Baden
Ein Stück Zuhause auf der Gasse: Der Betrieb der Holzhütte auf dem Bahnhofplatz verlief friedlich

Fünf Monate stand sie auf dem Bahnhofplatz in Baden und bot Gassenleuten einen Unterschlupf: die Holzhütte des christlichen Sozialwerks Hope und der Stadt. Letzte Woche wurde sie weggeräumt und in einen Lagerplatz des Werkhofs gebracht. Bis November steht sie dort, dann wird sie wieder hervorgeholt.

Carla Stampfli
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Von November 2015 bis letzte Woche stand die Holzhütte auf dem Bahnhofplatz. AZ/Archiv

Von November 2015 bis letzte Woche stand die Holzhütte auf dem Bahnhofplatz. AZ/Archiv

Daniel Vizentini

«Wir planen die Holzhütte klar auch diesen Winter wieder im Jahresprogramm ein», sagt Stephan Grossenbacher, Diakon und Leiter soziale Arbeit bei «Hope». Erstmals im Winter 2011 als Pilotprojekt lanciert, hat sich der 12 Quadratmeter grosse Unterstand bewährt. Stadträtin und Sozialvorsteherin Regula Dell’Anno blickt zufrieden zurück: «Die Hütte hat sich etabliert. Das ist auch auf die Gassenarbeiter des ‹Hopes› zurückzuführen. Sie leisten wertvolle Arbeit.»

Beanstandungen blieben aus

Einer der Gassenarbeiter ist Erwin Mannhart. Die Holzhütte sei in den letzten fünf Jahren zu einem sozialen Treffpunkt mutiert, sagt er. «Mit der Zeit wächst das Vertrauen und somit die Sicherheit», fügt Stephan Grossenbacher an. So würden etwa Spannungen unter und zwischen den verschiedenen Gruppen abnehmen. Das wirkt sich auch auf den Betrieb aus, der in den vergangenen Monaten reibungslos gelaufen ist. «Es kam weder zu Handgreiflichkeiten, noch zu Littering oder Vandalenakten», sagt Mannhart. Regula Dell’Anno bestätigt: Sowohl von der Stadtpolizei als auch vonseiten der Liegenschaftsbesitzer habe es keine Beanstandungen gegeben.

Die «Hope»-Mitarbeiter Grossenbacher und Mannhart zählen verschiedene Faktoren auf, die zu diesem friedlichen Ambiente geführt haben. Einerseits die Feuerstelle des «Winterzaubers», die erstmals auf dem Springbrunnen angelegt war und die fixen Sitzgelegenheiten herum, andererseits die milden Temperaturen. «Dank diesen hatten die Gassenleute Ausweichmöglichkeiten.» Denn sei es kalt, würden viele in der Holzhütte Unterschlupf suchen. «Das kann zu Reibereien führen», sagt Mannhart.

In den letzten Monaten waren der Gassenarbeiter und sein Team jeweils wochentags vor Ort, standen den Randständigen bei Bedarf zur Seite und verteilten ihnen ab und an einen Imbiss. «Es ist aber nicht so, dass sie notversorgt werden müssen», sagt Mannhart. Die Menschen seien materiell abgesichert. Zudem würden nicht alle arbeitslos sein oder Sozialhilfe beziehen. «Auch Arbeiter kommen vorbei.» Während Letztere die Holzhütte eher bei Feierabend aufsuchen, seien «unsere Gassenleute», wie er die langjährigen Bekannten nennt, am Nachmittag zugegen. «Später schauen auch Besucher ausländischer Herkunft vorbei und die Gruppen mischen sich.»

Der Unterstand nehme mittlerweile eine wichtige Rolle ein, sind sich die Verantwortlichen einig. Die Holzhütte biete den Gassenleuten einen kleinen, beheizten und geschützten Raum, in dem sie sich begegnen und aufhalten können, ohne, dass sie weggewiesen werden, sagt Stadträtin Dell’Anno. «Ein Stück Zuhause also, einfach auf der Gasse!» Damit es auch so bleibt, soll der Unterstand vor der nächsten Inbetriebnahme sanft renoviert werden.