Dietikon: Ein herzförmiger Behälter für die geweihte Hostie, umgeben von farbigen Rosetten, darunter die mit Strahlenkranz umgebene Maria auf dem aus Kupfer vergoldeten Sockel. Auf der Rückseite zieren Familienwappen aus Baden und Solothurn die Monstranz, die mit Liebe zum Detail von Johan Jacob Läublin aus Schaffhausen im Jahr 1710 gefertigt wurde. Um das 90-Jahr-Jubiläum des Neubaus der katholischen Kirche St. Agatha von 1927 zu feiern, bietet eine besondere Ausstellung im grossen Saal des Pfarreizentrums die einmalige Chance an, die grossen und kleinen Schätze der katholischen Kirche aus nächster Nähe zu betrachten.

Erst vor kurzem brachte Hanspeter Lanz, langjähriger Kurator am Landesmuseum Zürich, in Zusammenarbeit mit dem Ortsmuseum Dietikon und der katholischen Kirchenpflege die wahre Bedeutung ans Licht: «Die Gegenstände sind weit über die Region von Bedeutung und haben einen grossen Seltenheitswert im künstlerischen sowie im historischen Sinn. Zudem sind sie für die Identifikation Dietikons wichtig», erzählt Lanz. Sie seien mit theologischen Aussagen verbunden, und die Kostbarkeit liege auch an den vielen Verbindungen zu unterschiedlichen Gebieten, die Rückschlüsse auf Beziehungen zulassen. So sei es beispielsweise selten, dass sich ein Original-Kaufvertrag, wie jener der grossen Mostranz, finden lässt.

Vom Grossvater zum Enkel

Ergänzend dazu gibt eine Tonbildschau weitere Einblicke in die Geschichte der Kirche: «Josef Hinder hat solches Bildmaterial über viele Jahre für das Archiv des Ortsmuseums katalogisiert, und es ist sehr speziell, dass wir eine solche Ausstellung anbieten können», sagt Regula Stauber, Leiterin des Ortsmuseums Dietikon. Der 26-jährige Masterstudent Sven Wahrenberger, der seit Januar 2016 im Ortsmuseum tätig ist, ergänzt: «Es gab bereits Broschüren und Hinweise zu den Gegenständen und Gewändern, aber das war kein Vergleich zu all dem, was wir jetzt mit der Recherche herausgefunden haben». Das Interesse habe er von seinem Grossvater Sepp Huber (87), der sogleich zur Tür hereinkommt und sich die Vernissage nicht entgehen lässt. Er erinnere er sich noch gut an die Zeit des 2. Weltkrieges, als er kurzfristig als Sigrist den Part für seinen Vater in der Kirche übernahm, erzählt er.

Einen besonderen Zugang zur Ausstellung hat auch der 27-jährige Laurenz Gomez: «Es ist ein besonderes Erlebnis, die Gegenstände so nahe zu sehen. Die Ausstellung ist eindrücklich, besonders der Kelch von 1938», sagt er. Gemeint ist ein Primizkelch, auf dessen Sockel mitunter zwei italienische Heilige dargestellt sind.

Auch Liliane Huber-Müller freut sich, die vielen Gewänder genauer ansehen zu können. Sie erinnere sich noch gut daran, als einer der kostbaren Gegenstände vor langer Zeit an einem windigen Tag beinahe zu Bruch ging, erzählt sie. Für die nächsten Tage funkeln zwei Monstranzen und präsentieren sich stolz die alten Kelche in den Vitrinen, bevor alles wieder im Tresor verschwindet – dort, wo Schätze normalerweise hingehören.

Pfarreizentrum St. Agatha, Dietikon, bis Donnerstag jeweils 16-19 Uhr.