"Ich bin sehr erleichtert, dass beide Vorlagen angenommen wurden", sagte die Schlieremer Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) gestern nachdem die Stimmzettel ausgezählt waren. Kein Wunder: Die Stimmbevölkerung gab dem Stadtrat an der Urne zwar ihren Segen, um zwei wichtige Vorhaben auf dem Werkhofareal an der Bernstrasse für insgesamt über 5,2 Millionen Franken umzusetzen - ihr Ja zur neuen Asylunterkunft fiel aber mit 53,6 Prozent knapp aus.

Die Erweiterung des Werkhofs beinhaltet einen neuen, zweigeschossigen Flachdachbau, in dem die Wertstoffsammelstelle, ein kleines Büro, eine Einstellhalle für Fahrzeuge und Lagerflächen Platz finden. Zudem werden auch die Transportwege auf dem Gelände optimiert sowie einige Abläufe und Aufgaben des Betriebs besser getrennt. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 2,4 Millionen. Von den knapp 32 Prozent der Schlieremer Stimmbürger, die sich an der Urne überhaupt zu den Vorlagen geäussert haben, stimmten ganze 76,7 Prozent für die Werkhoferweiterung.

Eng damit verknüpft, wenn auch theroretisch unabhängig davon realisierbar, ist das Vorhaben des Stadtrats, im westlichen Teil des Werkhof-Areals eine neue Modulbau-Unterkunft für insgesamt 48 Asylsuchende zu erstellen. Doch anders als bei der Werkhofvorlage sagten hier insgesamt 46.4 Prozent der Schlieremerinnen und Schlieremer Nein zum Projektkredit (2,8 Millionen). Dies, obwohl das Parlament den Verpflichtungskredit im November einstimmig genehmigt hatte und auch alle Parteien sich hinter die Ja-Parole stellten. Dass die Vorlage nun so knapp angenommen wurde, erklärt Stiefel im landesweiten Kontext: "Die Asylthematik polarisiert. Die vielen Nein-Stimmen hängen wohl eng mit der Debatte zusammen, wie sie auch auf nationaler Ebene geführt wird." Viele der ablehnenden Stimmbürgerinnen und Stimmbürger hätten wohl ein zeichen setzen wollen, dass sie nicht noch mehr Asylsuchende wollen. "Ich bin aber froh, dass die Mehrheit eingesehen hat, dass die gesetzliche Verpflichtung, Asylsuchende aufzunehmen, nicht auf kommunaler Ebene beeinflusst werden kann", so Stiefel.

Gemäss dem kantonalen Verteilschlüssel, nach dem eine Gemeinde einen Asylbewerber-Anteil von 0,5 Prozent der Wohnbevölkerung aufzunehmen hat, muss Schlieren bald 90 Personen Platz bieten. Da die bestehende Unterkunft an der Wiesenstrasse mit 25 Betten in einem schlechten baulichen Zustand ist, erarbeitete die Stadt ein Projekt, das ursprünglich als Ersatzbau gedacht war. Es sieht einen zweigeschossigen Modulbau mit Flachdach im westlichen Teil des Werkhof -Areals vor.

Mit dem Vorhaben, die bestehende Unterkunft an der Wiesenstrasse abzureissen, war die Rechnungsprüfungskommission bei der Beratung des Geschäfts im Parlament jedoch nicht einverstanden. Sie forderte vergangenen November, dass diese Unterkunft in Betrieb bleibt und renoviert wird. Die Kommission begründete dies mit der politisch unsicheren Lage der Welt. Sie würde dazu führen, dass immer wieder kurzfristig zusätzlicher Wohnraum bereitgestellt werden müsse. Mit der Erhaltung der Unterkunft an der Wiesenstrasse könnten in solchen Situationen Engpässe vermieden werden, so die RPK. Der Stadtrat willigte ein. Er rechnet bei der Sanierung mit Kosten von rund 300000 Franken. Diese waren aber nicht Teil der Kreditvorlage.