Das Kloster Fahr hat in seiner fast 900-jährigen Geschichte schon manches erlebt. Ein solch grosser Gottesdienst, wie er am Sonntag gefeiert wurde, stellte aber trotzdem eine Premiere dar.

Über 1200 Personen, davon die meisten Absolventinnen der Bäuerinnenschule, fanden sich schon am frühen Morgen ein, um gemeinsam das Ende der traditionsreichen Ausbildungsstätte zu feiern. 69 Jahre nach ihrer Gründung schliesst die Bäuerinnenschule für immer ihre Tore.

Für die Benediktinerinnen im Fahr war das Anlass genug, diesen Abschluss in einem würdevollen Rahmen zu begehen. Dass sich so viele ehemalige Schülerinnen – insgesamt absolvierten in den letzten 69 Jahren 4042 Frauen die Schule – auf den Weg ins Fahr machten, sorgte bei Priorin Irene für besonders grosse Freude.

«Dass Sie hier mit uns die Ära der Bäuerinnenschule vollenden, ist für unsere Klostergemeinschaft das grösste Geschenk, das Sie uns machen können», sagte sie.

«Es herrschte strenge Ordnung»

Auch für die vielen Absolventinnen war der festliche Anlass ein besonderer Moment. «Wir sind hier, um die Ära Bäuerinnenschule mit einem Fest zu vollenden, und um nochmals die Gelegenheit zu haben, die schönen Erinnerungen aufzufrischen, Leute zu treffen und Schulluft zu schnuppern», sagte Ursi von Euw-Steiff.

Die Schwestern an der Modeschau

Die Schwestern an der Modeschau

Sie besuchte den Winterkurs 1990/1991 und ist heute Präsidentin der Bäuerinnenvereinigung des Kantons Schwyz.

Sie könne sich noch gut daran erinnern, wie sie damals ins Fahr gekommen und gespannt gewesen sei, was sie erwarten werde, so von Euw-Steiff. «Wir wurden von den Schwestern in Empfang genommen und herzlich begrüsst.

Schon bald hatten wir das Gefühl, in unserem neuen Zuhause für das nächste halbe Jahr angekommen zu sein», hielt sie fest. In dieser Zeit habe sie viel lernen und die Gelegenheit wahrnehmen dürfen, eine Schule fürs Leben zu besuchen.

Klara Alt-Schwegler aus dem Luzernischen, die im Sommer 1958 die Schule besuchte, kann sich noch gut an damals erinnern. «Es herrschte strenge Ordnung. Bereits am ersten Abend wurden wir in unserem Zimmer zur Ruhe gemahnt», sagte sie.

Trotzdem habe sie im Fahr eine unvergessliche Zeit verbracht. Noch immer treffe sie ihre ehemaligen Klassenkameradinnen jedes Jahr. «Aber dieses Abschlussfest ist etwas ganz Besonderes.»

Abt Martin Werlen zu Gast

Zu den Besuchern der Abschlussfeier zählten neben Vertretern der Gemeinden Würenlos und Unterengstringen auch Martin Werlen, Abt der Klöster Einsiedeln und Fahr, sowie der Aargauer Landammann Alex Hürzeler.

Letzterer würdigte den Einsatz all jener, die die Schule bis heute gestaltet und getragen und damit Grossartiges geleistet hätten. «Dies soll denn auch bei allem Abschiedsschmerz im Vordergrund stehen, Dankbarkeit und Freude darüber, was hier geleistet wurde und was unzählige junge Frauen aus diesem Kurs mitnehmen konnten», so Hürzeler.

Eine besondere Erinnerung durften die Absolventinnen des letzten Kurses mitnehmen, der letzten Donnerstag beendet wurde. Die jungen Frauen wurden während ihrer Ausbildung vom Fotografen Christoph Hammer begleitet.

Dessen Bilderausstellung wurde ebenfalls gestern, im Anschluss an den Gottesdienst, eröffnet. «Die Bilder von Christoph Hammer führen uns dazu, dankbar des Vergangenen zu gedenken, leidenschaftlich die Gegenwart zu leben und zuversichtlich in die Zukunft zu gehen», würdigte Abt Martin die Arbeit des Fotografen.