Kurz nach der Urteilseröffnung wurde es laut am Obergericht in Zürich. Der aus dem Libanon stammende und in Schlieren wohnhafte Schweizer lachte die Oberrichter aus und zerriss den ihm überreichten Entscheid sogleich demonstrativ in Fetzen. Als ihm der Gerichtsvorsitzende Christoph Spiess die stationäre Psychotherapie als neue Chance empfahl, antwortete er: «Nur über meine Leiche!»

Die Vorwürfe der Anklage gingen auf den 2. August 2011 zurück. Damals erschien der Mann auf der kantonalen Beratungsstelle des Ombudsmannes und wollte einen Polizeibeamten verzeigen. Als zwei Berater auf das Ansinnen nicht eingehen wollten, verlegte er sich auf nackte Drohungen. Er beschimpfte Schweizer Behörden als rassistisch und führte aus, dass er nun kriminell werde, um zu überleben.

Zudem verwies er auf das damals erst zehn Tage zurückliegende Attentat von Oslo. Die hiesigen Beamten würden schon sehen, drohte er. Nachdem sich der alleinerziehende Vater zurückgezogen hatte, unterrichteten die verunsicherten Angestellten die Polizei.

Schwere Persönlichkeitsstörung

Zwei Tage später nahmen die Fahnder den mehrfach vorbestraften Behördenschreck in Schlieren fest. Sie stellten in seiner Wohnung einen Dolch, ein Schwert sowie ein Zielfernrohr sicher. Seither sitzt der Mann in Sicherheitshaft. Mit der Folge, dass ihm das Bezirksgericht Dietikon inzwischen das Sorgerecht entzogen hat und das Kind in einem Heim untergebracht wurde.

Ein psychiatrischer Gutachter stellte beim Schlieremer eine schwere Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen sowie paranoiden Zügen fest. Aufgrund einer hohen Rückfallgefahr empfahl der Experte die Einweisung des schon wegen Körperverletzungen verurteilten Mannes in eine stationäre Massnahme.

Drohung bestritten

Gestern beteuerte der Vater vor Obergericht seine Unschuld. Er habe mit dem Hinweis auf Oslo niemanden bedroht, zeigte er sich überzeugt. Auch der Verteidiger sprach von einem Missverständnis, da sein Klient häufig unzusammenhängend und unverständlich spreche. Zudem sei eine stationäre Massnahme mit Blick auf die Anlasstat völlig unverhältnismässig. Eine ambulante Psychotherapie wäre ausreichend.

Keine Bagatellen

«Drohungen sind keine Bagatellen», erklärte der Gerichtsvorsitzende Spiess anlässlich der Urteilseröffnung. Das Obergericht kam zu einem Schuldspruch wegen Drohung und stufte die Darstellungen des Beschuldigten als reine Schutzbehauptungen ein. Die Strafe von fünf Monaten Freiheitsentzug spielte nur eine unbedeutende Rolle. So hat der Mann diese Sanktion schon abgesessen. Wichtig war seine Einweisung in eine geschlossene Institution zur Behandlung von psychischen Störungen. Damit bestätigten die Oberrichter im Wesentlichen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom Februar. Sie stützten sich ebenfalls auf das Gutachten des Psychiaters ab. Eine stationäre Behandlung des Beschuldigten stehe in einem erheblichen öffentlichen Interesse, führte Spiess zum Schluss aus und verfügte die Rückführung des Angeschuldigten in die Sicherheitshaft.