Am Anfang war allein dieser eine langgezogene Ton einer Querflöte, begleitet von den Streichern und einem Cembalo.

Leicht, besinnlich. Als wollte dieser eine Ton eine Türe öffnen und die Zuhörer hineinlocken in eine andere Welt. In eine andere Sphäre. Sind wir nun in einem Traum? Oder ist dies die Wirklichkeit?

Oder ist das, was wir jetzt gerade glauben zu erleben, am Ende nur ein Traum in einem Traum?

Wir befinden uns in der reformierten Kirche Schlieren. Unter der Leitung des Dirigenten Hugo Bollschweiler lud das Stadtorchester Schlieren am Sonntagabend zum Winterkonzert. Gespielt wurden Werke von Bach, Sibeluis und Ravel.

Von der anderen Welt zum Bodenständigen

Komponisten aller Stile und Epochen haben sich mit der musikalischen Umsetzung vom Irdischen und Himmlischen befasst. Nehmen wir zum Beispiel Johann Sebastian Bach (1685-1750) - sein Schaffen ist ein eigentliches musikalisches Glaubensbekenntnis, geprägt von dieser tiefen Sehnsucht zum Jenseits.

Diesen Zustand zwischen Erde und Himmel, zwischen dem Irdischen und dem Überirdischen festzuhalten, das hatte sich das Stadtorchester Schlieren zum Ziel gesetzt.

Das Konzert begann mit dem Adagio der Sinfonia in d, von Willhelm Friedrich Bach (1710-1784), wo genau dieser eine Ton der Querflöte die Zuhörer entführte in diese andere Welt, um gleich anschliessend in der nachfolgenden Fuge wieder zurückzukommen zum Bodenständigen, Irdischen.

Die «Pavane pour une infante défunte», zu Deutsch «Tanz für eine verstorbene Prinzessin» von Maurice Ravel (1875-1937), führte der Zuhörerschaft ein Märchenbild vor: Eine melancholische Vision.

Ein Tagtraum. Das Bild einer kleinen Prinzessin, wie sie am spanischen Hof hätte tanzen können.

Eigentlicher Höhepunkt des Konzerts bildete dann das Doppelkonzert für zwei Violinen in d-moll, von Johann Sebastian Bach.

Ambitioniert und hoch motiviert

Mit scheinbar so viel Leichtigkeit und mit Charme spielten sich die beiden Solisten Christina Merblum und Laurent Weibel, (beide Profimusiker) das musikalische Motiv zu, wechselten es ab und verwoben es schliesslich zu einem ganzen musikalischen Teppich, voller Farben und Klänge.

Spätestens jetzt mochten die Zuhörer kaum mehr glauben, dass die meisten dieser Musiker hier ja Laien waren!

«Wir sind ambitioniert und hoch motiviert», sagte Cäcilia Jost, eine der Violinistinnen, nach dem Konzert. «Wir spüren unter unserem neuen Dirigenten eine deutliche Professionalisierung».

Hugo Bollschweiler, der vor knapp zwei Jahren die Leitung des Orchestervereins Schlieren übernahm, versteht es, diese Laien zu inspirieren.

Zu den wichtigsten Proben und natürlich zu den Konzerten bringt er immer wieder Profimusiker, die diese rund 30 Laien im Orchester absolut unterstützen. Vor ziemlich genau einem Jahr folgte die Namensänderung: der Orchesterverein wurde zum stadtorchesterSCHLIEREN.

Der letzte Teil des Konzertabends führte die Besucher musikalisch ins Jahr 1904, zu Jean Sibelius‘ (1865-1957) «Valse Triste». Es ist die Musik zu einem Bühnenstück: Eine kranke Frau sieht den Tod in der Gestalt ihres ehemaligen Gatten, schliesslich tanzt sie mit ihm. «Zwischen Himmel und Erde» - das Konzert des Stadtorchesters war für die 200 Zuschauer ein wahrer Genuss.