Überraschung
Erfolgstrainer Antonio Caputo verlässt den FC Schlieren zum Saisonende

Nach drei Jahren – mit dem Höhepunkt des 2.-Liga-Aufstiegs – wird der emotionale Italiener sein Amt niederlegen – eine dicke Überraschung. Caputo betont, es habe nichts mit Differenzen mit dem Verein zu tun.

Ruedi Burkart
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Antonio Caputos leidende Miene wird nicht mehr lang in Schlieren zu sehen sein.

Antonio Caputos leidende Miene wird nicht mehr lang in Schlieren zu sehen sein.

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Schlierens Trainer Antonio Caputo hat sein Team schon nach dem Abschlusstraining vor dem Match gegen Oerlikon/Polizei über seinen Abgang zum Ende der Saison informiert. Eine Entscheidung, die Aussenstehende überrascht.

Schlieren feiert dritten Sieg in Folge

Was für ein Lauf des Aufsteigers! Das gestrige 2:1 im Duell zweier Mittelfeld-Klubs gegen Oerlikon/Polizei war Schlierens dritter Vollerfolg in Serie in der 2. Liga. Auch wenn es bei Dauerregen und entsprechend ungünstigen Verhältnissen auf dem glitschigen Zelgli-Kunstrasen kein grossartiges Spiel war, das die wenigen wetterfesten Zuschauer zu sehen bekamen, verdient war der insgesamt neunte Saisonsieg der ersatzgeschwächten Limmattaler allemal. Schneller als es die Polizei verkraftete, legten die Gastgeber los. Nach wenigen Sekunden hatte Sorrentino den Führungstreffer auf dem Fuss, nach vier Minuten scheiterte Hani aus aussichtsreicher Position. So war es Gullo vorenthalten, nach sieben Minuten das Skore zu eröffnen. Erst langsam fanden die Gäste aus der grossen Stadt ins Spiel und in Torhüter Würsten ihren Meister. Zweimal musste der untadelige FCS-Keeper in extremis retten, dann gings wieder auf die andere Seite. Und wie: Die Art und Weise, wie Mazzoleni vor dem 2:0 durch die gegnerische Defensive marschieren durfte, gemahnte fast schon an ein lockeres Trainingsspielchen. Doch dass es den Gastgebern nicht zu wohl wurde, dafür sorgten sie gleich selbst. Nach einem Ballverlust der Schlieremer im Mittelfeld gings ganz schnell. Und noch ehe der wild gestikulierende FCS-Stürmer Sorrentino seine Hände wieder unten hatte, verkürzte Sodano zum 2:1. Kurz nach Wiederanpfiff hatte Schlierens aufgerückter Verteidiger Karadza nach einem herrlich getretenen Freistoss von Diener die Vorentscheidung auf dem Kopf. Doch das Aluminium verhinderte das 3:1. So blieb das Resultat knapp – und die Partie offen bis zum Schluss. Schliesslich gewann der FCS verdient mit 2:1 und grüsst in der Tabelle vor den letzten sieben Partien vom dritten Rang. (rubu.)

Caputo wirkt das dritte Jahr auf dem Zelgli, führte letzten Sommer den Verein erstmals seit fast 30 Jahren wieder in die 2. Liga und etabliert das Team in der aktuellen Spielzeit im vorderen Mittelfeld. Warum also geht der Erfolgstrainer? «Wissen Sie, es ist für mich einfach der richtige Zeitpunkt, die Mannschaft im Sommer in andere Hänge zu geben. Ich will gehen, solange ich den Zeitpunkt meines Abgangs selbst wählen kann. Und nicht, wenn ich gehen muss.»

Caputo streitet ab, dass es mit dem Vorstand Differenzen irgendwelcher Art gegeben habe. Es fehle ihm schlicht an der Zeit, die Aufgabe weiterhin mit dem selben Einsatz wie bisher zu bewältigen. «Ich führe ein Geschäft mit zehn Mitarbeitern, habe Familie.» Und auch für ihn habe der Tag nur 24 Stunden und die Woche nur sieben Tage. Zudem habe er seine Engagements immer in Drei-Jahres-Rhythmen geplant.

Der Sportchef hat schon Bewerbungen erhalten

Gianni Votta ist nicht nur Schlierens Sportchef. Er ist auch ein guter Freund von Caputo. Votta sagt: «Natürlich waren wir überrascht, als uns Toni letzten Donnerstag seine Entscheidung mitteilte.» Er, Votta, habe allerdings schon eine Woche früher Kenntnis davon gehabt. Und allem Anschein nach nicht nur er. «Es war kaum zu glauben, aber vor einer Woche habe ich bereits die ersten Bewerbungen für die Nachfolge erhalten.»

Jetzt die Abschiedstournee Laut eigener Aussage freut sich Caputo auf seine letzten Wochen als Trainer der 1. Mannschaft des FC Schlieren. «Mein Team und ich werden bis zum letzten Spiel am 21. Juni Vollgas geben. Wir wollen uns Ende Saison möglichst weit vorne platzieren.» Der Startschuss zu Caputos Abschiedstournee fällt am Sonntagnachmittag beim Gastspiel in Einsiedeln. Der Startschuss zum Tanz um den frei werdenden Trainerstuhl auf dem Zelgli ist längst gefallen.

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