Depressionen
Erich Seifritz vermutet, dass auch im Limmattal viele an Depressionen leiden

Die neusten Umfragen zum Thema Depression in der Schweiz erstaunen den Direktor für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich nicht.

Anina Gepp
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Grübeln ist kontraproduktiv. Eine neue Therapie hilft, negative Gedankenspiralen zu durchbrechen. H. Bärtschi

Grübeln ist kontraproduktiv. Eine neue Therapie hilft, negative Gedankenspiralen zu durchbrechen. H. Bärtschi

Herr Seifritz, jede siebte arbeitstätige Person in der Schweiz ist schon einmal an einer Depression erkrankt. Das ergab eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Isopublic im Auftrag der Initiative «Lean on Me». Überrascht Sie dieses Ergebnis?

Erich Seifritz: Nein, die Ergebnisse sind vergleichbar mit früheren wissenschaftlichen Studien aus der Schweiz und anderen Ländern. Obwohl Depressionen ausserordentlich häufig sind, werden sie allzu oft nicht erkannt und daher nicht behandelt.

Wie schätzen Sie die Zahlen im Limmattal ein?

Aus grossen epidemiologischen Studien ist bekannt, dass Depressionen mit kleinen Unterschieden in allen Ländern und Regionen etwa gleich häufig vorkommen. Zahlen, welche die Häufigkeit von Depressionen speziell im Limmattal untersucht haben, gibt es aber bisher keine.

Bei Frauen wird häufiger eine Depression festgestellt als bei Männern. Wie lässt sich das erklären?

Die Dunkelziffer bei Männern ist besonders hoch.

Weshalb?

Männern fällt es häufig schwerer, über psychische Probleme zu sprechen.

Welches sind die Anzeichen dafür, an einer Depression erkrankt zu sein?

Eine gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und die Unfähigkeit, sich an angenehmen Dingen erfreuen zu können. Weitere Merkmale sind Konzentrationsstörungen und Niedergeschlagenheit. Aber auch Schlaf- und Appetitstörungen sowie sozialer Rückzug und Einbussen in der schulischen oder beruflichen Leistungsfähigkeit können eintreten. Häufig kommen quälende Angstgefühle dazu und es können sich Suizidgedanken und -handlungen entwickeln.

Das ist eine Menge an Faktoren, die zusammenkommen.

Depressionen sind schwerwiegende Erkrankungen. Die Therapiemassnahmen hängen aber sehr von der Schwere der Depression und den einzelnen Symptomen ab. Sie setzen sich aus psychotherapeutischen, medikamentösen und sozialen Therapiemassnahmen zusammen.

Ist der erste Schritt gleich zum Psychiater zu gehen?

Jede Therapie muss individuell angepasst werden. Eine sehr wichtige erste Ansprechperson ausserhalb des Familien- und Freundeskreises ist der Hausarzt. Er kann erste Diagnose- und Abklärungsmassnahmen treffen. In einem weiteren Schritt und in gegenseitiger Absprache mit dem Patienten sollte eine fachärztliche psychiatrisch-psychotherapeutische Beurteilung und Weiterbehandlung in Betracht gezogen werden.

Wie hoch sind die Erfolgschancen einer Therapie?

Je früher eine Depression erkannt, diagnostiziert und behandelt wird, desto erfolgreicher ist die kurz- und langfristige Prognose.