Dietikon

Eine verfaulte Avocado in einem Corona-Buch: Dietiker Schüler gewinnen Schreibwettbewerb

Leonie Rásonyi (14) aus Dietikon konnte die Fachjury um Carlo Meier mit ihrer Geschichte überzeugen.

Leonie Rásonyi (14) aus Dietikon konnte die Fachjury um Carlo Meier mit ihrer Geschichte überzeugen.

Der Sammelband «Augenblicke» von Kinderautor Carlo Meier erzählt 50 Geschichten aus dem Lockdown im Frühling. Vier dieser Texte stammen von Primar- und Sekundarschülern aus Dietikon.

Von Corona sind wir alle betroffen – und so hat jeder von uns eine Geschichte, dazu zu erzählen, hat sich Carlo Meier gedacht. Der Kinderbuchautor ist Herausgeber des Buches «Augenblicke – 50 Storys von Schweizer Kindern und Jugendlichen zu Coronazeiten», das letzte Woche beim StoryPark Verlag erschienen ist. Auf 164 Seiten sind darin die 50 Gewinner eines Schreibwettbewerbs versammelt, den Meier während des Lockdowns im Frühling ausgeschrieben hatte. Unter ihnen befinden sich auch vier Primar- und Sekundarschüler aus Dietikon.

Eine davon ist Leonie Rásonyi. Sie besucht die dritte Sekundarstufe im Liceo Artistico in Zürich. In ihrer Geschichte mit dem Titel «Quarantäne ohne Grenzen» beschreibt sie ihren tristen Alltag während des Lockdowns, der sich auf der Wohnfläche zwischen ihrem Bett und dem Kühlschrank abspielte. «Ich verfaule», schreibt die 14-Jährige. «Ich verfaule wie die Avocado, die seit letzter Woche in der Küche liegt und seit Tagen kein Tageslicht gesehen hat.» Und weiter: «Man sieht sie an, denkt erst darüber nach, sie endlich mal wegzuschmeissen, doch genug verfault ist sie noch nicht, denn man könnte sie schliesslich noch essen, aber das will man dann doch nicht. So fühle ich mich.»

Rásonyi träumt davon, eines Tages Schriftstellerin zu werden. «Ich mag es, eigene Welten zu erfinden. Ich schreibe gerne Aufsätze und Kurzgeschichten», sagt sie. Das sei auch der Grund für ihre Teilnahme an Meiers Wettbewerb gewesen. Ihr Text für «Augenblicke» hingegen sei nicht ganz frei erfunden gewesen, sagt Rásonyi. «Mir war schon ziemlich langweilig während des Lockdowns. Ich finde, ich habe diese bedrückende Langeweile und Belanglosigkeit gut beschrieben und dem Leser näherbringen können.» Nun unter die besten 50 gewählt worden zu sein, fühle sich «echt gut» an.

Die Not macht erfinderisch, besagt ein Sprichwort. Carlo Meier kann dies bestätigen, schliesslich ist «Augenblicke» so entstanden: Als die erste Coronawelle im Frühling die Schweiz erreichte, fielen auch seine anstehenden Buchlesungen dem Lockdown zum Opfer – 80 Termine waren betroffen. «Ich musste eine Alternative finden. Meine Frau hat mich dann auf die Idee mit dem Sammelband gebracht.» Er sei sofort begeistert gewesen und habe das Projekt unverzüglich in Angriff genommen.

«Mr. Corona» schrieb das Vorwort

Während dreier Monate konnten sämtliche Schüler aus der Deutschschweiz von der vierten Primar- bis zur dritten Sekundarstufe ihre Geschichten einreichen. Diese sollten nicht länger als 500 Wörter sein und entweder ein persönliches Ereignis während der Coronazeit schildern, eine frei erfundene Coronageschichte erzählen oder beschreiben, wie die Welt in einem Jahr – von Corona geprägt – aussehen wird. Eingereicht wurden rund 300 Storys, über die eine Fachjury urteilte. Diese bestand neben Meier aus weiteren Kinderbuchautoren wie Alice Gabathuler und Sunil Mann.

Das Vorwort des Buchs hingegen schrieb jemand, der während des Lockdowns selbst eine wichtige Rolle einnahm: «Mr. Corona» Daniel Koch. Der ehemalige Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit, lobt darin der Facettenreichtum der Erzählungen. «Die jungen Autorinnen und Autoren haben das abgeliefert, was Bücher so lesenswert macht», schreibt er. Die Geschichten seien traurig, lustig, fantasievoll – «kurz, sie besitzen alles, was man sich vorstellen kann und will.»
Meier pflichtet dem bei und sagt, er werde in Zukunft womöglich weitere ähnliche Projekte lancieren. Die ersten Verkaufszahlen jedenfalls geben ihm recht. Beim Buchhaus Stocker ist «Augenblicke» gleich auf Platz 1 eingestiegen.

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