Der Jazzclub Oberengstringen hat mit dem Konzert des Cool Velvet Quartetts ein Stück Weltkulturerbe in Sachen Jazzmusik erlebt. Das Quartett mit George Robert (Altsaxofon), Francis Coletta (Gitarre), Pierre Boussaguet (Bass) und Alex Riel (Drums) gedachte in einer musikalischen Hommage des vor zehn Jahren verstorbenen, wohl einflussreichsten weissen Saxofonisten der Welt: Stan Getz. Als ukrainischer Einwanderer mit dem richtigen Namen Stanley Gayetzsky spielte Getz mit Grössen wie Nat King Cole, Lionel Hampton oder Benny Goodman.

Eigentlich war Getz ein Pionier des Bebop, doch seine Aufnahmen wurden in ihrer Relevanz erst viel später richtig eingeschätzt. Seit Beginn seiner Karriere war der sensible und privat zu Ausfälligkeiten neigende Künstler drogen- und alkoholsüchtig. Trotz des nicht einfachen Hintergrunds hat Stan Getz auf der Bühne nie versagt. Noch wenige Monate vor seinem Tod - Stanley Gayetzsky litt an Leberkrebs - sah man ihn auf der Bühne stehen.

Mit dem unvergesslichen Welthit «The Girl from Ipanema» eröffnete das famose George Robert Quartett das zweite Set vor einem begeisterten Publikum. Genau mit jenem Lied, das Stan Getz zu absolutem Weltruhm verhalf. Die Bossa-Nova-Komposition, die das Künstlerviertel von Rio de Janeiro in seiner Entstehung begleitete, ist auch heute noch in vieler Munde bekannt.

Das Altsaxofon und George Robert verschmelzen zu einer Einheit, sobald der 50-Jährige das Mundstück zwischen seine Lippen presst. Diese grazile, nein sogar filigrane Führung eines Musikinstrumentes ist schlicht meisterhaft. Aber auch Francis Coletta und Pierre Boussaguet sowie Alex Riel stehen Robert in musikalischer Hinsicht überhaupt in nichts nach. Kein Wunder, durfte genau dieselbe Formation im wohl weltberühmtesten Jazzclub Montmartre in Kopenhagen ein sechstägiges Gastspiel geben, welches jeden Abend ausverkauft war. In jenem Club übrigens, in dem auch Stan Getz, der viele Jahre in Kopenhagen lebte, einst aufgetreten ist.

«Wenn man Musiker auf der Bühne hat, die mit dem grossen Meister selbst gespielt haben, darf die Erwartung gross sein», sagte Martin von Aesch vom Jazzclub Oberengstringen in seiner Begrüssung. Und das Publikum wurde von der ersten Minute an mit einem musikalischen Hochgenuss belohnt, wie es von Aesch angekündigt hatte. Beste Jazzmusik mit Spuren von Bossa Nova, die Stan Getz vor ein paar Jahrzehnten weltbekannt werden liessen.

«Getz war ein absolut melodischer Musiker. Die jungen Leute von heute stehen leider mehr auf Rhythmik und hören den Unterschied nicht», sagt George Robert, heutiger Leiter des Jazzdepartementes an der Fachhochschule für Musik in Lausanne. Sein Altsaxofon sieht Robert wie eine Art Verlängerung zu sich selbst, als Mensch. «Das Saxofon ist für mich wie meine Stimme, es gehört einfach zu mir.»

Genau dieses gewisse Etwas würdigte das Publikum mit lang anhaltendem Applaus. «Es ist besonders eindrücklich, wenn man Saxofonist George Robert und Gitarrist Francis Coletta zuhören darf», gesteht Martin von Aesch. Das Publikum war unisono der gleichen Meinung: «Wir haben einen musikalisch unvergesslichen Abend erlebt und als Sahnehäubchen gewann Roger Federer während der Zugabe auch noch sein Halbfinalspiel in Paris.»