Schon seit vier Jahren könnten Dietiker Baderatten eine eigene Flussbadi an der Limmat haben. Könnten – wenn die Sache nur nicht so vertrackt wäre. Denn auf der Pendenzenliste des Stadtrats steht das Projekt schon lang: Bereits als die Legislaturziele 2006 bis 2010 ausgearbeitet wurden, fand die Flussbadi den Weg in das Regierungsprogramm. Sie hätte 2008 realisiert werden sollen. Daraus wurde aber nichts. Der ins Auge gefasste Standort – die Wiese zwischen Bahnhof Dietikon und Limmat – stellte sich wegen des nahen Kraftwerk-Stauwehrs der Elektrizitätskraftwerke des Kantons Zürich (EKZ) als ungeeignet heraus.

Stadt hat Land im Gebiet Brunau

Im Jahr 2009 fasste die Stadt eine Wiese in der Nähe des Bahnhofs Glanzenberg ins Auge. Stadtpräsident Otto Müller sprach damals davon, wie eine Holzplattform und eine Treppe als Ausstieg das Gebiet für Badende erschliessen könnte. Im Februar 2010 dann gab der Stadtrat bekannt, das Land sei nun im Eigentum der Stadt: Durch einen Landabtausch war man an einen Landspickel von knapp 1500Quadratmeter Grösse direkt am Fluss gekommen, am westlichen En-de der Überbauung Limmatblick. Müller bestätigte, dass die Stadt dort gerne ein Flussbad sähe. Die Sache sei jedoch auch aufgrund von Haftungen und Involvierung des kantonalen Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) kompliziert, erklärte der Stadtpräsident. Man könnte das Projekt nicht alleine bewilligen.

«Projekt ist noch Projekt»

Zwei Jahre später ist man noch kaum weiter. Das Projekt ist zwar auch im aktuellen Regierungsprogramm eingetragen und soll nun in den Jahren 2012 oder 2013 realisiert werden. Doch zumindest dieses Jahr wird es an der Limmat sicher keine Badi geben. «Momentan ist das Projekt noch Projekt», sagt Müller auf Anfrage: «Wir sind im Gespräch mit dem Awel und den EKZ und erwarten
einen konkreten Planungsschritt auf 2013.» Die erneute Verzögerung des Projekts hängt laut dem Stadtpräsidenten mit der Neukonzessionierung des Kraftwerks und der Bewilligung von ökologischen Ausgleichsmassnahmen zusammen, die dem Kanton von den EKZ unterbreitet werden müssen.

Müller betont jedoch, er sei nach wie vor zuversichtlich. Das Projekt Flussbadi habe für die Stadt einen hohen Stellwert: «Baden in der Limmat entspricht einem Wunsch vieler Personen und würde die Attraktivität der Stadt im Freizeitbereich steigern.»

EKZ hat «ernsthafte Bedenken»

Ob es tatsächlich eines Tages so weit kommen wird, ist jedoch fraglich. Denn die EKZ sind von der Idee einer Flussbadi alles andere als angetan. «Wir befürworten das Projekt nicht», sagt Mediensprecherin Priska Laïaïda auf Anfrage. Der Grund: Man habe «ernsthafte Bedenken» bezüglich der Sicherheit. «Die Kraft des Flusses wird oft unterschätzt», so Laïaïda: «Vor allem, nachdem es geregnet hat.»

Das Konzessionsgesuch inklusive der Umweltverträglichkeitsprüfung haben die EKZ beim Kanton bereits eingereicht, wie Laïaïda sagt. «Da-
rin war von einem Flussbad nicht die Rede.»

Kanton wartet auf die Stadt

Etwas positiver äussert sich der Kanton zur Flussbadi. «Das Awel ist über die Absicht der Stadt Dietikon im Bild, das Baden im Fluss oberhalb des Kraftwerks mit entsprechenden Einrichtungen zu erleichtern», gibt Mediensprecher Wolfgang Bollack auf Anfrage bekannt. Diese Absicht decke sich mit den Plänen des Massnahmenplans Wasser des Awel für das Einzugsgebiet Limmat und Reppisch. Man werde dazu Stellung nehmen, «sobald seitens Stadt konkrete Pläne vorliegen», so Bollack.