«Urchig» ist wohl das treffendste Wort, um den Schwingkeller unter der Turnhalle Moos in Schlieren zu beschreiben. Bevor das Training der Jungschwinger des Schwingklubs Glatt- und Limmattal beginnt, wird das Sägemehl nass gemacht. «Im nassen Sägemehl haben die Schwinger mehr Halt», sagt Bruno Auf der Maur, Leiter Kommunikation des Schwingklubs. Zudem werde damit verhindert, dass die Schwinger ersticken, wenn sie mit dem Gesicht voran im Sägemehl landen.

Nach und nach treffen die Knaben im Schwingkeller ein. Darunter sind auch der 11-jährige Dario Cirone aus Schlieren und der 15-jährige Oliver Bachmann aus Dietikon. An den vergangenen Schwingfesten überzeugten die beiden Jungschwinger mit hervorragenden Leistungen.

Richtig aufwärmen, um sich nicht zu verletzen

Das Training beginnt. Zusammen mit Jungschwingerleiter Luca Pallaoro spielen die Knaben zunächst Fussball im Sägemehl, um warm zu werden. Wer ein Tor kassiert, macht Liegestütze oder Rumpfbeugen. Die Verbindung von Fussball und Kraftübungen fordert die Sportler konditionell und wärmt die wichtigsten Gelenke auf. «Es ist sehr wichtig, sich richtig aufzuwärmen, damit die Gelenke beim Schwingen nicht verletzt werden», erklärt Auf der Maur. Immer wieder ringen sich die jungen Sportler gegenseitig zu Boden. Während dies in einem Fussballklub nicht gern gesehen wäre, zeigt es hier die Motivation der Jungschwinger und die Freude an ihrem Sport.

Besonders ehrgeizig ist Oliver Bachmann. Obwohl er erst in einem Jahr offiziell bei den Aktiven des Schwingklubs mitschwingen darf, nimmt er jetzt schon an ihrem Training teil. So kann er öfter trainieren. «Oliver sucht die Herausforderung. Er hat einen starken Willen», lobt Luca Pallaoro den Nachwuchsschwinger. Auch abseits des Schwingklubs betätigt sich Bachmann sportlich: «Ich gehe wöchentlich ins Fitnessstudio und mache auch zu Hause Kraftübungen.»

Er verfolgt hohe Ziele und muss dementsprechend hart trainieren: «Mein Ziel ist die Teilnahme am Eidgenössischen Schwingfest 2022. Dann bin ich 18 Jahre alt und somit teilnahmeberechtigt.» Um viel Erfahrung sammeln zu können, versucht er, an so vielen Schwingfesten wie möglich teilzunehmen. Sein Fleiss zahlt sich jetzt bereits aus: Bachmann erhielt einen Zweig am Kantonalen Nachwuchsschwingertag in Schleinikon und erreichte den zweiten Platz an der Bruederschwinget in Bachenbülach.

Für jede Situation den richtigen Schwung kennen

Nach dem Aufwärmen demonstriert Luca Pallaoro einen Schwung. Einer der Knaben nimmt eine Verteidigungsposition am Boden ein. Pallaoro übernimmt den Angriff. Er zeigt auf, welche Möglichkeiten Angreifer und Verteidiger haben, um siegreich aus der Situation hervorzugehen. Anschliessend begeben sich die Jungschwinger in Position, um diesen Schwung zu trainieren. «Es gibt etwa 100 Schwünge. Die Schwinger müssen lernen, situativ auf verschiedenste Schwünge zu reagieren», kommentiert Bruno Auf der Maur.

Immer wieder wechseln die Jungschwinger den Kontrahenten. Da die Knaben zwischen 8 und 16 Jahre alt sind, sind sie unterschiedlich gross und kräftig. Bei wechselnden Gegnern lernen sie, die Schwünge sowohl gegen kleinere als auch gegen grössere Schwinger einzusetzen. Gemäss Auf der Maur können kleinere Schwinger das fehlende Körpergewicht mit einer ausgereiften Technik wettmachen. Somit sind auch kleine und leichte Schwinger ernstzunehmende Gegner.

Das weiss auch Dario Cirone. Der 11-Jährige ist eher gross für sein Alter. Da Jungschwinger an Wettkämpfen nicht in Gewichts-, sondern in Altersklassen antreten, muss er häufig gegen kleinere Gegner kämpfen. Im Training lernt er, damit umzugehen. Als er jünger war, hat Cirone einen passenden Sport gesucht: «Für mich war es besonders wichtig, einen Sport zu finden, bei dem ich Mann gegen Mann meine Kraft messen kann.» So ist er auf das Schwingen aufmerksam geworden. Nach nur zwei Jahren beim Jungschwingerverein zeigen sich erste Erfolge. Zu seinen grössten Errungenschaften gehören der dritte Platz an der Bruederschwinget in Bachenbülach und ein Zweig am Kantonalen Nachwuchsschwingertag. Er weiss aber auch, woran er noch arbeiten muss: «Ich muss meine Ausdauer trainieren, damit ich meine Kraft über längere Zeit aufrechterhalten kann.»

Auch im Einzelsport herrscht Teamgeist

Im Schwingkeller geht es kollegial zu und her. «Es ist zwar ein Einzelsport, doch im Verein herrscht ein guter Zusammenhalt», sagt Auf der Maur. Beispielsweise gehe der Jungschwingerleiter mit den jungen Sportlern an die Wettkämpfe, um sie zu unterstützen. Aus diesem Grund unterbricht Pallaoro an dieser Stelle das Training. Er möchte das Schwingfest vom vergangenen Wochenende besprechen. Auch Oliver Bachmann hat daran teilgenommen. Pallaoro zeigt ihm auf, was er bei den Kämpfen hätte besser machen können und wo er gut agiert hat.

Anschliessend werden weitere Schwünge geübt. Die Jungschwinger und ihre Kleider sind voller Sägemehl. «Im Training ist mir das Sägemehl zu nass», merkt Dario Cirone an. Er bevorzuge, wenn das Sägemehl halbtrocken sei. Trotzdem gefalle ihm das Training sehr. Auch wenn es keine Jungschwinger in seinem Alter im Verein habe, mag er es, sich mit den anderen zu messen.

Auch Oliver Bachmann mag die Gesellschaft der anderen Jungschwinger: «Zwar bevorzuge ich es, an Wettkämpfen teilzunehmen, doch die Leute im Training sind grossartig.» Da er bei den Aktiven mittrainiert und weitere Kurse besucht, lernt er ausserdem immer wieder Neues, das er den Jüngeren im Training beibringen kann.