Elektroautos
Elektroauto-Produzent Kaufmann: «Ich halte nichts von dieser Diskussion»

Elektroautos seien zu teuer, nicht benutzerfreundlich und beinhalten viel graue Energie. So lauten die Vorwürfe. Was sagen die Produzenten?

Gioia Lenggenhager
Merken
Drucken
Teilen
Sergio Kaufmann

Sergio Kaufmann

Herr Kaufmann, der günstigste Neuwagen der Kamoo AG kostet 24000 Franken. Ist das schlicht zu teuer für die Masse?

Sergio Kaufmann: Nicht mehr lange. Ein Elektroauto hat wohl heute noch einen höheren Anschaffungspreis als ein Auto mit Verbrennungsmotor, dafür sind die Betriebskosten deutlich tiefer. Längerfristig betrachtet ist ein Elektroauto aber günstiger, da es viel effizienter ist und eine längere Lebensdauer hat. Heute sind die Batterien noch etwas teuer; mit der Massenproduktion wird sich das ändern.

Ist die Politik gefragt?

Ja. Die Elektromobilität ist in der Anfangsphase staatlich zu fördern. Kaum ein Land engagiert sich weniger als die Schweiz.

Was gibt es zu tun?

Die öffentliche Ladeinfrastruktur ist aufzubauen. Die Ausbildung im Bereich der nachhaltigen Energien ist auf allen Stufen zu fördern. Die politischen Rahmenbedingungen sind anzupassen. Die Schweiz überlässt die Innovation dem Ausland und verschläft die grossen Chancen der Elektromobilität. Kaum ein Politiker setzt sich für die Elektromobilität ein – ein grosser Fehler.

Ihre Elektroautos kann man mit der normalen Haushaltssteckdose aufladen. Der Strom für den Akku, mit dem man rund 100 Kilometer zurücklegen kann, kostet zwar nur zwei Franken aber der Ladevorgang dauert acht Stunden. Wie benutzerfreundlich ist das?

Die Themen Reichweite und Ladedauer werden völlig überbewertet. Ich fahre seit drei Jahren ausschliesslich Elektroautos und hatte noch nie ein Problem mit Reichweite oder Ladedauer. Dasselbe gilt für die zehn Elektroautos, die zudem in meinem Informatik-Unternehmen im Einsatz sind. Wir sprechen von Nahverkehrsfahrzeugen, nicht von Langstrecken-Limousinen. Wenn man zu Hause einen Parkplatz mit 230-V-Anschluss hat, ist die Sache sehr einfach. Man kommt abends nach Hause und steckt das Elektroauto ein. Am nächsten Morgen ist es vollgeladen und man kann wieder zur Arbeit fahren. Idealerweise hat man auch am Arbeitsplatz eine Lademöglichkeit.

Ein Elektroauto stösst zwar keine CO2-Emissionen aus, aber in der Herstellung der Batterie und der Stromproduktion steckt viel graue Energie. Wie umweltschonend sind Elektroautos wirklich?

Elektroautos sind sehr umweltschonend. Keine Abgase, weniger Lärm, weniger Verschleissteile, weniger Bremsscheiben, keine Zündkerzen, kein Motorenöl. Ein Elektromotor hat zudem einen Wirkungsgrad von über 90 Prozent, ein Verbrennungsmotor bestenfalls 35 Prozent. Natürlich benötigt es auch für die Produktion eines Elektroautos Energie. Ich wundere mich aber darüber, dass dies gerade bei den Elektroautos thematisiert wird. Kaum jemand spricht über den Energieverbrauch und die daraus entstehenden Umweltbelastungen für Förderung, Transport, Verarbeitung und Verteilung von fossilen Brennstoffen. Ganz abgesehen von den wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Schäden, die das bestehende System anrichtet.

Irritiert Sie die aktuelle Diskussion?

Die Gegner der Elektromobilität rechnen noch die graue Energie der Baumaschinen, die vor 30 Jahren einen Staudamm errichtet haben, ein. Ich halte nichts von dieser Diskussion, sie stammt eindeutig aus dem Lager der Automobil- und Erdöllobby.

Ihr neues Modell «Smile» ist ein Cabriolet. Ein Versuch, Elektrofahrzeuge attraktiv zu machen?

Wir bringen mit dem «Smile» ein in der Schweiz entwickeltes und produziertes Elektrofahrzeug auf den Markt. Es ist tatsächlich ein attraktives Elektrofahrzeug, das neben den genannten Vorteilen beim Fahren auch sehr viel Spass vermittelt.
Sergio Kaufmann ist Gründer und Geschäftsführer der Kamoo AG, die in Schlieren Elektrofahrzeuge produziert, verkauft und unterhält. Das Unternehmen beschäftigt zehn Angestellte.