Einbruch des Flugbetriebs betrifft auch die Stadtkasse

Viele Flugannullationen lassen die alltägliche Hektik am Flughafen verfliegen.

Christian Wüthrich
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Keine Fluglust: Am Montagmittag gab es beim Check-in an den Swiss-Schaltern einen sehr bescheidenen Andrang. Die Hygieneregeln gelten auch zum Abschied vor der «Bye-bye-Bar». Ungenutzte Flieger stehen nun vermehrt zur Wartung bei der Werft.
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Keine Fluglust: Am Montagmittag gab es beim Check-in an den Swiss-Schaltern einen sehr bescheidenen Andrang. Die Hygieneregeln gelten auch zum Abschied vor der «Bye-bye-Bar». Ungenutzte Flieger stehen nun vermehrt zur Wartung bei der Werft.
Keine Fluglust: Am Montagmittag gab es beim Check-in an den Swiss-Schaltern einen sehr bescheidenen Andrang. Die Hygieneregeln gelten auch zum Abschied vor der «Bye-bye-Bar». Ungenutzte Flieger stehen nun vermehrt zur Wartung bei der Werft.

Keine Fluglust: Am Montagmittag gab es beim Check-in an den Swiss-Schaltern einen sehr bescheidenen Andrang. Die Hygieneregeln gelten auch zum Abschied vor der «Bye-bye-Bar». Ungenutzte Flieger stehen nun vermehrt zur Wartung bei der Werft.

Bilder: Sibylle Meier

Zum Wochenstart hält sich der Ansturm am Zürcher Flughafen wegen des Corona-Virus ­spürbar in Grenzen. In den Abflughallen geniessen die Passagiere für einmal sehr viel Freiraum und müssen kaum Wartezeiten auf sich nehmen beim Einchecken. Am Montag sind in Kloten mindestens 20 Flüge gestrichen worden, meldet das Online-Abflugportal des Flughafens.

Die Swiss International Air Lines als mit Abstand grösster Anbieter von Flügen ab Zürich kommuniziert derzeit keine konkreten Zahlen. «Generell wird Swiss die Kapazität in den nächsten Wochen über das gesamte Streckennetz hinweg um bis zu 50 Prozent reduzieren», erklärt ein Sprecher der Flug­gesellschaft auf Anfrage. Ein Blick auf die Abfluganzeige macht jedoch schnell klar, dass am Montag 18 der 20 Annullationen aufs Konto der Lufthansa-Gruppe mit der Swiss gehen. Daneben fiel auch ein Flug der British-Airways-Tochter City Flyer nach London und ein El-Al-Flug nach Tel Aviv aus.

Die ausbleibende Hektik und Betriebsamkeit in den Abflughallen des Flughafens lässt die Frage nach den Folgen fürs derzeit unterbeschäftigte oder gar nicht mehr benötigte Personal aufkommen. Bei der Swiss heisst es dazu auf Anfrage: «Momentan ist Kurzarbeit kein Thema bei uns.» Selbstverständlich diskutiere man aber derzeit alle möglichen Massnahmen, um vorbereitet zu sein, sollte sich die Situation weiter verschärfen, erklärt man seitens der Medienstelle. Swiss bietet dem fliegenden Personal derzeit nach Möglichkeit «kurzfristig umsetzbare Optionen zur Arbeitszeitreduktion» an. Als Beispiele nennt Unternehmenssprecher Michael Stief unbezahlten Urlaub oder Teilzeitarbeit. Und auch für das Bodenpersonal prüfe Swiss die Möglichkeit «kurzfristig umsetzbarer Optionen zur Arbeitszeitreduktion, wie beispielsweise unbezahlter Urlaub». Weitere Massnahmen würden derzeit noch abgeklärt, seien jedoch ­abhängig von der weiteren ­Entwicklung der «sehr dynamischen Situation» mit dem ­Corona-Virus.

Viele Wartungsarbeiten an den Flugzeugen

Szenen wie beim Grounding 2001 gibt es auf dem Vorfeld derweil nicht. Keine Flugzeuge bleiben einfach so am Boden stehen, sagt der Swiss-Sprecher. Eine Ausnahme gibt’s dennoch: Eine Boeing 777, die nicht mehr so oft nach Hongkong fliegen kann, stehe vorübergehend ­etwas länger in Kloten. Um die Zeit während der Einsatzpausen der betroffenen Flug­zeuge möglichst sinnvoll zu ­nutzen, lässt Swiss jetzt nötige Wartungen vornehmen. In einzelnen Fällen werden diese Arbeiten gar vorgezogen. ­Darüber hinaus würden freie Kapazitäten als ­Reserve verplant, um den Flugbetrieb noch weiter zu stabilisieren.

Die Kapazitätsreduktion von bis zu 50 Prozent im März und April diene dazu, die finanziellen Folgen des Nachfrage­einbruchs zu verringern, erklärt Swiss-Sprecher Michael Stief. Zudem würden die Marketing- und Werbemassnahmen der Fluglinie bis auf weiteres auf das absolute Minimum reduziert oder gar vollständig ausgesetzt. Weitere Einsparungen würden derzeit geprüft. Wie lange dieser Zustand andauern wird, konnte man am Montag nicht näher umschreiben. Dass es Geschäftseinbussen gibt, ist klar. Wie gross der Rückschlag bei der Swiss sein wird, sei aktuell noch nicht abschätzbar. Die Geschäftsführung werde sich im Rahmen der Jahrespressekonferenz am 19. März dazu äussern. Auch an der Präsentation der Jahreszahlen will sich die Flughafenbetreibergesellschaft heute Dienstag zu den möglichen Auswirkungen aufs Geschäft äussern.

In der Flughafenstadt gibt man sich derzeit betont ruhig. Der Gemeindeführungsstab, der letztmals bei der Sars-Krise 2003 wegen kurzfristig gestrandeter Passagiere aufgeboten wurde, sei momentan nicht ­aktiv geworden. Damals sei sehr plötzlich eine Notsituation ­aufgetreten, jetzt präsentiere sich die Situation vorausseh­barer, erklärt Verwaltungsdirektor Thomas Peter. Jedenfalls beobachte man die Lage genau. Der Klotener Stadtpräsident René Huber (SVP) geht wegen der Corona-Krise von einem weniger grossen Steuerertrag aus, wenn die beiden grössten Steuerzahler Swiss und Flughafen schlechtere Ergebnisse erzielen werden. Dennoch wehrt er sich gegen Panikmache. «Deswegen jetzt eine Ausgabenbremse zu beschliessen, wäre völlig übertrieben.» Huber appelliert stattdessen an die Vernunft. «Das Gefühl der Angst ist grösser als angemessen. Das Massenphänomen macht mir mehr Sorgen als das Virus selbst. Wir müssen die Verhältnismässigkeit beachten, ruhig Blut bewahren und sicher nicht überstürzt handeln.»