In der katholischen Kirche in Urdorf fand am Sonntag ein besonderer Gottesdienst statt. Rund 500 Besucher feierten zusammen mit Priester Johannes Häuselmann seine erste Eucharistiefeier in seiner Heimatgemeinde, in der er aufwuchs und 20 Jahre wohnte. «Vor genau 12 Jahren und einem Monat stand ich hier in der vollen katholischen Kirche an der Beerdigung meiner Mutter», sagte der 31-jährige Pater in seiner kurzen Einführung, in der er seine Tränen zurückhalten musste. Ihr verdanke er den Glauben und ohne sie würde er nicht hier stehen.

Nach dem Tod seiner Mutter Heike kehrte Häuselmann dem Banker-Dasein und Disco-Leben den Rücken und ging den herausfordernden Weg eines Priesters. Im Dezember wurde er in Rom zum Priester «Pater Pascal Maria» geweiht. Für die katholische Kirche Urdorf, die 1960 gegründet wurde, war es nun die zweite Primiz. Die erste Primiz fand 2009 statt, als Pfarrer Max Kroiss seine erste Eucharistiefeier in der Kirche hielt. «Die Freude über einen neugeweihten Priester ist gross, weil eben die Bereitschaft zu dieser anspruchsvollen Berufung immer mehr abnimmt», sagte Pfarrer Kroiss in seiner Rede. Es komme ihm wie ein Wunder vor, dass zwei Primizianten in der Pfarrei am Altar gemeinsam stehen. Beide verbunden durch etwas Mystisches, so Kroiss. Er selbst wurde Priester nach dem Tod seiner Frau Imke.

Besonderer Gnaden

Die Primizmesse war aufgebaut wie eine Eucharistiefeier: Reinigung durch Schuldenbekenntnis, Erleuchtung durch Lesung aus der Heiligen Schrift und Vereinigung mit Gott beim Empfang der heiligen Kommunion. Priester aus der ganzen Welt wie etwa den USA, Deutschland, Irland, Polen, Ghana oder Südkorea kamen, um mit ihrem Weggefährten und Freund Pater Pascal Maria Gott zu danken und zu feiern. Die Brüder und Schwestern der Gemeinschaft «Familie Mariens», zu der Häuselmann gehört, sangen die Psalmen in Chor.

Bekannte und Freunde Häuselmanns lasen verschiedene Stellen aus der Bibel vor.
Nach dem Austeilen der heiligen Kommunion, in der Pater Pascal Maria und Pfarrer Kroiss die Hostien – Leib Christi – den Kirchenbesuchern verteilt hatten, folgte der Primizsegen durch den Neupriester. Vom Primizsegen erhoffen sich die Gläubigen besondere Gnaden, weil erstmalig die übertragenen Vollmachten aktiviert werden, die der Neupriester durch sein Amt als Vertreter Jesu erhält. «Die besonderen Gnaden Gottes erfährt man in den Chancen und Grenzen des Alltags», präzisierte Pfarrer Kroiss.

Für die Familie gebetet

Zum Abschluss des Gottesdienstes bedankte sich der Neupriester bei allen, die ihn in ihren Gebeten miteinschliessen, denn er sei ohne diese Unterstützung nicht da, wo er nun stehe, sagte er. Und der Kirchengemeindepräsident Christian Tomasi lobte Pater Pascal Maria in seiner kurzen Abschlussansprache: «Du hast uns zutiefst berührt».

Auch Besucherin Anne-Marie Baumeler fand die Messe «ergreifend». Sie war eine gute Bekannte der Mutter Heike. «Seit Heike krank war, habe ich für die Familie Häuselmann gebetet. Ich habe gespürt, dass Johannes Priester werden könnte. Er strahlte schon immer ein starkes Glaubensleben aus, das mehr ist als Licht», erzählte Baumeler.

Die zwei jüngeren Brüder des neuen Paters waren auch an der Primizmesse. «Ich bin sehr stolz auf Johannes. Es war emotional sehr bewegend, weil unsere Familiengeschichte mit der Kirche verbunden ist und weil so viele gekommen sind», sagte Andreas Häuselmann. Und Lukas Häuselmann ergänzte: «Auch wenn Johannes Priester ist, ist er immer noch mein Bruder. Wir reden immer noch über Fussball. Weil er nun in Rom weilt, vermisse ich ihn schon, aber abends, wenn ich bete, glaube ich, dass er bei mir ist.»

Nach der Eucharistiefeier, die live über Radio Maria übertragen wurde, fand ein gemeinsames Mittagessen statt und am späten Nachmittag gab es noch eine Dankandacht mit Einzelprimizsegen.