n Südamerika wird Poulet typischerweise nicht gebraten, sondern in heissem Wasser gekocht. Dies ist nur eines der vielen spannenden kulinarischen Infohäppchen, auf welche die 18-jährige Lara Bachofen von der Kantonsschule Limmattal in Urdorf in ihrer Recherche für ihre Matura-Arbeit gestossen ist. Unter dem Titel «Mehr als Essen – Kochen mit Migranten» verfasste Bachofen ein etwas anderes Kochbuch. Das Thema Migration interessiert die Maturandin sehr. «Mit meiner Familie spreche ich oft über die Flüchtlings- und Migrationsthematik», sagt sie. Zudem biete ihr Vater Integrationskurse in einer Fachschule in Zürich an, in denen die deutsche Sprache gelehrt, aber auch über Ernährung oder Politik diskutiert werde.

Weil Bachofen ausserdem leidenschaftlich gerne kocht und fotografiert, kam sie auf die Idee, ein Kochbuch mit Rezepten aus anderen Kulturen zu erstellen. Über ihren Vater entstand der Kontakt zu elf Menschen, die schliesslich im Buch Speisen aus ihrer Heimat präsentieren. Sie alle stammen aus verschiedenen Ländern und wohnen unterschiedlich lange in der Schweiz. «Einige leben schon seit fünf, andere erst seit einem Jahr hier», sagt Bachofen. Sie besuchte die Migranten in ihren Wohnungen, wo sie gemeinsam traditionelle Rezepte kochten. Dabei wurde sie immer von einer Kollegin oder ihrer Mutter begleitet. Die beiden halfen der Schülerin, indem sie zusätzliche Notizen oder Fotos machten.

Erstaunt über Offenheit

«Es gab grosse Unterschiede zwischen den Begegnungen mit den Migranten. Einige waren sehr offen und andere eher zurückhaltend», sagt Bachofen. Sie war aber positiv überrascht, wie viel die Menschen von sich und ihrer Herkunft erzählten. Zum Teil seien die Geschichten sehr traurig und brutal gewesen. «Es ist schlimm, was einige von ihnen schon alles erlebt haben», sagt Bachofen.

Das erste Kochtreffen organisierte die Maturandin mit einem Ehepaar aus Afghanistan und Pakistan. Bachofen war sehr nervös und fand zu Beginn die Wohnung nicht. Sie war unsicher, weil sie nicht wusste, wie die Menschen auf sie – als Fremde – reagieren würden. «Ich musste sehr spontan sein, weil ich nie wusste, was mich erwartete», sagt sie. Sie habe aber immer sehr viel Spass gehabt und viel Neues dazu gelernt. Ein Besuch ist ihr speziell in Erinnerung geblieben. Bei einem Ägypter dauerte das Kochen und gemeinsame Essen rund sieben Stunden. «Es war ein sehr interessanter und lustiger Abend», erinnert sich Bachofen.
Einige Rezepte hat sie auch schon zu Hause nachgekocht. «Es ist sehr spannend, wie gewisse Lebensmittel in anderen Kulturen anders zubereitet werden als bei uns», sagt sie. Ein chinesisch-vietnamesischer Mann gab ihr den Tipp, eine Ananas sehr sorgfältig spiralförmig zu schneiden. So könne man alle sogenannten holzigen Augen im Fruchtfleisch herausschneiden und den Geschmack der Frucht optimieren. Von einem Marokkaner lernte sie, immer einen Löffel zwischen Pfanne und Deckel zu klemmen, damit das Essen nicht anbrennt.

Acht Monate arbeitete Bachofen intensiv an ihrem Kochbuch. Sie habe den ganzen Arbeitsprozess sehr genossen, aber ihr Zeitplan kostete sie manchmal einige Nerven. Sie konnte ihn zwar einigermassen einhalten, unterschätzte aber, wie viel Zeit das Verschriftlichen der gesammelten Gespräche und Notizen sowie das Abschreiben der Rezepte auf dem Computer benötigten. Der Aufwand hat sich gelohnt: Ihre Arbeit wurde als eine der 50 besten im Kanton Zürich ausgezeichnet. «Ich freue mich, dass mein Aufwand und die investierte Zeit wertgeschätzt werden», sagt die 18-Jährige.

Dass es am Eröffnungsabend der Ausstellung der 50 besten Matura-Arbeiten nicht für einen der fünf Hauptpreise gereicht hat, ist ihrer Meinung nach nur zweitrangig. Viel wichtiger ist ihr, dass die Leute verstehen, was sie mit ihrer Arbeit aussagen möchte. Denn viele Schweizer hätten Vorurteile gegenüber Ausländern. «Lernt man diese aber kennen, merkt man schnell, dass es Menschen wie du und ich sind», sagt sie.

Herausfinden, wie es weitergeht

Mit dem erfolgreichen Abschluss ihrer Maturaarbeit hat Bachofen das Gymnasium hinter sich gebracht und nun erst einmal genug von der Schule. Sie plant ein Zwischenjahr. «Ich möchte Zeit für mich haben, um herauszufinden, was ich genau machen will», sagt sie. Danach will sie einen Job finden und arbeiten. «Ich möchte das Gefühl haben, etwas Konkretes am Tag gemacht zu haben. In der Schule hat man dieses Gefühl eher weniger.» Später könnte sie sich ein Ethnologiestudium an der Uni vorstellen.