Weiningen
Ein Schatz zügelt ins Schlössli in Weiningen

Das über 6000 Zeitungsartikel starke Archiv von Leo Niggli gehört nun der Gemeinde. Die Aktion dauert nur wenige Minuten: Dann sind die über fünf Jahrzehnte Weininger Dorfgeschichte, verpackt in 50 Ordnern und 12 Schachteln, auf der Ladefläche verstaut und bereit für den Abtransport.

Sandro Zimmerli
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Leo Niggli verspürt keine Wehmut, als Werkarbeiter Ernst Haug mit dem Zügeln des Archivs beschäftigt ist.

Leo Niggli verspürt keine Wehmut, als Werkarbeiter Ernst Haug mit dem Zügeln des Archivs beschäftigt ist.

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Im Schlössli werden sie eine neue Heimat finden. Zuvor lagerten sie an der Rebbergstrasse, in Leo Nigglis Büro. 1956 hat er mit dem Schreiben für diese Zeitung begonnen. Sein erster Artikel war ein Bericht über die Weininger Gemeindeversammlung vom 14. Januar. Damit legte Leo Niggli den Grundstein für sein über 6000 Zeitungsartikel umfassendes Privatarchiv. Dazu kamen im Verlauf der Jahre weit über 3000 Bilder sowie unzählige Vereinsberichte und Festschriften, die nun ihren Besitzer wechseln.

Ein Erfolgserlebnis für Leo Niggli

Vor knapp zwei Jahren, kurz bevor er seine journalistische Tätigkeit beendet hat, vermachte der bald 98-jährige Leo Niggli seinen «Schatz» offiziell der Gemeinde Weiningen. Gestern wurde die Übergabe nun vollzogen. Wehmut kommt bei Leo Niggli nicht auf, als er den Werkangestellten dabei zusieht, wie sie die Kisten und Ordner abtransportieren - im Gegenteil. «Ich freue mich. Die Schenkung war schon lange geplant», sagt Leo Niggli.

Durch die Weitergabe seines Archivs bleibe er den Leuten in Erinnerung. «Für mich ist es ein Erfolgserlebnis. Über all die Jahre habe ich Artikel und Fotos gesammelt. Dadurch, dass sie der Nachwelt erhalten bleiben, haben sie für mich noch mehr an Wert gewonnen», hält er fest. Es sei eine Genugtuung für ihn, dass seine Arbeit geschätzt werde.

Bei der Gemeinde freut man sich

Auch bei der Gemeinde freut man sich über das grosszügige Geschenk. «Wir sind froh, dass wir dieses Archiv erhalten. Es ist eine wahre Fundgrube», sagt Gemeindepräsident Hanspeter Haug. Was mit den Artikeln und den Fotos geschehen wird, weiss Haug noch nicht. «Das gesamte Archiv muss zuerst gesichtet werden. Erst dann können wir entscheiden, ob eventuell ein Teil der Bilder und Berichte digitalisiert werden», so Haug. Wichtig sei dem Gemeinderat gewesen, dem Wunsch von Leo Niggli zu entsprechen und das Archiv zu übernehmen.

«Wir werden mit Sicherheit viele wichtige Dinge im Archiv finden. Schon früher holte ich mir Informationen bei Leo Niggli», sagt Haug. Beispielsweise dann, wenn es um Umbauten oder Sanierungen von alten Bauernhäusern gegangen sei. «Bei ihm fand sich mit Sicherheit ein altes Foto, das zeigte, wie das Haus früher ausschaute.»