Urteil

Er beschaffte sich Nacktfotos von jungen Mädchen – und ist dankbar, dass er jetzt verhaftet wurde

Der Beschuldigte hatte mehrere Kinder übers Internet zu sexuellen Handlungen angestiftet und 66'000 Dateien aus dem Internet heruntergeladen, die hauptsächlich minderjährige Mädchen nackt oder beim Geschlechtsverkehr zeigten. (Symbolbild)

Um mehr Intimbilder zu erhalten, hat ein Mann eine 13-Jährige bedroht. Das Bezirksgericht Pfäffikon rang mit dem Strafmass.

Ganz in Schwarz ist der Beschuldigte an diesem heissen Sommernachmittag gekleidet. Als er die Quartierstrasse zum Bezirksgericht Pfäffikon hinaufschlendert, hält er in der einen Hand eine Zigarette, in der anderen ein Red Bull. Im Gerichtssaal bekennt er sich schuldig, mehrere Kinder zu sexuellen Handlungen aufgefordert zu haben. Zudem hatte er über 66'000 Dateien aus dem Internet heruntergeladen, die hauptsächlich unter 16-jährige Mädchen nackt oder beim Geschlechtsverkehr zeigten.

Aufforderung via Chat

Der Mann, der an einer Fernsehsendung für Jugendliche und junge Erwachsene mitgearbeitet hatte, gab sich während über vier Jahren auf verschiedenen Internetplattformen als unter 16-jähriges Mädchen aus, um an Nacktbilder und Filme zu gelangen. Von insgesamt zehn Mädchen erhielt er – nach entsprechender Aufforderung – Filme und Bilder, in denen sie sich im Intimbereich berühren.

Dieses Vorgehen klappte auch bei einer damals Zwölfjährigen, die ihm «mindestens zehn Fotografien und eine Filmaufnahme schickte», wie es in der Anklageschrift heisst. Irgendwann brach sie den Kontakt ab. Doch der Beschuldigte verlangte mehr Fotos und Filme. Und er drohte, dass er die bisherigen Aufnahmen ins Netz stellen werde. Das Mädchen weigerte sich. Und suchte später Hilfe bei ihrer Mutter. Die Kantonspolizei verhaftete daraufhin den Beschuldigten.

«Ich bin dankbar, dass ich verhaftet wurde», sagte der Beschuldigte gestern vor Bezirksgericht. «Ich wollte da rauskommen.» Zuvor hatte ihn die Richterin gefragt, weshalb er das getan habe. «Es hatte sich in meinem Leben festgesetzt, wie ein Automatismus. Ich habe es einfach gemacht und gar nicht mehr überlegt.» Wäre er nicht erwischt worden, hätte diese Phase wohl länger angehalten, sagte der Beschuldigte. Das Ganze habe sich aber ausschliesslich im Internet abgespielt. Abseits davon hätten ihn junge Mädchen nie sexuell gereizt.

Das gestrige Verfahren war abgekürzt: Der Beschuldigte war geständig und hatte das Strafmass der Staatsanwaltschaft bereits im Vorfeld akzeptiert. Diese hatte eine Freiheitsstrafe von 26 Monaten und eine Busse von 500 Franken als angemessen erachtet. Die Freiheitsstrafe wird vorerst zugunsten einer ambulanten Therapie angeordnet. «Um mein Leben in den Griff zu bekommen, ist eine Therapie sicher die beste Option», sagte der Beschuldigte gestern zur Richterin.

Das Gericht bestätigte die von der Staatsanwaltschaft und dem Beschuldigten vereinbarte Strafe. Dies allerdings erst nach einer rund einstündigen Beratung. Denn: «Es ist kein eindeutiger Fall», sagte die Richterin im Hinblick auf die Höhe der Strafe. Denn die Schwere der Tat sei erheblich. «Sie haben gegenüber dem Mädchen ein hartnäckiges Verhalten an den Tag gelegt», sagte die Richterin zum Beschuldigten. Indem dieser sehr viel kinderpornographisches Material besessen habe, habe er auch den Missbrauch, der hinter diesen Bildern und Videos steckt, unterstützt. «Jeder, der die Bilder runterlädt, generiert eine Nachfrage.» Der Beschuldigte war zudem schon einmal für den Besitz von Kinderpornographie verurteilt worden.

«Eine letzte Chance»

Dass er sogleich ein Geständnis abgelegt hatte, wertete die Richterin positiv. Zudem wies sie auch auf die schwere Kindheit des Mannes und auf seine fehlende Tagesstruktur hin. «Am Ende haben wir das vorgeschlagene Strafmass knapp gutgeheissen», sagte die Richterin. Damit verbunden sei auch die Hoffnung, dass er die Therapie mit viel Engagement angehe. «Es ist in dem Sinn eine letzte Chance.»

Nebst der Therapie darf der Beschuldigte in seinem Beruf während zehn Jahren nicht in Kontakt mit Minderjährigen stehen. Ausserdem verhängte das Gericht ein fünfjähriges Kontaktverbot zu unter 16-Jährigen. Drei beschlagnahmte Festplatten und zwei Telefone, auf denen sich Kinderpornographie befand, wurden zerstört. Die Verfahrenskosten von 16'800 Franken muss der Beschuldigte tragen. Einzig das Honorar des Verteidigers, rund 10'000 Franken, werden der Staatskasse belastet.

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