussball gespielt wurde im Förrlibuck bis Ende der 1950er-Jahre. Dann musste es dem Hardturmviadukt weichen, das an den Käferbergtunnel anschliesst und den Bahnhof Oerlikon mit den Bahnhöfen Altstetten und Hardbrücke sowie dem Hauptbahnhof verbindet. Auch die Young Fellows existieren heute nicht mehr. Nur noch das Kürzel YF im Vereinsnamen SC YF Juventus erinnert an den dreimaligen Vize-Schweizermeister und Cupsieger von 1936. Die Fusion mit Juventus Zürich wurde 1992 vollzogen.