Schlieren
Drei Viertel der Tests sind Fehldiagnosen

Ein neuer Bluttest macht die Erkennung von Prostatakrebs zuverlässiger. Denn jährlich werden weltweit etwa 45 Millionen Test gemacht, und rund 6 Millionen davon fallen positiv aus, wovon aber für drei Viertel der Test eine Fehldiagnose darstellt.

Dominic Kobelt
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Die beiden Jungunternehmer Christian Brühlmann (links) und Ralph Schiess von ProteoMediX im Labor in Schlieren. kob

Die beiden Jungunternehmer Christian Brühlmann (links) und Ralph Schiess von ProteoMediX im Labor in Schlieren. kob

Weltweit werden pro Jahr etwa 45 Millionen Tests auf Prostatakrebs durchgeführt, 6 Millionen davon fallen positiv aus. «Es folgt eine Biopsie, die für drei Viertel der Patienten zeigt: Das positive Testresultat war eine Fehldiagnose», sagt Ralph Schiess von ProteoMediX. Er hat einen neuen Bluttest entwickelt, der eine zuverlässigere Diagnose erlaubt. Denn die Biopsien sind nicht nur unangenehm und teuer – die falschen Krebsdiagnosen belasten die Patienten auch psychisch: «Krebs bedeutet für viele Leute immer noch eine Todesdiagnose», sagt Schiess. Ziel des 2010 gegründeten Schlieremer Unternehmens ist es, die unnötigen Biopsien grösstenteils zu verhindern.

Neue Technologie braucht Zeit

Das zuverlässigere Verfahren ersetzt aber nicht einfach das alte. Es wird «zwischengeschaltet»: Nach wie vor wird zuerst der sogenannte PSA-Test gemacht. Ist das Resultat positiv, kommt das neue Verfahren zum Einsatz – ist es ebenfalls positiv, folgt die Biopsie.

Für dieses Vorgehen gebe es drei Gründe, erklärt Schiess: «Für einen sogenannten Screening-Test, wie wir ihn entwickelt haben, braucht es viele grosse Studien, bis er zugelassen wird.» Deshalb sei es einfacher, auf dem bestehenden Test aufzubauen. «Ausserdem ist der heutige Test etabliert, und es ist schwierig, diese Gewohnheiten zu ändern», erklärt Schiess weiter. Dies, obwohl der PSA-Test erwiesenermassen schlecht sei. «Der dritte Grund sind die Kosten: unser Test ist zwar viel genauer, dementsprechend aber auch teurer als der PSA-Test», sagt Schiess. Deshalb komme das Verfahren zuerst an der kleineren Versuchsgruppe zum Einsatz. Es handelt sich noch um einen Prototypen: «Wir arbeiten momentan an der Herstellung des Endprodukts», sagt Schiess. Er vergleicht die Tests mit Patronen für Tintenstrahldrucker: «Unsere Tests werden in bestehende Diagnosegeräte eingesetzt.»

Die neuen Bluttests sind aus einer Doktorarbeit heraus entstanden. «Mir war wichtig, dass es nicht bei einer theoretischen Arbeit bleibt, sondern dass das Verfahren möglichst bis zur klinischen Anwendung kommt – so kam es dann auch zur Gründung unserer Firma», sagt Schiess. Er hat sich mit seinem langjährigen Kollegen Christian Brühlmann zusammengetan. «Er kam mit den Entdeckungen seiner Doktorarbeit zu mir. Da ich Betriebswissenschaften studiert habe, lag es nahe, zusammen eine Firma zu gründen», sagt Brühlmann.

Jungunternehmen räumt Preise ab

In der Zwischenzeit haben die beiden zwei zusätzliche Angestellte. Das Unternehmen hat etliche Preise abgeräumt, kürzlich auch den Jungunternehmerpreis der Vigier-Stiftung. «Die Preise bringen eine Beurteilung durch Experten, Publicity und natürlich ist auch das Geld ein wichtiger Punkt», erklärt Brühlmann. «Solange wir keine Umsätze haben, sind wir auf Fremdfinanzierung angewiesen.»

Dank einer kürzlich abgeschlossenen Finanzierungsrunde konnten Schiess und Brühlmann in Geräte investieren und sich im Schlieremer Bio-Technopark ansiedeln, wo weitere Unternehmen aus der Branche ihren Sitz haben. «Wir profitieren enorm vom Standort. So sind der Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen wesentlich einfacher», sagt Schiess. Ein nächstes Projekt ist bereits in Vorbereitung: Neue Tests sollen eine Vorhersage erlauben, auf welches Medikament ein Krebspatient anspricht.