Dietikon
Eine «feurige Drachengeburt» mitten in der Stadt Dietikon

Der Dietiker Künstler Samuel Bächtold liess vor dem Stadthaus ein Drache dem Feuer entsteigen. Sehr zur Freude der vielen Kunstinteressierten und Schaulustigen.

Senada Haralcic
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«Drachengeburt» in der Stadt Dietikon
6 Bilder
Der Künstler ist mir der Skulptur sehr zufrieden
Vor der Drachengeburt stehen die Zuschauer gespannt vor dem Gitterwürfel und warten bis der Drachenmacher Samuel Bächtold diesen hebt
Dann der magische Moment - Bächtold präsentiert stolz den glühenden Drachen
Der glühende Tondrachen wird aus der Glut direkt in Sägemehl getaucht und kühlt darin aus - so entsteht eine rissige Oberfläche
Der Drachenmacher begutachtet sein Werk noch während dem Abkühlen, um sicherzugehen dass die Risse gut sichtbar sind

«Drachengeburt» in der Stadt Dietikon

Senada Haralcic

Viele Kunstinteressierte und Schaulustige haben sich vor dem Stadthaus versammelt und schauen gespannt auf einen «Gitterwürfel». Dieser wird von der Innenseite mit Keramikfaser abgedichtet. Der Würfel befindet sich auf einem speziellen Gasofen: «Ich erhitze jetzt auf 1000 Grad», warnt der Künstler Samuel Bächtold, während er die Gasflasche aufdreht und die Zuschauer bittet, bei der anschliessenden «Drachengeburt» nicht mit dem Blitz zu fotografieren. Der Keramik-Drachen solle schliesslich, wenn er den Gitterwürfel hebt, im Dunkeln durch sein Glühen leuchten und somit allen «einen magischen Moment» bescheren.

Drachen in drei Tagen erschaffen

Bächtold hat zurzeit sein improvisiertes Atelier im neu eröffneten «Textwerk» neben dem Stadtkeller. Dort arbeitete er rund drei Tage an seinem zirka 40 Zentimeter hohen Drachen: «Ich habe ihn neben dem Ofen modelliert, das war sehr praktisch», erzählt der 57-Jährige. Wie viele Drachen er bisher aus Ton erschaffen hat, weiss der Künstler nicht, seines Motivs ist er sich jedoch sehr bewusst: «Drachen haben eine Aura und sie geben mir ein gutes Gefühl. Ausserdem bin ich beim Modellieren uneingeschränkt», sagt Bächtold. Wenn er Menschen modelliere, müsse er die Statur und Gesichtszüge übernehmen, bei seinen Drachen sei das anders: «Ich verarbeite den Ton, wie ich will. Das gibt mir Freiheit. Und genau das liebe ich an meinem Beruf.»

Der Höhepunkt der «Drachengeburt» ist der Moment, in dem Bächtold den Gitterwürfel vom Ofen hebt und darunter die glühende Tonfigur im Dunkeln leuchtet. Diese Brenntechnik, die aus Japan stammt, nennt man «Rakubrand»: «Nach dem Modellieren wird die Figur glasiert und im Ofen auf rund 1000 Grad erhitzt, zirka eine Stunde lang», erklärt Bächtold den Zuschauern. Wenn er den Gitterwürfel hebe, reisse die Glasur und durch das Streuen von Sägemehl würden dann Risse und Strukturen im Ton sichtbar, was seinen Drachenfiguren ihre Einzigartigkeit verleihe.

Den speziellen Gasofen hat der Drachenmacher von Emmi Braunbock erhalten. Die Fahrweiderin ist ebenfalls Keramik-Künstlerin und hat den Ofen in den 80er-Jahren gebaut und selber viele Jahre für ihre Skulpturen verwendet: «Es macht mich stolz, dass der Drachenmacher nun meinen Ofen benutzt», erzählt Braunbock.

Stil unterscheidet sich stark

Sie habe zwar schon oft mit Bächtold zusammengearbeitet, die Stile ihrer Keramikfiguren seien jedoch sehr unterschiedlich: «Ich modelliere Menschen», sagt die Künstlerin. «Ich finde seine Figuren faszinierend, gerade weil er so viele Einzelteile zusammenfügt». Und nicht nur Braunbock ist begeistert: Als der Drachenmacher den Gitterwürfel schliesslich hebt, geht ein Raunen durch das Publikum. Alle zücken ihre Fotoapparate, um den magischen Moment der Drachengeburt festzuhalten - wohl bemerkt - ohne Blitz.