Schlieren
Engpass bei Krebsmedikamenten auch im Spital Limmattal

Abgelaufene Patente, weltweiter Kostendruck und reduzierte Lagerbestände in der Pharmaindustrie sorgen für einen akuten Mangel an Krebsmedikamenten – ein Ende sei nicht absehbar.

Katja Landolt
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Das Spital Limmattal.

Das Spital Limmattal.

Christian Murer

Die Versorgungslage bei gewissen Krebsmedikamenten in der Schweiz sei «dramatisch» und die Sicherheit einiger Patienten «gefährdet». Diese Meldung des Schweizerischen Apothekerverbands sorgte letzte Woche für Schlagzeilen (az vom 14. Mai). «Ja, wir haben Probleme bei der Beschaffung dieser speziellen Medikamente», bestätigte gestern auch Heidi Dazzi, ärztliche Leiterin Tucare, dem Ambulatorium für Tumor- und Bluterkrankungen am Spital Limmattal, auf Anfrage. Von diesem Lieferengpass betroffen seien altbewährte wichtige Medikamente, beispielsweise für die Behandlung von Magen- und Darmtumoren, Brustkrebs und Lungentumoren.

Liefer-Vorinformationen fehlen

Das Spital Limmattal bezieht die Medikamente bei den Schweizer Pharma-Grosslieferanten und in kleinerem Umfang direkt bei den Herstellerfirmen. Zwei wichtige Medikamente würden über international tätige Apotheken bezogen, um auch die Qualitätsgarantie zu sichern. Begonnen hat der Engpass laut Dazzi im November 2011. Im Januar 2012 habe sich die Situation zugespitzt – und ein Ende sei nicht absehbar. «Das Problem herrscht nicht nur bei uns im Spital Limmattal, aber wir als kleinere Onkologie bekommen sehr gute Unterstützung durch die Lieferanten», so Dazzi.

Die Gründe für die Lieferengpässe sind laut Dazzi vielfältig: abgelaufene Patente, die das Medikament für die Pharmaindustrie wegen des schrumpfenden Gewinns uninteressant machen, der weltweite Kostendruck im Gesundheitswesen und die deshalb reduzierten Lagerbestände der Pharmafirmen. «Durch die Reduktion der Lager der Pharmakonzerne bekommen wir den Medikamentenmangel erst zu spüren, wenn eine Bestellung nicht lieferbar ist», sagt Dazzi. Eine entsprechende Vorinformation fehle jeweils, was zu grossen Verzögerungen führt.

Um diese Mängel abzufedern, setzt die Praxis Tucare im Spital Limmattal derzeit eine Arztstelle im Umfang von 20 Prozent allein für den Medikamenteneinkauf und die Recherchen ein. «Wir müssen herausfinden, wo im In- und Ausland die Medikamente zu einigermassen normalen Preisen erhältlich sind», so Dazzi. Das Problem: Die steigenden Beschaffungskosten können auf niemanden abgewälzt werden. «Und allfällige Ersatzmedikamente werden von Versicherern – noch – nicht bezahlt.»

Trotz des ständigen Mangels hält Dazzi fest, dass im Spital Limmattal bisher noch nie ein Krebsmedikament ausgegangen ist: «Bis heute ist es uns dank eines grösseren Lagers, guter Planung und dem Einsatz grösserer Ressourcen immer gelungen, alle Medikamente rechtzeitig verfügbar zu haben.» Sollte die Situation dramatisch werden, würde man noch intensiver im Ausland einkaufen. Dazzi hält fest: «Wir können den Patienten garantieren, dass sie jederzeit die den Qualitätsansprüchen genügenden Medikamente erhalten, die sie benötigen.»

Und wie geht es weiter? «Ich gehe davon aus, dass wenn Gespräche zwischen Bund und Pharmabranche nicht eine sofortige Verbesserung bringen, sich die Lage in den nächsten Jahren drastisch verschärfen wird.» Dadurch würden sich die Preise, die Kosten und letztlich wieder die Prämien deutlich erhöhen.