Im Schlieremer Industriequartier braut Markus Friederich Bier, das er unter der Marke Ahoi Bier verkauft. Er braut es nicht in einer Lagerhalle oder einem gemieteten Keller, sondern bei sich zu Hause. Der 34-Jährige wohnt zusammen mit vier Freunden in einem grossen Haus. Sein Mitbewohner Lukas Spühler unterstützt ihn seit bald einem Jahr bei der Produktion. «Er ist mein Zauberlehrling», sagt Friederich neckisch. «Aber bald geht er auf Reisen, dann muss ich jemand Neues einspannen.» Er hoffe auf seinen Bruder.

Mehr als nur im Kessel rühren

Denn Bierbrauen ist harte Arbeit. «Der Prozess wird von Werbungen romantisiert», sagt Friederich. Es sei nicht so, dass man ein bisschen im Kessel rühre und zwischendurch am Malz rieche. «Wir tragen viel herum und müssen sehr aufmerksam sein», so der 34-Jährige. Etwa 25 Prozent vom ganzen Brau-Prozess sei das Brauen selbst, so Friederich. Bei einer kleinen Brauerei wie seiner sei nichts automatisiert. «Wir füllen die Flaschen selbst ab», sagt er. Sie reinigen die Flaschen auch selbst. «Die grösste Arbeit ist das ganze Rundherum, das Überwachen, das Vorbereiten, die Organisation und die Planung.»

Die Faszination Bierbrauen entstand bei Friederich vor ungefähr acht Jahren. Es gebe viele Parallelen zu seinem Beruf, sagt der Chemielaborant. «Beides ist sehr kreativ.» Man sehe ein Resultat: vom Hopfen bis zum Endprodukt. Er erzählt von seinem ersten selbst gebrauten Bier. «Anstelle der eingeplanten 5 dauerte es insgesamt 16 Stunden, bis unser erstes Bier fertig war», sagt Friederich und lacht. Es sei nicht geniessbar gewesen.

Prämiertes Schlieremer Bier

Das hat sich inzwischen geändert. Friederich gewann dieses Jahr beim «Brau und Rauch Beer Contest» dreimal die Goldmedaille und einmal Silber. Dieser Wettbewerb hat sich inzwischen schweizweit etabliert. Dieses Jahr wurden in 25 Kategorien 335 verschiedene Biere verköstigt und bewertet – laut eigener Website ist es damit die grösste Bierprämierung der Schweiz.

«Ich war überrascht über den Sieg», sagt der Schlieremer. Er habe sechs Biere eingeschickt, dass vier davon prämiert würden, damit habe er nicht gerechnet. Die Goldmedaillen hat er in den Kategorien Smoke, Pale Ale und Belgian Strong abgeräumt. Sein Lagerbier erhielt die Silbermedaille.

Friederich produziert zurzeit ungefähr 4000 bis 5000 Liter Bier pro Jahr. Zu Hause hat er eine Hausbar mit verschiedenen Zapfhähnen für die Ahoi-Biere installiert. «So können wir zum Feierabend unser eigenes Bier geniessen.» Darüber hinaus sind seine Biere in verschiedenen Zürcher Bars vertreten und können diesen Freitagabend im Schlieremer Stürmeierhuus an der Veranstaltung Brauer & Metzger degustiert werden.

Der Schlieremer Bierbrauer möchte aber höher hinaus. Er plant eine neue und grössere Brauanlage. «In Zukunft möchte ich mich intensiver auf das Brauen konzentrieren», sagt er. Möglicherweise müsse er dafür sein Arbeitspensum reduzieren, da das Brauen sehr zeitintensiv sei. «Teilweise bin ich nach der Arbeit bis um Mitternacht noch im Keller.»

Friederich ist ein Tüftler. «Gestern habe ich eine Kreation mit Zitronenmelisse ausprobiert», erzählt er. Er wolle ein leichtes Sommerbier kreieren. «Ahoi» besteht aus einem Kernsortiment von rund zehn Rezepten. «Fünf davon brauen wir immer wieder», sagt Friederich. Die Restlichen seien saisonal im Angebot.

Doch nicht nur im Glas schmeckt sein Bier, sondern auch im Käse. «Zurzeit arbeite ich ausserdem mit einem Appenzeller Käser zusammen», sagt der Schlieremer. Dabei werden die Käselaibe mit dem Bier eingerieben. So kann er in Zukunft nicht nur sein eigenes Feierabend-Bier trinken, sondern auch sein Käsebrot zum Znüni essen.