Gesundheit

Ein weiterer Dämpfer für das Spital Affoltern

Dem Spital Affoltern droht die Schliessung: Am 19. Mai befinden die Stimmberechtigten im Knonauer Amt über die Zukunft ihres kleinen Regionalspitals. key

Dem Spital Affoltern droht die Schliessung: Am 19. Mai befinden die Stimmberechtigten im Knonauer Amt über die Zukunft ihres kleinen Regionalspitals. key

In keinem einzigen stationären Bereich, in dem das Spital den Leistungsauftrag des Kantons erhalten hat, behandelt es mindestens fünf Prozent der Kantonseinwohner. Und das wäre laut Empfehlung der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren die Anforderung an ein versorgungsrelevantes Spital. Das Spital Affoltern kommt gerade mal auf einen Anteil von 1,5 Prozent.

Der Regierungsrat hält fest, dass «die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung des Bezirks Affoltern nicht gefährdet wäre, auch wenn das Spital Affoltern geschlossen würde». Für den Bezirk Affoltern geht der Regierungsrat von einer «akutstationären Überkapazität» aus. Und zwar anhand der Bettenbelegung, die im Gesundheitsversorgungsbericht 2018 ausgewiesen ist (Zahlen 2017: Spital Affoltern 71 Prozent, See-Spital 65 Prozent, Spital Limmattal 74 Prozent, Stadtspital Triemli 85 Prozent). Und es seien auch keine Anzeichen einer ambulanten Unterversorgung zu erkennen.

2017 hätten sich 37,5 Prozent der akutstationär behandelten Einwohner des Bezirks Affoltern im Spital Affoltern behandeln lassen. Knapp zwei Drittel der Bezirksbevölkerung sei dafür in umliegende Spitäler gegangen. 2012 lag der Anteil des Spitals Affoltern noch bei 44,2 Prozent.

Versorgung ist ausreichend

Der Regierungsrat beurteilt den Zugang zur Notfallversorgung auch ohne Spital Affoltern als «ausreichend». Allerdings müsste der Rettungsdienst im Knonauer Amt neu organisiert werden, falls das Spital Affoltern und der dort angegliederte Rettungsdienst nicht weiter betrieben würden. Und der Regierungsrat räumt ein, dass ohne Spital Affoltern im Bezirk weder ein akutgeriatrisches Angebot noch ein Kompetenzzentrum für Palliative Care bestünden.

Diesen Mangel relativiert die Regierung aber mit dem Hinweis, dass es sich in beiden Fällen nicht um zeitkritische Interventionen handle. Akutgeriatrie wird im nahen Limmatspital angeboten, Palliative Care im Universitätsspital Zürich. Folglich wäre die stationäre Versorgung auch in diesen beiden Bereichen ausreichend.

Die Bevölkerung im Bezirk Affoltern hat heute zudem die freie Wahl, sich im Zuger Kantonsspital behandeln zu lassen. Das gilt für ambulante Eingriffe und für Notfälle, aber auch für geplante stationäre Behandlungen. Da die Fallpauschale im Kanton Zürich leicht höher liegt als im Kanton Zug, entstehen den Patienten keine zusätzlichen Kosten.

Erstunterzeichner der Anfrage ist FDP-Kantonsrat Olivier Hofmann aus Hausen am Albis. Ziel der Anfrage sei es, dass sich die Stimmberechtigten im Bezirk Affoltern eine fundierte Meinung bilden können, sagt Hofmann. Am 19. Mai wird nämlich darüber abgestimmt, ob man den Zweckverband, welcher das Akutspital und die Langzeitpflege betreibt, auflösen soll. Ausserdem, ob eine interkommunale Anstalt für Langzeitpflege gegründet werden soll. Und schliesslich sollen sich die Stimmberechtigten zu einer interkommunalen Vereinbarung äussern, die als Basis für die Gründung einer Gemeinnützigen AG Spital Affoltern dienen soll.

Olivier Hofmann wurde bei den vergangenen Wahlen am 24. März aus dem Kantonsrat abgewählt. Seine Haltung in der Spitalfrage habe ihn wohl den Sitz im Kantonsparlament gekostet, meint er. So verschafft im wenigstens die Antwort des Regierungsrats nun eine gewisse Genugtuung: «Es wird kristallklar, dass gewisse Behauptungen der Spitalbefürworter falsch sind», sagt Hofmann. So sei das Spital Affoltern weder versorgungsrelevant noch wäre die Versorgung der Bevölkerung ohne das Spital gefährdet.

Fallzahlen sind zu tief

Aus übergeordneter Sicht mache das Spital Affoltern «wenig Sinn». Hofmann meldet vor allem qualitative Bedenken an. Die Fallzahlen seien viel zu tief. Als Beispiel nennt der Noch-Kantonsrat die Infektionsrate bei Kaiserschnitten. Diese habe 2017 im Spital Affoltern rund 5 Prozent betragen. Damit sei sie deutlich höher als in anderen Spitälern. Der Plan, den ambulanten Bereich zu stärken, sei zwar richtig. «Es ist aber nicht Gemeindeaufgabe, ein grosses Ambulatorium zu führen», sagt Hofmann. Diese Aufgabe würden bereits die niedergelassenen Ärzte übernehmen, die man damit konkurrenziere. Aus seiner Sicht müssten sich die Gemeinden zurückziehen, sie könnten die Liegenschaften aber Anbietern –etwa einem Geburtshaus oder einer Physiotherapie-Praxis – zur Verfügung stellen.

Den verantwortlichen Behörden wirft Hofmann vor, sie hätten zuerst eine tragfähige Strategie erarbeiten und erst dann Abstimmungsvorlagen vors Volk bringen müssen. Nun könne man allenfalls Nein sagen zur Auflösung des Zweckverbandes und so etwas Zeit zur Erarbeitung einer zukunftsfähigen Strategie gewinnen. Gänzlich überzeuge ihn diese Variante aber auch nicht. «Es bleibt uns am Ende nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.»

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