Bald kommt wieder dicke Post von Gemeinde, Kanton und Bund. Die Bevölkerung darf sich dann wieder mit Abstimmungsthemen auseinandersetzen. Doch die wenigsten nehmen sich Zeit, die Unterlagen genau durchzulesen und sich über die Vorlagen zu informieren. Vor allem für die Jungen kann es schwierig sein, sich durch den Behördendeutsch-Dschungel in den Abstimmungsunterlagen zu kämpfen. Das Jugendparlament Dietikon möchte das nun ändern. Bereits im Juli 2012 machte es dem Stadtrat den Vorschlag, die Abstimmungsbroschüre «Easyvote» in Dietikon einzuführen. Die Broschüre wird bereits in 146 Schweizer Gemeinden eingesetzt und erklärt Jugendlichen die jeweiligen Abstimmungsthemen einfach und verständlich.

Nadine Burtscher vom Jugendparlament sagt, dass viele ihrer Kollegen nicht abstimmen gehen. «Oft sind sie zu faul, sich über die Vorlagen zu informieren und lassen es darum einfach bleiben.» Burtscher findet es wichtig, dass auch junge Leute an die Urne gehen. Darum machte sie sich mit ihren Kollegen vom Jugendparlament Dietikon dafür stark, etwas an der Stimmbeteiligung ihrer Generation zu ändern. Sie stellten dem Stadtrat «Easyvote» vor.

Pilotprojekt in Dietikon

Anfangs äusserte der Stadtrat Bedenken zum Vorhaben der Jugendlichen. Die Broschüre «Easyvote» behandelt nur die kantonalen und nationalen Abstimmungsvorlagen, die kommunalen werden darin nicht berücksichtigt. Darin sah der Stadtrat einen Nachteil. Burtscher stimmt dieser Kritik zu, «denn gerade diese Vorlagen betreffen die Stimmenden am meisten.» Kurzerhand machte das Jugendparlament dem Stadtrat einen Vorschlag: Die Jugendlichen wollen dafür sorgen, dass auch kommunale Abstimmungen im «Easyvote» berücksichtigt werden. Dafür soll die Stadt die dafür benötigten Druckkosten übernehmen.

Otto Müller, Dietiker Stadtpräsident, ist über das Engagement der Jungpolitiker hocherfreut. Der Stadtrat beschloss «Easyvote» als Pilotprojekt für die Jahre 2014 und 2015 zu testen. Nadine Burtscher ist mit diesem Entscheid zufrieden. Es sei schön zu sehen, dass junge Leute von der Stadt ernst genommen und gehört würden, sagt die 18-jährige Gymnasiastin.

Zusammenarbeit auf lokaler Ebene

«Easyvote» ist Projekt des Dachverbands der Schweizer Jugendparlamente. Jugendliche aus der ganzen Schweiz schreiben jeweils an der Broschüre. Das kommunale «Easyvote» in Dietikon ist in der Schweiz bisher ein Novum. Nicola Jorio, Co-Projektleiter, erklärt, dass man sich weiterhin hauptsächlich auf die kantonalen und nationalen Abstimmungen konzentrieren werde. «Wir können uns aber vorstellen in Zukunft vermehrt mit lokalen Jugendparlamenten für eine kommunale Ausführung zusammenzuarbeiten.»

Bei der Umsetzung von «Easyvote»-Abstimmungsunterlagen für Dietikon wird das Jugendparlament gleich vorgehen wie bei der Produktion der kantonalen und nationalen Broschüren. Zu jedem Abstimmungsthema gibt es zwei Seiten Informationsmaterial. Um die Vorlagen verständlich erklären zu können, müssen die Jugendparlamentarier die Abstimmungsunterlagen genau studieren und mit der Stadtkanzlei Rücksprache halten.

Nadine Burtscher will noch weiter gehen. «Wir werden einen Aufruf starten, um noch mehr junge Leute an Bord zu holen. Je mehr Jugendliche für das Projekt gewonnen werden, umso stärker wird ihr politisches Interesse.»

Broschüre kommt bei Jugendliche gut an

Wird sich mit «Easyvote» die Stimmbeteiligung in Dietikon verändern? Davon ist Nadine Burtscher überzeugt: «‹Easyvote› ist super und ich weiss, dass die Broschüre bei jungen Leuten gut ankommt.» Diese Beobachtung machte Burtscher in den letzten Jahren an ihrer Schule. Vor Abstimmungen seien Mitschüler zu ihr gelangt und hätten sich erkundigt, ob sie die Broschüre nicht wieder mitbringen könne. «Auch Eltern hätten danach gefragt», erzählt sie.

Auch Stadtpräsident Müller kann sich vorstellen, dass sich mit «Easyvote» mehr junge Leute für die Abstimmungen zu interessieren beginnen. Allerdings müsse «Easyvote» jetzt in der Gemeinde bekannt gemacht werden. Alle unter 25-Jährigen sollen «Easyvote» per Post mit den restlichen Abstimmungsunterlagen bekommen.