Coronakrise

Entsorgungstourismus: Deswegen entsorgen Personen mit Aargauer Autokennzeichen in Birmensdorf

Gemeinden schliessen ihre Entsorgungsmöglichkeiten auf Werkhöfen oder stellen die Papier- und Kartonsammlung ein. Nun laden die Einwohner ihren Abfall bei der Nachbargemeinde ab. (Archivbild)

Gemeinden schliessen ihre Entsorgungsmöglichkeiten auf Werkhöfen oder stellen die Papier- und Kartonsammlung ein. Nun laden die Einwohner ihren Abfall bei der Nachbargemeinde ab. (Archivbild)

Die Birmensdorfer und Geroldswiler Sammelstellen werden von Auswärtigen aufgesucht, weil einige Gemeinden die Entsorgung reduzieren.

«Die Solidarität unter den Gemeinden vermisse ich in dieser schwierigen Zeit», sagt der Birmensdorfer Gemeindepräsident Bruno Knecht (parteilos). Besonders bezüglich des Abfallwesens regt er sich derzeit auf. «Einige Nachbargemeinden schliessen ihre Entsorgungsmöglichkeiten auf Werkhöfen oder stellen die Papier- und Kartonsammlung ein. Nun laden die Einwohner ihren Abfall beim Nachbar ab», sagt Knecht.

Der Gemeinderat habe zuletzt festgestellt, dass die Birmensdorfer Sammelstelle mehr als üblich genutzt werde. «Wir befinden uns derzeit etwa auf dem hohen Niveau, das üblicherweise nur zwischen Weihnachten und Neujahr erreicht wird.» Das Abfallwesen gehöre zu den grundlegenden Dienstleistungen einer Gemeinde. Besonders jetzt, wo sich zahlreiche Menschen vieles nach Hause liefern liessen, entstehe viel Abfall und es sei daher umso wichtiger, dass dieser von der Gemeinde entsorgt werde.

Auch Personen mit  Aargauer Kennzeichen

Ähnlich klingt es beispielsweise auch in Geroldswil: «Unsere Sammelstelle nutzen auch Personen mit Aargauer Autokennzeichen und Personen aus anderen Gemeinden unseres Bezirks», sagt Martin Conrad (SVP). Der Sicherheitsvorstand ist Leiter des Krisenstabs der Gemeinde und stellt wie die Verantwortlichen in Birmensdorf fest, dass die Sammelstelle der Gemeinde stärker genutzt wird. Beide Gemeinden rüsteten ihre jeweiligen Anlaufstellen um, damit sie den Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit bezüglich Sicherheitsabstand entsprechen. In Geroldswil werden gar zwei Gemeindeangestellte beansprucht, die aufgrund der Krise ihrer üblichen Tätigkeit nicht nachgehen können.

Wer entsorgt seine Wertstoffe in Birmensdorf und Geroldswil? Sind es zum Beispiel Schlieremerinnen und Schlieremer? Die Hauptsammelstelle im Werkhof ist nämlich geschlossen. Sämtliche übrigen Möglichkeiten, seine Wertstoffe loszuwerden, sind jedoch noch geöffnet.

In Urdorf ist die Sammelstelle Tyslimatt seit dem 30. März zu. Wann sie wieder geöffnet wird, sei noch offen, sagt Leiter Stab Patrick Müller auf Anfrage. «Grössere, nicht anders organisierbare und notfallmässige Entsorgungen können aber unter Voranmeldung weiterhin durchgeführt werden», sagt er. Dass die Schliessung in den umliegenden Gemeinden für Unmut sorgen könnte, ist ihm nicht bekannt: «Seitens Bevölkerung oder umliegender Gemeinden sind uns keine diesbezüglichen Reaktionen bekannt.»

In Uitikon sind sämtliche Sammelstellen offen und auch die Abholungen werden durchgeführt. Wie Gemeindeschreiber Sinisa Kostic auf Anfrage sagt, müssen einzelne Abholungen, wie etwa jene durch das Sonderabfallmobil, im April jedoch abgesagt werden.

In Dietikon, Oetwil, Weiningen und Aesch sind die kommunalen Sammelstellen ebenfalls geöffnet. Wie der Oetwiler Gemeindeschreiber Pierluigi Chiodini sagt, habe man aber eine Personenbeschränkung erlassen, um den Vorgaben des Bundes zu entsprechen. In Dietikon hat die Wertstoffsammelstelle Zelgli an fünf Tagen pro Woche geöffnet.

Knecht und Conrad beobachten die Situation in ihren jeweiligen Gemeinden genau. «Ich kann mir beispielsweise auch vorstellen, dass Abfall illegal im Wald entsorgt wird», sagt Knecht. Stelle sich heraus, dass solche illegale Entsorgungen zunehmen oder der Ansturm auf die eigene Sammelstelle zu gross werde, müsse man etwas unternehmen.

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