Am Ende angekommen, verringert sie leicht die Höhe und bewegt sich wieder zurück. Unablässig schwebt sie hin und her. Während ihres Flugwegs sprüht sie Farbe an die Fassade. Erreicht sie die mit Blachen abgedeckten Fenster, wird der Farbstrahl jeweils unterbrochen.

Das Surren und Zischen lockt einige Zuschauer an. Früher, meint einer lachend, hätten für so ein kleines Gebäude vier Maler ausgereicht. «Jetzt schau Dir das an, heute braucht es dafür zehn Techniker.» In der Tat halten sich viele Personen im Baustellenbereich auf. Rund zwei Dutzend sind es, die mit Bauhelmen, Stiefeln und Warnwesten rund um die Drohne herumwuseln. Das ist nicht erstaunlich: Es handelt sich nicht um einen gewöhnlichen, eingespielten Vorgang – es handelt sich um einen ersten Versuch unter realen Bedingungen. Deshalb sind nicht nur die benötigten Techniker vor Ort, sondern viele weitere Voliro-Teammitglieder sowie Vertreter von Spital und Bauleitung.

Drohne färbt eine Hausfassade ein.

Die Drohne färbt die Fassade.

Eine Drohne, die in der Luft Hand anlegen kann

«Wir testen innovative Lösungen», sagt Sasha Edelmann von der Generalunternehmung Losinger Marazzi, die den Spitalbau verantwortet. Anders als in anderen Bereichen stecke die Robotik im Bau noch etwas in den Kinderschuhen. «Wir wollen Erfahrungen sammeln, was alles möglich ist.» Dass professionell ein Gebäude mit einer Drohne angestrichen wird, sei eine Premiere, sagt Edelmann. Mit dem Spital Limmattal habe man einen innovativen Partner, mit dem man derartige Versuche auch wagen könne.

Zum Einsatz gelangt am Limmi die von Voliro entwickelte omni-direktionale Drohne. Mit ihren beweglichen Rotoren lässt sie sich exakt steuern, ohne dass sich dabei die Plattform neigt. Das Fluggerät kann deshalb beispielsweise auch einen Sensor mehrere Sekunden an ein Rohr drücken, was Untersuchungen in luftiger Höhe erleichtert.

Die Drohne sei wie «eine Hand im Himmel», lautet denn auch ein Werbeslogan des Zürcher Start-ups, das mit seinen Entwicklungen bereits international für Schlagzeilen gesorgt hat. Für den Anstrich des Rettungsdienst-Stützpunktes ist die Drohne mit einem Sprühaufsatz ausgerüstet. Die Farbe wird dabei kontinuierlich vom Boden aus über einen dünnen Schlauch zur Drohne gepumpt.

Der Test am Spital verläuft weitgehend erfolgreich. Hin und wieder wird, wie dies bei einer Premiere üblich ist, etwas gebastelt und gepröbelt. So muss einmal die Kamera an der Drohne, die alles mitfilmt, geputzt werden – beim Sprühen waren zuvor ein paar Farbtropfen zurückgespritzt. Und einmal verlieren die Voliro-Systeme plötzlich ihre Energie, die Drohne muss notgelandet werden. Der Fehler ist rasch gefunden. Es ist einer, der unter Laborbedingungen zuvor nie vorgekommen war: An einem anderen Ort auf der Spitalbaustelle hatte ein Bauarbeiter den Voliro-Stecker herausgezogen und sein eigenes Gerät an den Strom angeschlossen.

Für Arbeiten am Hochhaus

Mit der Drohne geht der Anstrich des neuen Stützpunktes des Rettungsdienstes am Spital Limmattal relativ zügig voran. Es sei durchaus Potenzial vorhanden, um derartige Fluggeräte im Baubereich einzusetzen, meint Edelmann. Beim Start-up Voliro denkt man beispielsweise darüber nach, die Drohne für Unterhaltsarbeiten an Hochhäusern einzusetzen. So liessen sich Fassaden oder auch Fenster abspritzen.

Der Versuch am Spital Limmattal lockt auch Bauarbeiter an, die nebenan das alte Bettenhochhaus abreissen. Dass die Drohne sie dereinst ersetzen könnte, glauben sie nicht. «Eine Drohne kann eine gute Ergänzung sein», meint einer. Für eine punktuelle Ausbesserung eigne sich beispielsweise eine Drohne durchaus, so müsse nicht extra für eine kleine Arbeit ein Gerüst errichtet werden. Doch bei heftigem Regen fliege die Drohne nicht und die Techniker blieben sicher auch in ihren Büros, wirft ein anderer lachend ein. «Wir bleiben aber immer draussen und chrampfen einfach weiter.»