Abstimmung

Eine 4,5-Zimmer-Wohnung für 1290 Franken? Die Stadt macht's möglich

Im Leuschenbach-Quartier in Zürich-Nord soll eine städtische Wohnsiedlung für 213 Millionen Franken entstehen, falls das Stimmvolk Ja sagt.

Zürich wächst, doch günstiger Wohnraum bleibt knapp. Die Siedlung Leutschenbach soll etwas Abhilfe schaffen. Am 19. Mai wird darüber abgestimmt.

Und wieder einmal kommt es zu einer wohnpolitischen Abstimmung in Zürich: Am 19. Mai entscheidet das städtische Stimmvolk über den Bau der Wohnsiedlung Leutschenbach. Für 213 Millionen Franken sollen gleich neben den Fernsehstudios 369 kommunale Wohnungen entstehen. Zwei Drittel davon würden nach dem Prinzip der Kostenmiete, also ohne Gewinnabsichten vermietet; ein Drittel der Wohnungen wäre darüber hinaus noch subventioniert. Eine 4,5-Zimmer-Wohnung gäbe es beispielsweise für 1580 Franken Monatsmiete; mit Subventionen läge die Miete bei 1290 Franken.

Die Siedlung mit zwei sieben- bis neunstöckigen Hauptgebäuden würde nach Minergie-Standards gebaut und Abwärme aus der Kehrrichtverbrennungsanlage Hagenholz sowie aus dem Fernsehstudio-Rechenzentrum nutzen. Der Strom käme teils aus der Solaranlage auf dem Dach der Siedlung. Auch vier Kindergärten wären in dem rund 1200 Einwohner fassenden Bauprojekt eingeplant.

Der rot-grün dominierte Stadtrat und die Mehrheit des Gemeinderats unterstützen die Vorlage. FDP und SVP lehnen sie hingegen ab. Sie finden es falsch, dass die Stadt selbst als Bauherr und Vermieter auftritt. Private würden billiger bauen, meinen sie. Zudem käme die kommunale Siedlung nur einer kleinen Anzahl von glücklichen Auserwählten zu Gute, moniert die SVP.

Dass Private zumeist teurer vermieten als gemeinnützige Wohnbauträger, ist jedoch weitgehend unbestritten. Die Mieten privater Neubauten in Zürich Nord liegen in der Regel etwa doppelt so hoch wie in der geplanten städtischen Wohnsiedlung, schrieb etwa die «NZZ» kürzlich.

Die Mitte-links-Parteien argumentieren, der Bau der Wohnsiedlung Leutschenbach würde einen Beitrag leisten, um die Forderungen aus dem wohnpolitischen Grundsatzartikel der Zürcher Gemeindeordnung zu erfüllen. Demnach muss die Stadt dafür sorgen, dass sich die Zahl der nicht gewinnorientierten Wohnungen stetig erhöht – langfristig auf einen Drittel aller Mietwohnungen. 2011 stimmten die Stadtzürcher Stimmberechtigten diesem Ziel zu.

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