Es ist ein eigenartiges Bild, das sich am Abend des 31. Dezembers 2016 bei der Sporthalle Unterrohr in Schlieren bietet. Im Dunkel der Nacht irren Lichtkegel von Stirnlampen herum. Erst wenn sie sich einer Strassenlaterne nähern, werden ihre Trägerin oder ihr Träger erkennbar. Einige sind mit kurzen, eng anliegenden Hosen und kurzärmeligem Shirt unterwegs, andere im Trainingsanzug. Und wieder andere in Kostümen. Mehrere Weihnachtsmänner und –frauen sind darunter, zwei haben sich als «Pokémon»-Figuren verkleidet.

Es ist kurz vor Mitternacht, und die Teilnehmenden des Zürcher Neujahrsmarathons wärmen sich ein letztes Mal auf. Dann verschwinden die Lichtkegel in der Sporthalle. Während draussen die Absperrbänder hochgezogen werden, versammeln sich drinnen die über 1000 Läuferinnen und Läufer vor der Startlinie. Der Speaker heizt der wartende Masse nochmals ein. Dann ist es Mitternacht, der Startschuss donnert durch die Halle – und das Feld rennt los.
Gleich zu Beginn kann sich Fabian Dutli an die Spitze setzen. Der Geroldswiler startet im Viertelmarathon und muss eine Distanz von 10,55 Kilometer absolvieren. Auf dieser Distanz gehört der 26-Jährige zu den Favoriten: Letztes Jahr ist er hier Zweiter geworden.

Zwar ist es trocken in dieser Nacht, aber mit Temperaturen von ein paar Minusgraden sehr kalt. Das bekommt auch Dutli zu spüren. «Die Kälte war relativ hart», sagt er später. «Unterwegs ist mir das Augenwasser sozusagen gefroren.» Doch Dutli lässt sich davon nicht beirren. Er läuft vorne weg und kann so das Tempo selber bestimmen.

An den Wendepunkten bei Walo in Schlieren und bei der Werdinsel in Zürich sieht er jeweils, dass hinter ihm ein anderer Teilnehmer ist. Jedoch nicht so nahe, dass Dutli beunruhigt wäre. Dennoch wiegt er sich nicht in Sicherheit. «Es kann immer noch etwas passieren», sagt er. «Bei dieser Dunkelheit und dem Nebel kann man zum Beispiel über eine Wurzel stolpern.»
Ein derartiges Missgeschick unterläuft Dutli aber nicht. Er bleibt an der Spitze. Er hat gar einen weiteren Trumpf im Ärmel: den Rückweg. «Viele Läuferinnen und Läufer, vor allem aus dem Ausland, denken, die Strecke von der Werdinsel zurück zur Sporthalle sei ähnlich wie die Strecke bis zum Wendepunkt bei der Werd und unterschätzen diese», sagt Dutli. Sein Vorteil ist, dass er den Weg in- und auswendig kennt. «Ich weiss, dass der Rückweg der anspruchsvolle Teil ist.»

38 Sekunden schneller als 2016

Auch hier zieht Dutli seinen Lauf durch. Unterdessen wird sein Vorsprung auch in der Sporthalle Unterrohr registriert: Der Speaker kündigt an, dass Dutli in Führung liegt und wohl sehr bald die Ziellinie überqueren wird. Und dann ist es so weit: Unter grossem Jubel rennt der Geroldswiler als Erster in die Sporthalle und wird gefeiert, als er das Ziel erreicht. Etwas mehr als 36 Minuten und 20 Sekunden hat er gebraucht – und damit 38 Sekunden weniger als noch vor einem Jahr. «Ich bin sehr zufrieden», sagt er. «Ich habe den Lauf als schnelles Training gesehen und gezeigt, dass ich als Triathlet gegen reine Läufer mithalten kann.»
Nach seinem Sieg darf sich Dutli über eine Medaille freuen, aber nicht nur das. Da der Neujahrsmarathon der erste Lauf in diesem Jahr ist, wird er auch noch auf der Jahresweltbestenliste eingetragen. «Das ist etwas ganz Besonderes», freut er sich.

Nun überlegt sich Dutli, ob er Ende Januar am Reppischtallauf in Stallikon teilnehmen soll. Es wäre für ihn ein weiterer Test seiner läuferischen Fähigkeiten. Dann folgt ein Trainingslager, bevor er im Mai in die Saison als Triathlet startet. «Der Triathlon ist für mich das Wichtigste», gibt der Geroldswiler zu. Aber: «Es ist schön, wenn man das Jahr mit einem solchen Erfolg starten kann.»

Fabian Dutli ist am diesjährigen Neujahrsmarathon der einzige Limmattaler Sieger in der Gesamtwertung. In Dutlis Kategorie, also im Viertelmarathon, hat bei den Frauen Caroline Cejka aus Zürich gewonnen. Im Halbmarathon hat bei den Männern David Jeker aus Chandolin triumphiert, der im vergangenen Jahr auf der Marathondistanz gewonnen hat. Im Halbmarathon der Frauen stand Caroline Röhrl aus Büsserach zuoberst auf dem Podest. Und im Marathon über die Gesamtdistanz von 42,195 Kilometern heissen die Sieger Philipp Arnold aus Cham und Astrid Leutert aus Bern.