Rechtes Limmattal
Elternbildungsverein löst sich nach 20 Jahren auf: Präsidentin Nancy Bänziger erklärt die Gründe

Das Ziel des Vereins Elternbildung rechts der Limmat (EBL) war, Eltern in Erziehungsfragen zu unterstützen. Der Vorstand hatte aber vermehrt mit rückläufiger Nachfrage und zu wenig Freiwilligen zu kämpfen. Nun löst er sich per Ende Jahr auf.

Ly Vuong
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«Es gab Anlässe, da kamen 40 Besucher, dann wiederum solche, wo nur fünf da waren.»

«Es gab Anlässe, da kamen 40 Besucher, dann wiederum solche, wo nur fünf da waren.»

zvg

Noch vor einem Jahr hat der Verein Elternbildung rechts der Limmat (EBL) sein 20-jähriges Bestehen an einem Comedy-Abend mit dem Entertainer und ehemaligen Kindergärtner Dominic Deville gefeiert. Aber jetzt löst sich der Verein auf. Die Präsidentin Nancy Bänziger und die acht weiteren Vorstandsmitglieder haben die Auflösung an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung im September vorgeschlagen. Die rund 20 Delegierten nahmen den Vorschlag einstimmig an.

Die Auflösung geschieht auf Ende Jahr. Beim Verein dabei waren auch Gemeinden, Schulpflegen, Elternvereinen und Kirchen des rechten Limmattal. Das Ziel war, Eltern in Erziehungsfragen zu unterstützen. Die EBL finanzierte sich über Mitgliederbeiträge und Veranstaltungseinnahmen. «Pro Jahr gab es in der Region jeweils sechs Veranstaltungen zu Themen, die Eltern beschäftigen», sagt die Vereinspräsidentin Bänziger. Dieses Jahr hielten Experten beispielsweise Referate zu Themen wie den grössten Erziehungsirrtümern, dem lustvollen Lernen oder zum Thema Humor in der Erziehung.

1998 gewann der Verein einen Preis

Der Verein kann dabei auf eine erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Im Jahr 1998 wurde der damals noch junge Verein für sein aussergewöhnliches Engagement und für die gut vernetzte Zusammenarbeit unterschiedlicher Institutionen mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet. Höhepunkte des Vereins in seinem 20-jährigen Bestehen waren ausserdem Vorträge von prominenten Referenten wie etwa dem Krisenspezialisten Allan Guggenbühl, dem Kinderarzt Remo Largo oder dem Autor Bänz Friedli. Ein weiterer Höhepunkt war der Auftritt des Kolumnistenpaars der «Coopzeitung», Sybil Schreiber und Steven Schneider. «In den Anfangszeiten gab es noch Pflästerli- und Wickelkurse. In den letzten Jahren haben wir den Fokus mehr auf Schule, Lernen und allgemein Erziehung gesetzt», so Bänziger.

Zwar verfügte der Verein über eine treue Stammkundschaft, doch könne es nicht Sinn des Vereins sein, dass der Vorstand privat in seinem Bekanntenkreis zusätzlich zu den in den Gemeinden und Schulen rechts der Limmat verteilten Halbjahresprogrammen noch Werbung machen müsse. «Es gab Anlässe, da kamen 40 Besucher, dann wiederum solche wo nur fünf Interessierte da waren», so Bänziger.

Der Verein spendet sein Vermögen

Das Ende sei irgendwie absehbar gewesen. Einerseits sprachen zwar der treue Besucherstamm und die gute Vernetzung des Vereins gegen eine Auflösung, doch überwogen die Argumente dafür: Die Nachfrage war rückläufig. Die Zeit der Eltern ist begrenzter als auch schon. Die Berufstätigkeit von Müttern führe dazu, dass Erziehungsaufgaben teilweise an Profis wie Krippen und Tagesschulen delegiert würde. Parallel dazu sei das Angebot zu Erziehungsfragen gestiegen. Die Elternbildung des Kantons Zürich unterstützt den Verein Elternbildung zwar, bietet aber selbst auch einiges an. Zudem seien die Honorare für Referenten tendenziell gestiegen. Nicht zuletzt gestaltete sich die Neubesetzung des Vorstands und des Präsidiums schwierig, wie Bänziger weiter sagt: «Nächstes Jahr wären wir nur noch fünf Personen im Vorstand und das würde nicht der Mindestanzahl in den Statuten entsprechen.»

Bänziger ist Mutter dreier Kinder und präsidiert den Verein seit elf Jahren. «Es ist eine gute Zeit gewesen, doch ist unser Angebot so nicht mehr zeitgemäss», bilanziert die Weiningerin. Das Vermögen des Vereins wird nach der Auflösung an drei Stiftungen verteilt, die Kinder oder benachteiligte Menschen unterstützen: die Theodora-Stiftung, die Stiftung Sternschnuppe und das Haus Morgenstern.