Urdorf
«Eine 10'000-Einwohner-Gemeinde braucht nicht zwei parallele Verwaltungen» – darum stehen alle Parteien hinter der Einheitsgemeinde

Eine Umfrage bei den Urdorfer Ortsparteien zeigt, dass sie die beiden grossen Abstimmungsvorlagen zur Einheitsgemeinde und zum Kunstrasen am 31. Januar an der Urne befürworten. Einige hätten im Vorfeld jedoch gerne noch diskutiert und Fragen gestellt.

Sibylle Egloff
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Geht es nach den Ortsparteien steht der Einheitsgemeinde Urdorf so kurz vor der Abstimmung nichts mehr im Weg.

Geht es nach den Ortsparteien steht der Einheitsgemeinde Urdorf so kurz vor der Abstimmung nichts mehr im Weg.

Severin Bigler

Die Einheitsgemeinde kann kommen. Das finden zumindest alle Urdorfer Ortsparteien. «Mit einer Einheitsgemeinde erhält Urdorf eine einfache und effiziente Verwaltung, unter anderem auch in den Bereichen Liegenschaften und Finanzen. Eine Gemeinde mit 10000 Einwohnern braucht nicht zwei parallele Verwaltungen mit ihren unvermeidlichen Doppelspurigkeiten», sagt Emanuel Agustoni, Co-Präsident der FDP Urdorf. Das Dorf profitiere davon, wenn Dienstleistungen aus einer Hand erbracht würden. In einer Einheitsgemeinde könne sich die Schule auf ihre schulischen Aufgaben konzentrieren.
Laut EVP-Präsident Marcel Zirngast ergab eine Online-Mitglieder­befragung, dass die Ortspartei die Fusion überaus deutlich befürwortet. «Die EVP sprach sich schon 2016 für die Zusammenlegung der politischen Gemeinde und der Schulgemeinde aus. Da die Einheitsgemeinde nun von beiden Exekutiven unterstützt wird, dürfte dieser nun nichts mehr im Weg stehen», sagt Zirngast.

Für die SVP Urdorf bringt die gemeinsame Zukunft der Schule und der Gemeinde Vorteile. «Für die Bevölkerung gibt es nur noch eine Anlaufstelle innerhalb der Gemeinde», sagt Co-Präsident Adrian Stutz. Im Bereich Liegenschaften und Infrastruktur könne die Einheitsgemeinde auf viele Ressourcen und Fachleute innerhalb der Verwaltung zurückgreifen. Dies entlaste wiederum die Schule. So könne sich diese mit ihrer Kernaufgabe, der Führung der Schule, befassen, sagt Stutz. Die Grünliberalen begrüssen die Zusammen­führung der beiden Behörden. «Es freut uns sehr, dass ein von uns lange unterstütztes Projekt endlich Realität werden kann», sagt Präsident Stephan Rothmund. Damit werde eine Gesamtschau auf die Entwicklung von Urdorf möglich. Vor allem im Bereich der Liegenschaften sei dies zwingend erforderlich.

Die CVP Urdorf lobt die bereits erfolgte Zusammenarbeit der beiden Behörden. «Der Prozess zum Zusammenschluss der politischen Gemeinde und der Schulgemeinde Urdorf zu einer ­Einheitsgemeinde wurde von beiden Gütern sorgfältig und in gegenseitigem Vertrauen geführt. Die politischen ­Parteien konnten sich im Rahmen einer Vernehmlassung zur neuen Gemeindeordnung konstruktiv einbringen», schreibt die Partei in einer Mitteilung. Die CVP Urdorf erachtet die Voraussetzungen für das Funktionieren einer Einheitsgemeinde als gegeben und ist sich sicher, dass die Schule Urdorf die gute Bildungsqualität auch in Zukunft gewährleisten kann. Gerade im Bezug zur Entwicklung der Schulimmobilien könne der Bereich Liegenschaften der Gemeinde wichtige Optimierungen bieten, die sich in verschiedenen Synergien auswirken werden, schreibt die CVP. Weiter heisst es, der Vorstand ­bedauere, dass insbesondere zu den beiden wichtigen Abstimmungen über die Einheitsgemeinde und den Kunstrasenplatz keine vorberatende Gemeindeversammlung habe stattfinden ­können. Man erkenne aber den Entscheid des Gemeinderats und die Beweggründe zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung.

SP fordert Vergrösserung des Gemeinderats

Etwas anders geht es der SP Urdorf. Die Partei findet die Absage der vorberatenden Gemeindeversammlung ebenso schade. «Wir verstehen jedoch die Begründung des Gemeinderats nicht. Weil man keine Risikogruppe und keinen Bevölkerungskreis in ihren politischen Rechten beschneiden wollte, wurde der Anlass nicht durchgeführt. Mit diesem Entscheid wurden alle anderen in ihren politischen Rechten aber ebenso beschnitten», sagt Co-Präsidentin Ursula Baumgartner. Die SP unterstützt die Bildung einer Einheitsgemeinde, hätte jedoch gerne noch ein paar Änderungsanträge zur gemeinsamen Gemeindeordnung vorgebracht und einige Fragen diskutiert.

«Uns stört, dass der Gemeinderat in eigener Kompetenz gemeindeeigene Liegenschaften bis vier Millionen Franken verkaufen darf», sagt Baum­gartner. Dieser Betrag sei zu hoch. «Mit einem Antrag hätten wir die Zahl gerne verkleinert.» Ein weiteres Anliegen der Partei ist die Erhöhung der Anzahl
Gemeinderatsmitglieder. «Wir wissen, dass der Trend nach unten zeigt, sind jedoch überzeugt, dass der Urdorfer Gemeinderat auf neun Mitglieder aufgestockt werden müsste.» Dies, weil durch Zusammenführungen die Ressorts der einzelnen Gemeinderäte und damit auch die Arbeitslast grösser werde. Milizpolitikerinnen und -politiker müssten die Ämter neben Arbeit und Familie immer noch gut bewältigen können.

Auch Finanzgeschäfte kommen an die Urne

Abstimmungen Am 31. Januar befinden die Stimmberechtigten auch über die Budgets 2021 und die Jahresrechnungen 2019 der Politischen Gemeinde und der Schulgemeinde Urdorf. Die Geschäfte sind bei den Ortsparteien unbestritten und werden zur Annahme empfohlen. Die Rechnungen der beiden Güter fallen positiv aus.

Die Schulgemeinde schliesst bei einem Aufwand von 21,92 Millionen Franken und einem Ertrag von 23,52 Millionen Franken mit einem Plus von 1,6 Millionen Franken. Erwartet wurde ein Plus von 2,3 Millionen Franken. Die Abweichung ist auf einen tieferen Beitrag aus dem Ressourcenausgleichstopf des Kantons zurückzuführen.

Die Rechnung 2019 der Politischen Gemeinde schliesst mit einem Plus von 2,7 Millionen Franken. Dies bei einem Aufwand von 53,1 Millionen Franken und einem Ertrag von 55,8 Millionen Franken. Die Gemeinde rechnete mit einem Minus von 230000 Franken. Mehrerträge bei den Gemeindesteuern und höhere Grundstückgewinnsteuern sind für das bessere Ergebnis verantwortlich.

Bei den Budgets 2021 sieht es anders aus. Die Politische Gemeinde sieht einen Aufwand von 55 Millionen Franken und einen Ertrag von 53,6 Millionen Franken vor. Daraus resultiert ein Minus von 1,4 Millionen Franken. Die Schulgemeinde erwartet ein Minus von 1,2 Millionen Franken, dies bei einem Aufwand von 23,23 Millionen Franken und einem Ertrag von 22,03 Millionen Franken. Der Gesamtsteuerfuss bleibt in der Gemeinde bei 118 Prozent. Trotzdem kommt es bei den einzelnen Gütern zu Veränderungen: Da sie genug Eigenkapital aufbauen konnte, gibt die Schulgemeinde die 3 Prozentpunkte, die sie beim Steuerfussabtausch vor vier Jahren erhielt, wieder an die Politische Gemeinde ab und reduziert ihren Steuerfuss auf 59 Prozent. Dadurch steigt der Steuerfuss der Politischen Gemeinde im Gegenzug von 56 auf 59 Prozent. (sib)

Auch bezüglich der Kunstrasen­initiative hätte die SP vor der Abstimmung noch ein paar Anliegen vorbringen wollen. «Wir begrüssen die Schaffung eines weiteren Fussballplatzes. An der vorberatenden Gemeindeversammlung wollten wir trotzdem sicherstellen, dass der Kunstrasen mit dem besten ökologischen Standard gewählt wird», so Baumgartner. Zudem hätte die SP den Gemeinderat darauf aufmerksam machen wollen, dass er die seit 2015 bekannten Schwachstellen beim Zubringerweg zum Klubhaus beseitigt. «Es wäre schön, wenn der Gemeinderat im gleichen Zug dafür sorgt, dass dort die Barrieren wegkommen und eine Signalisation angebracht wird. Zumal die Strecke als offizieller Radweg eingetragen ist und nach dem Bau des Rasens wohl noch öfter frequentiert wird», sagt Baumgartner. Ein weiterer Wunsch der Partei: «Wir hoffen, dass als allererstes die Teams für die Juniorinnen, die seit Jahren vertröstet werden mussten, gegründet werden.»

Auch der EVP Urdorf liegt am Herzen, dass alle interessierten Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit Sport treiben können. «Fussball ist über alle sozialen Schichten hinweg die beliebteste Sportart. Wir erachten es als dringlich, dass Urdorf endlich einen Kunstrasen bekommt», sagt Präsident Marcel Zirngast. Nur mit einem Kunstrasen könne auch im Winterhalbjahr oder bei feuchter Witterung gespielt und trainiert werden. Dass Urdorf schon andere Sportanlagen habe, sei kein Argument gegen das Kunstrasenprojekt, findet Zirngast. «Niemand, der Kaviar zu Hause hat, verzichtet deshalb auf Brot. Ein Kunstrasen ist für eine Gemeinde wie Urdorf nicht schön zu haben, sondern ein Muss.»

Ausfälle wegen unbespielbaren Terrains wären bald vorbei

Die SVP Urdorf begrüsst einen Kunstrasenplatz, weil davon nicht nur die Fussballerinnen und Fussballer profitieren. «Mit dem Bau des neuen Kunstrasens werden Hallenkapazitäten für andere Urdorfer Vereine freigegeben, da der Kunstrasen sowohl im Winter und Sommer betrieben werden kann», sagt Co-Präsident Adrian Stutz. Die Partei freut sich, dass die Zeit der Warte­listen wohl bald vorbei sein könnte. «Kinder und Jugendliche können sich fussballerisch engagieren und der FCU kann neu Mädchenfussball im eigenen Dorf anbieten.» Auch die GLP will, dass das dringend benötigte Projekt Kunstrasen umgesetzt werden kann. «Dies erlaubt, die Bedürfnisse der Urdorfer Jugend, welche gerne Fussball spielen würde, zu befriedigen. Heute bestehen lange Wartelisten für die interessierten Jugendlichen. Auch Mädchenteams könnten endlich gegründet werden», sagt Präsident Stephan Rothmund. Ein weiterer Vorteil sei, dass die zusätzlichen Trainings- und Spielkapazitäten helfen, die derzeit zu knappen Hallenkapazitäten für den Urdorfer Sport deutlich zu verbessern. «Mit dem Kunstrasen fallen auch die häufigen Spielverschiebungen sowie Trainingsausfälle wegen unbespielbaren Terrains weg», sagt Rothmund.

Der Kauf des Landes, auf dem sich die Golfabschlagstelle derzeit befindet, bietet laut der GLP Urdorf für die Gemeinde mehr Flexibilität in der zukünftigen Planung. «Wir können uns vorstellen, dass der Fussballrasenplatz in der Weihermatt mittelfristig anderen Verwendungszwecken zugeführt werden wird», so Rothmund.

Auch die CVP Urdorf stellt sich hinter die Vorlage. «Die Erstellung des neuen Kunstrasens hilft dem Fussballclub Urdorf, die Nachfrage für Fussballaktivitäten, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, zu befriedigen», schreibt die Partei. Durch zusätzliche Trainingsmöglichkeiten während der Wintermonate würden Hallenkapazitäten für andere Sportvereine frei. «Die einzusetzenden finanziellen Mittel sind beträchtlich, für die sportliche Förderung unserer Kinder und Jugendlichen jedoch lohnenswert», heisst es. Der FDP sagt der gewählte Standort zu. «Einerseits kommt das geplante Fussballfeld neben dem schon bestehenden Fussballfeld und dem Klubhaus zu stehen und andererseits ist die Sportanlage auch mit öffentlichen sowie privaten Verkehrsmitteln für die Sportler wie auch die Zuschauer gut erreichbar», sagt Co-Präsident Emanuel Agustoni.

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