«Es ist zurzeit etwas leer hier», findet die Künstlerin Doris Bosshard, trotz den vielen Bildern. Rund 40 Werke von ihr werden momentan in der Galerie Bachlechner in Bergdietikon ausgestellt und zum Verkauf angeboten.

Platz für Neues schaffen

Mit Vorliebe malt die Dietikerin auf Grossformat. Ihre Bilder gebe sie nur mit schwerem Herzen weg: «Sie sind wie meine Kinder, ich kann mich nur schwer von ihnen trennen.» Doch Bosshard ist eine Künstlerin, die immer nach Neuem sucht und Neues findet, da schade ein frei gewordenes Plätzchen nicht, so Bosshard.

«Das schafft Raum für Neues.» Von den Bildern, die in ihrem Atelier an den Wänden hängen, wirken einige fertig, andere erst begonnen. Das kommt daher, dass Bosshard immer zwei bis drei Bilder gleichzeitig bearbeitet. Die Künstlerin schaut sich das Bild vor sich, ein grosses Werk im Querformat, genauer an: «Ich bin mir nicht sicher, was noch fehlt», sagt sie unentschlossen.

Schwarz ist nicht nur dunkel

Oft lässt sie ihre Werke Wochen oder Monate hängen, bis sie weiss, wo der Feinschliff anzusetzen ist. Doris Bosshard arbeitet in Schichten. Sie zeigt auf ein längliches Bild, das erst mit flüssigen Grautönen teilweise bemalt wurde. «Schicht um Schicht baue ich das Bild auf.

Oft wird das Entstandene wieder verworfen, übermalt und aufgebrochen», sagt Bosshard. So gelange sie in die unteren Schichten und durch die ständige Auseinandersetzung mit Farbe, Form und dem darin Verborgenen tauche sie in ihre eigene Welt», so die Künstlerin.

Entscheidend sei die Spannung im Bild, die Komposition und Farbkombination. «Ich mag natürliche Farbtöne. Rot ist oft ein Thema in meinen Bildern. Kalte Töne mag ich weniger», so Bosshard. Dann schmunzelt sie: «Ich male auch Bilder ganz in Schwarz. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich in mieser Stimmung wäre.» Es gebe so viele Schwarztöne, dass ein schwarzes Bild eben nicht einfach nur dunkel sei.

Energiegeladen und voller Power

Malen tut Bosshard mit Acrylfarbe, lässt aber auch Elemente wie Fotos aus Zeitungen oder Schriftzüge von Plakaten in ihre Werke hineinfliessen. Aus dieser Mischtechnik entstehen ihre unverkennbaren abstrakten Werke. «Ich höre oft, dass meine Bilder energiegeladen, locker und voller Power sind», so die Künstlerin.

Ihr Sammelsurium an Pinseln ist gespickt mit selbst gebastelten Hilfsmitteln. Angeritzte Bambus-Stecken nutzt die Künstlerin als Federn und getrocknete Ähren, um dünne Linien im Bild zu ziehen. «Ich probiere viel aus, was nicht heisst, dass es auch immer klappt», so Bosshard. Manchmal reisse sie die Leinwand herunter und verwerfe das ganze Bild, das befreie sie.

Mittlerweile arbeitet Bosshard zu 80 Prozent im Atelier, das sie vor sechs Jahren im Untergeschoss ihres Hauses eingerichtet hat. Zeichnen und Malen begeisterte die Künstlerin aber schon im Kindesalter.

Nach der Schule und Ausbildung als Innendekorateurin hat sie zehn Semester an der Kunstgewerbeschule verbracht und sich danach vieles selber angeeignet. Ein Blick in die Sammlung ihrer Bilder zeigt: Kein einziges Werk ist wie das andere. Jedes erhält durch bestimmte Formen, Farben, Collage-Elemente oder Schriftzüge einen eigenen Charakter.