Wenigstens die Rollenverteilung war klar. Links gegen bürgerlich; Peter Wettler (SP) und Lucas Neff (Grüne) gegen Roger Bachmann (SVP) und Martin Romer (FDP) – und das Publikum gegen Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani (SVP). Alles andere hingegen blieb vage und nebulös, konkrete Antworten und belegte Argumente waren kaum zu hören. Die grössten Zankäpfel: die Kostenberechnungen für einen allfälligen Neubau, die untätigen Räte, die Alternativen im Falle eines Neins und der Pausenplatz.

Was genau kostet ein Neubau?

Balbiani rechnete in seiner Einführung vor, dass ein Neubau die Stadt mindestens 46 Millionen Franken kosten würde – in der Weisung zur Abstimmung hatte der Stadtrat noch geschrieben, «dass für einen Neubau mit Kosten von mehr als 20 Millionen Franken zu rechnen ist». In Anbetracht der Mietkosten von 40 Millionen für 30 Jahre, so Balbiani weiter, würde die Stadt so 6 Millionen sparen. Diese Berechnung trug Balbiani nicht nur höhnische Bemerkungen aus dem Publikum ein, sondern auch von Architekt Neff: Dieser parierte mit Beispielen von Schulhausneubauten in anderen Schweizer Städten zu einem Bruchteil der von Balbiani präsentierten Kosten.

Ausserdem bot er gleich an, für sieben Millionen innert Jahresfrist Pavillons mit zwölf Schulräumen in der Allmend zu bauen. Bachmann wiederum hielt dagegen, dass die im Raum stehenden 20 Millionen niemals reichen würden. «All die Rechnungsmethoden kommen zum gleichen Ergebnis: Bauen ist teurer als Mieten.» Diese Aussage quittierte schliesslich ein Zuhörer während der Diskussionsrunde mit der spitzen Bemerkung: «Mieten soll plötzlich billiger sein als kaufen – wer meldet das zum Patent an?»

Haben Stadt- und Gemeinderat die Schulraumplanung verschlafen?

«Wir haben uns wahrscheinlich alle blenden lassen», sagte Bachmann zum Vorwurf, dass weder Stadt- noch Gemeinderat beim Erarbeiten beziehungsweise Absegnen des Gestaltungsplans 2005 an ein Schulhaus gedacht hatten. Romer führte die damalige Annahme ins Feld, dass man fürs Limmatfeld von einer 50:50-Situation ausgegangen war; 50 Prozent Wohnungen, 50 Prozent Gewerbeanteil. Inzwischen sind es aufgrund der grossen Wohnungsnachfrage 80 Prozent Wohnungen und 20 Prozent Gewerbe, der Bevölkerungszuwachs ist entsprechend grösser. Romer schob den Schwarzen Peter der SP zu, die mit ihrer Politik die hohe Zuwanderungsrate verschulde.

Ausserdem sei 2005 aufgrund der finanziellen Lage nicht zur Debatte gestanden, Land auf Vorrat beziehungsweise für ein künftiges Schulhaus zu kaufen. Dem widersprach Neff; die Stadt habe es damals schlichtweg verpasst, sich Land zu sichern. Und Wettler doppelte nach, die letzten 8000 Quadratmeter Land seien im Dezember 2011 verkauft worden. Hätte die Stadt Interesse gehabt, hätte sie Land kaufen können, zeigte sich Wettler überzeugt. Mit der Mietlösung werfe die Stadt bloss das Geld zum Fenster hinaus.

Was, wenn die Vorlage abgelehnt wird?

Man müsse sofort eine Task-Force mit Juristen, Planern und Architekten bilden und loslegen, meinte Wettler. «Schlieren baut schliesslich auch in zwei Jahren ein Schulhaus.» Bachmann meinte, man müsse die Kinder auf die bestehenden Schulhäuser verteilen. «Mit dem Ergebnis, dass die engen Verhältnisse noch enger würden.» Das wiederum würde nicht den gesetzlichen Normen entsprechen, weshalb nur das Aufstellen von Containern für teures Geld übrig bliebe. Von einem «Baracken-Dörfli auf dem Zentralschulhausplatz» als Alternative sprach auch Balbani. Auf dem stadteigenen Grundstück sei ein Bau vor 2017 nicht möglich, weil Baurechtsverträge laufen würden. Ausserdem liege darauf ein Rekurs.

Betonwüste Pausenplatz – ist das kinderfreundlich?

«Man spricht immer vom Wohl der Kinder», sagte eine Zuhörerin zu Schulhaus und Pausenplatz, «und dann baut man eine solche Steinwüste.» Ein anderer Zuhörer monierte, den Pausenplatz im Hof des Gebäudes, das in den oberen Stockwerken über Mietwohnungen verfügt, zu bauen, käme einer akustischen Katastrophe gleich. Auch Wettler meinte, der Konflikt mit den Anwohnern sei vorprogrammiert. Balbiani erwiderte, der Pausenplatz sei so konzipiert, dass der Rapidplatz mit einbezogen werde. Und: In Zeiten, da der Boden immer knapper werde, müsse man halt zusammenrücken.

Samuel Spahn, Gemeinderat der Grünen, der ebenfalls im Publikum sass, liess sich zur Frage hinreissen, wie viel Auslauf denn dem einzelnen Schüler auf dem Pausenplatz zugestanden werde. «Meine Freilandhühner haben 5 Quadratmeter Auslauf pro Tier zugute.» Über den Dreisatz zum Schluss konnten Gegner wie Befürworter lachen. 800 Quadratmeter Platz für 250 Schüler ergeben übrigens 3,2 Quadratmeter pro Schüler.