Noch bevor EVA so richtig zum Leben erweckt werden konnte, ist bereits ihr Ende gekommen. Die «Effiziente Verwertung von Abfall», ein Projekt, das noch vor Jahresfrist interessante Perspektiven für die kantonsübergreifende Kehrichtverwertung eröffnet hatte, wurde wieder zu Grabe getragen. Damit wird es keinen gemeinsamen Standort für die Aargauer und Zürcher Kehrichtverwertung ab 2030 geben.


Im April hatten die Kehrichtverwertungsanlagen (KVA) Buchs, Turgi und Limeco/Dietikon mitgeteilt, Kooperationsvarianten zu prüfen. Dies wegen umweltrechtlicher Bestimmungen, die Ersatzneubauten in Turgi und Dietikon an den heutigen Standorten infrage stellen, wenn die bestehenden Anlagen um 2030 ihr Betriebsende erreicht haben. Ein mögliches Szenario war deshalb, die beiden KVA rückzubauen, die KVA Buchs zu vergrössern und an einem neuen Standort gemeinsam eine Neuanlage zu erstellen.


So begab man sich die letzten Monate auf Standortsuche und wurde an rund einem Dutzend Orten fündig, die den Kriterien wie Abwärmenutzung, Verkehrserschliessung und Zonenkonformität entsprachen. Grösstenteils liegen diese im unteren Aaretal, wo mit der Refuna AG ein potenzieller Fernwärmebezüger vorhanden gewesen wäre. Auch das Areal des Coop-Verteilzentrums an der Reservatstrasse, das die Dietiker Limeco von Coop kaufen möchte, wurde als vielversprechender Standort evaluiert, heisst es in einer gestrigen Medienmitteilung von Roger Huber, Präsident des Gemeindeverbands Kehrichtverwertung Region Baden-Brugg und Initiator des EVA-Projekts.


Absagen von allen Gemeinden


Die Gespräche mit den Standortgemeinden verliefen jedoch erfolglos. «Sämtliche Gemeindebehörden erteilten uns für eine KVA auf ihrem Gemeindegebiet eine Absage», sagt Huber. «Wir haben stets betont, dass wir uns bei der Standortsuche nicht gegen die betroffenen Gemeinden auflehnen würden.» Eine neue KVA müsse nicht nur ökologisch, finanziell und technisch genügen, sondern auch in der Bevölkerung breit abgestützt sein.
Die Gründe für die Absagen waren unterschiedlich. So stand im Spätsommer fest, dass Refuna Pläne für ein eigenes Holzheizkraftwerk vorantreibt. Und in Dietikon berief sich der Stadtrat auf den kantonalzürcherischen Richtplan. Dieser sieht einen Ausbau der KVA auf maximal 160'000 Jahrestonnen Verbrennungskapazität vor. Für das Projekt EVA wäre jedoch eine Anlage für 200'000 Tonnen betriebswirtschaftlich interessant gewesen, so die Medienmitteilung. Huber: «Unter diesen Voraussetzungen musste deshalb auch der Standort Dietikon verworfen werden.»


Zürcher Vorbehalte


Aber auch eine zweite Kooperationsvariante ohne neuen Standort war nicht von Erfolg gekrönt. Sie sah vor, dass die KVA Limeco rückgebaut, die KVA Turgi verkleinert und die KVA Buchs für die doppelte Verbrennungskapazität erweitert würde. Dieses Szenario hätte ebenfalls kantonsübergreifende Abfallströme bedeutet, und sämtlicher Kehricht aus dem gemeinsamen Einzugsgebiet wäre im Aargau verwertet worden.

Huber: «Es hat sich herauskristallisiert, dass bei dieser Lösung mit einigen Vorbehalten seitens des zuständigen Zürcher Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft zu rechnen gewesen wäre.» Denn die Variante hätte der kantonalzürcherischen Kapazitäts- und Standortplanung für thermische Abfallverwertung widersprochen: zu wenig Abfall in Dietikon, zu viel in einer aargauisch-zürcherischen Grossanlage.


Gegen die Interessen der Limeco


«Ein Konfrontationskurs mit dem Kanton Zürich wäre auch ein Risikofaktor für die Volksabstimmung über den Landkauf von Limeco», begründet Roger Huber den Entscheid, auch die zweite Variante nicht weiter zu verfolgen. «Es läge nicht im Sinn des Projekts EVA, ein wichtiges Vorhaben eines Projektpartners zu gefährden.»


Auf Nachfrage drückte Limeco-Geschäftsführer Patrik Feusi gestern sein Bedauern über das Projektende aus. «Moderne Anlagen werden heute mit einer Verbrennungskapazität von 200'000 Jahrestonnen und mehr gebaut. Von daher bedauern wir sehr, dass wir die Chance einer effizienten gemeinsamen Anlage am Standort Dietikon nun nicht weiterverfolgen können.» Sie hätte sowohl ökonomisch als auch ökologisch interessante Möglichkeiten eröffnet. An den drei beteiligten KVA sei man der Auffassung gewesen, dass eine solche Anlage sehr zukunftsträchtig gewesen wäre.


«Parallel zu den gemeinsamen Bestrebungen mit den Aargauer Kollegen haben wir aber auch die Planung einer selbstständigen Zukunft entschlossen vorangetrieben», so Feusi. Insbesondere sei es gelungen, sich mit der Coop-Genossenschaft über den Kauf des direkt an die heutige KVA anschliessenden Grundstücks zu einigen und damit die notwendigen Landreserven für die künftige Entwicklung zu sichern. «Die erste Option ist weggefallen. Jetzt arbeiten wir daran, die zweite Option erfolgreich umzusetzen.»

Die Stimmberechtigten der Limeco-Trägergemeinden (Dietikon, Geroldswil, Oberengstringen, Oetwil, Schlieren, Unterengstringen, Urdorf und Weiningen) werden am 10. Juni 2018 über diesen Kaufvertrag abstimmen. Das sei ein wichtiger Schritt in die Zukunft – für Limeco und für die Ver- und Entsorgungssicherheit des Limmattals, so Feusi in einem Begleitschreiben zur gestrigen Medienmitteilung.


Während sich in Dietikon für Limeco mit dem Landerwerb eine Lösung abzeichnet, bleibt in Turgi das Problem der umweltrechtlichen Standortunsicherheit bestehen. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, dass die KVA Buchs und Turgi die strategische Zusammenarbeit fortführen. Ob und wie, ist offen. So steht die Limeco am Ende des Kooperationsprojekts am besten da.