Urdorf/Rom

Ein Urdorfer Banker lebt in Rom als Pater Pascal

Pater Pascal in der römisch-katholischen Kirche in Urdorf kurz vor seiner Primiz.

Johannes Häuselmann aus Urdorf lebt heute als Pater Pascal in Rom: Im Interview erzählt der einstige Banker, wie erfüllend sein Leben in der Ewigen Stadt ist, wie er Gott immer näher kommt und weshalb er im Vatikan auch nur ein Tourist ist.

Die Primizfeier von Johannes Häuselmann in der römisch-katholischen Kirche in Urdorf war ein Grossereignis: An die 500 Personen waren zugegen, als der gebürtige Urdorfer vor rund eineinhalb Jahren die erste Eucharistiefeier in seiner Heimatpfarrei abhielt.

Der Alltag des heute 33-Jährigen findet jedoch in Rom statt. Dort arbeitet er seit neun Jahren in der Gemeinschaft Werk Jesu des Hohepriesters und lebt in einer Wohngemeinschaft mit zwei Mitbrüdern. Im Interview erzählt der einstige Banker, wie erfüllend sein Leben in der Ewigen Stadt ist, wie er Gott immer näher kommt und weshalb er im Vatikan auch nur ein Tourist ist.

Wie dürfen wir Sie heute anreden, als Herr Pfarrer oder Hochwürden?

Johannes Häuselmann: Seit der Priesterweihe im Dezember 2017 habe ich einen neuen Namen angenommen: Pater Pascal. Dies soll ausdrücken, dass ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat. Meinen ursprünglichen Namen Johannes hätte ich auch behalten können, aber seit meiner Studienzeit verehre ich den spanischen Heiligen Pascal Baylon sehr, und so hab ich ihn mir zum Vorbild genommen.

Pater Pascal, wie denken Sie an Ihre Primizfeier in Urdorf zurück?

Mir fehlen noch heute die Worte, um all das Schöne an dieser Primizfeier beschreiben zu können. Es war einfach überwältigend! Besonders berührt hat mich, dass so viele Menschen gekommen sind und viele freiwillige Helferinnen und Helfer bei diesem Anlass mitgewirkt haben. Nur dank ihres Einsatzes konnte diese schöne Feier so gut organisiert stattfinden. Dafür bin ich heute noch allen dankbar.

Sie arbeiten in Rom für die Gemeinschaft Werk Jesu des Hohepriesters. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Das Wichtigste im Leben eines Priesters sind die Gebetszeiten und die tägliche Feier der Heiligen Messe, in der ich alle Anliegen, die mir die Menschen anvertraut haben, vor Gott bringe, aber auch selber Kraft und Stärke erfahren darf. Mein Alltag ist weiter sehr vielseitig. Einerseits helfe ich jeweils unter der Woche im Büro der Gemeinschaft bei den administrativen Arbeiten, da ich durch meine berufliche Ausbildung als Bankkaufmann die nötigen Kenntnisse mitgebracht habe. Andererseits bin ich auch sehr oft unterwegs und darf bei Gebetstagen und Exerzitien durch persönliche Gespräche, durch das Sakrament der Beichte oder durch Predigten Menschen Hilfe und Trost vermitteln.

Verfügen Sie auch über Zeit für Hobbys oder Sport?

Wenn immer möglich, mache ich täglich Sport, weil das dem Körper, der Seele und auch der Psyche guttut. Ein anderes Hobby von mir ist Lesen, wobei mich besonders die Heiligenbiografien faszinieren. Die Heiligen widerspiegeln das «gelebte Evangelium» und man kann sich davon sehr inspirieren lassen, sei es für eine Predigt, aber auch für den persönlichen Weg mit Gott. So habe ich beispielsweise schon einige Bücher über das Leben von Mutter Teresa aus Kalkutta gelesen, die für mich ein grosses Vorbild ist.

Ihren Worten darf man entnehmen, dass Ihnen das Leben in Rom sehr gefällt.

Es ist wirklich ein Privileg, in Rom zu Hause zu sein! Diese Stadt hat kulturell, aber weit mehr noch religiös, mit all ihren Heiligen und Kirchen, viel zu bieten. Obwohl ich jetzt schon seit fast neun Jahren in der Ewigen Stadt wohnen darf, habe ich noch immer nicht alles entdeckt. Besonders gut schmeckt mir auch die italienische Küche, die einfach fabelhaft ist. Es gibt aber auch Dinge, die ich aus der Schweiz vermisse. Zum Beispiel die Pünktlichkeit oder die Ordnung im Strassenverkehr.

Besuchen Sie das Limmattal demnach immer wieder gerne und oft?

Ins Limmattal komme ich jeweils in den Ferien, um meine Verwandten zu besuchen. Urdorf ist meine Heimat und ich freue mich jedes Mal, dorthin zurückzukehren. Ab und zu besuchen mich auch Freunde oder meine Familie in Rom. Das ist dann immer ein Anlass, etwas Neues in der Ewigen Stadt anzuschauen oder auch die Klassiker wie das Kolosseum oder den Petersdom zu besichtigen. Auch wenn ich dort schon unzählige Male war, komme ich immer wieder von Neuem ins Staunen.

Sie leben in unmittelbarer Nähe des Vatikans. Können Sie diesen auch besuchen?

Klar, so wie jeder Tourist auch! Besondere Einsichten oder Zugänge, die über jene eines normalen Touristen hinausgehen, habe ich aber nicht. Auch ich als Priester muss in der Schlange anstehen, wenn ich den Petersdom oder die berühmten vatikanischen Museen besichtigen will.

Zurück zu Ihrer Arbeit als Priester. Konnten Sie in der Schweiz auch schon in Pfarreien arbeiten – oder sogar in anderen Ländern?

Die Aushilfen in Pfarreien sind eher selten und bis jetzt haben sich diese Einsätze auf die Schweiz begrenzt. In meiner Heimatpfarrei Urdorf durfte ich beispielsweise den letzten Firmkurs begleiten und für fünf Workshops ins Limmattal kommen. Von Palmsonntag bis Ostersonntag konnte ich im Kanton Wallis, im Saastal, dem Ortspfarrer helfen, der für zwei Pfarreien gleichzeitig viele Aufgaben zu erfüllen hat. All diese und auch weitere Aushilfen waren für mich sehr bereichernd.

Lässt sich der Glaube an Gott als stetige Suche bezeichnen, gerade als Priester?

Ich sehe den christlichen Glauben eher als stetige Vertiefung der persönlichen Beziehung mit Gott, aber diese Beziehung beginnt mit einer Suche. Beim Propheten Jeremias heisst es: «Sucht ihr mich, so findet ihr mich. Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich von euch finden.» Als Priester darf ich Menschen beistehen, die auf der Suche nach Gott sind, aber auch besonders jenen, die sich bereits für den Glauben an Christus entschieden haben. Es ist sehr wertvoll und auch wichtig, diesen Glauben immer mehr zu vertiefen. Wenn man jemanden liebt, möchte man diese Person ja auch immer besser kennenlernen, und so ist es auch bei Gott.

Sie lernen Gott also immer besser kennen?

Wie man auch bei einer menschlichen Person nie sagen kann: «Ich kenne ihn jetzt durch und durch», so kann man das noch viel weniger von Gott behaupten. Die Heilige Schrift hat so eine Fülle in sich, dass man immer wieder etwas Neues über Gott lernen und verstehen kann. Deswegen darf auch ich als Priester jedes Jahr selber an Exerzitien teilnehmen und dabei wieder einen neuen Aspekt über das Wesen Gottes und seine Liebe kennenlernen, wofür ich sehr dankbar bin. Zudem lernt man Gott immer mehr dadurch kennen, indem man einfach in der Stille bei ihm verweilt und so Zeit mit ihm verbringt. Gott spricht zu uns in der Stille des Herzens, und wenn wir aufmerksam sind, können wir seine Stimme vernehmen.

In welchen Momenten fühlen Sie sich ihm besonders verbunden?

Immer dann, wenn ich die Heilige Messe zelebriere, die Beichte höre und die Krankensalbung spenden darf. Ich weiss dann, dass Gott durch mich wirkt und ich sozusagen sein Werkzeug sein darf, um die Menschen geistig zu trösten und zu stärken. Dies ist jedes Mal sehr berührend und ergreifend.

Haben Sie Ziele, die Sie als Priester verfolgen?

Ein persönlicher Wunsch von mir wäre, das Theologiestudium mit einem weiteren Abschluss noch zu vertiefen. Bezüglich den Einsatzorten spielt es für mich aber nicht so eine grosse Rolle, wo ich in der Seelsorge helfen darf, und deswegen habe ich auch keine konkreten Ziele vor Augen. Egal wo ich mich befinde – das einzige Ziel, das ich immer vor Augen habe, ist, allen Menschen, denen ich begegnen darf, Gottes unendliche Liebe und Barmherzigkeit zu vermitteln.

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