Nach mehreren Durchsagen, es komme im S-Bahn-Verkehr zu Zugausfällen, stand heute um halb 9 Uhr fest, dass es kein einfacher Vormittag für zahlreiche Pendler werden würde. Für eine rotgelockte Dame mittleren Alters, die am Bahnhof Hardbrücke wartete, ist dies gar die Hiobsbotschaft schlechthin. Sie beginnt ungehemmt laut vor sich hin zu fluchen. Wie die SBB später mitteilen wird, war es am Bahnhof Altstetten zu einer Stellwerkstörung gekommen, wegen der mehrere Gleise nicht befahren werden konnten. Zwischen 8.30 Uhr und 10 Uhr kam es gar zu einer Totalunterbrechung des Betriebs rund um Altstetten. Erst um 11 Uhr herrschte wieder Normalbetrieb.

Das Nadelöhr des regionalen und nationalen Bahnverkehrs war also verstopft. Reto Schärli, Sprecher der SBB, sagt auf Anfrage, dass es zu einem Kurzschluss der Sicherungsanlagen gekommen war. An den umliegenden Bahnhöfen wurde darauf verwiesen, dass Pendler auf den städtischen Nahverkehr, also auf Busse und Trams, wechseln sollen. «Die Störung trat im letzten Drittel der morgendlichen Stosszeit auf. Zu dieser Zeit sind noch immer Tausende von Pendlern unterwegs», sagt Schärli weiter.

Für einmal ist der Schlieremer Zentrumsplatz das Eingangstor für den vom Aargau kommenden S-Bahn-Personenverkehr. Dass die Infrastruktur dafür nicht gerüstet ist, zeigte sich bald. Nicht nur standen meist Hunderte von Gestrandeten dicht gedrängt auf dem Platz. Jedes Mal, wenn ein Bus in Richtung Zürich einfährt, bewegt sich der Menschenklumpen in Richtung Türen. Zwar sorgten die rund ein Dutzend Ersatzbusse für eine Entspannung, doch brachten die S-Bahnen stets neue Pendler nach Schlieren, sodass der Platz konstant gut gefüllt blieb. Dass der Nebelbrunnen die Szene in ein kühlfeuchtes Kleid legte, liess sie surreal wirken. Einige waren darob belustigt, andere besorgt, nass zu werden und wieder andere starrten gequält in ihr Mobiltelefon.

Eine blonde Lehrerin eines Schlieremer Schulhauses versucht im Bus Schadensbegrenzung. «Du kannst die Schüler sonst schon früher in die Pause entlassen. Ich sollte in 15 Minuten dort sein», sagt sie in ihr Mobiltelefon, das ihrer Lautstärke nach zu urteilen über eine schlechte Verbindung verfügte. Sie sitzt in einem Bus, der aktuell im Schlieremer Zentrumskreisel im Stau steckt, und sollte eigentlich bald dort sein.

Kein Durchkommen am Kreisel

Um ein Haar hätte ihre Klasse aber noch länger warten müssen, denn der Stau im Zentrumskreisel erweist sich als hartnäckiger als angenommen. Daher ist es eher ungünstig, dass die viele Busse über diesen verkehren und daher wie alle Autos nur schleppend weiterkommen. Gut, dass die Angestellten der SBB, die mit der Regelung des Verkehrs betraut sind, alles im Überblick haben. Einer der Westenträger klopft an die Scheibe der Bustür. Er will sich nach den Plänen des Chauffeurs erkundigen. «Wenn Sie nicht über den Kreisel, sondern durch die Mitte des Stadtplatzes auf den Bahngleisen fahren möchten, können wir Ihnen auf der Hinterseite des Busses alles frei machen, sodass Sie noch einlenken können», bietet er dem Buschauffeur an. Dieser nimmt das Angebot dankend an und manövriert den prall gefüllten Bus elegant aus dem Kreisel hinaus, an den stehenden Autos vorbei und entlang der Strecke, die dereinst die Tramlinie 2 und die Limmattalbahn befahren werden.