Pandemie

«Dörf ich ihne au e Maske gäh?» – die VBZ verteilen 50'000 Masken an öV-Passagiere

"Dörf ich ihne au e Maske ghä?" - VBZ verteilen 50 000 Masken an Fahrgäste

VBZ versucht zum Tragen einer Maske im öV zu motivieren – und verteilt Masken an Fahrgäste

Maskenträger sind auch in vollen Trams noch die Ausnahme. Daher verschenken die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) jetzt an grossen Haltestellen 50000 Atemschutzmasken. Das soll helfen, eine zweite Welle der Coronapandemie zu vermeiden - und öV-Passagiere zum Umdenken bringen.

Er ist wieder da: der Stossverkehr. Schon zum Frühstück gibts Staumeldungen im Radio, und auf dem Weg durch die Stadt einen Beinahe-Zusammenstoss auf einem überfüllten engen Radweg. Auch in Zürichs Trams und Bussen ist wieder mehr los, wie VBZ-Direktor Guido Schoch sagt. Er trägt eine leuchtgelbe Weste über dem grauen Anzug und verteilt Atemschutzmasken an Passanten am Bellevue.

Die Verkehrsbetriebe Zürich haben begonnen, an grossen Haltestellen 50'000 Schutzmasken zu verschenken. Damit die Passagiere im öffentlichen Verkehr zumindest während der Stosszeiten Schutzmasken tragen, wie es der Bundesrat empfiehlt. Dies soll dazu beitragen, eine zweite Welle der Coronapandemie zu verhindern.

«Wir mussten leider feststellen, dass sich nur sehr wenige Leute an die Empfehlung des Bundesrats halten, auch wenn das Tram voll ist», sagt Schoch. Sein politischer Vorgesetzter, FDP-Stadtrat Michael Baumer, hilft ebenfalls beim Verteilen der Masken. «Bis jetzt ist es für viele noch ungewohnt. Man kommt sich vielleicht komisch vor, wenn man eine Maske trägt. Aber je mehr mitmachen, um so weniger komisch ist es», erklärt er den Sinn der Verteilaktion, die am Mittwoch am Sternen Oerlikon, Milchbuck und Limmatplatz fortgesetzt wird. Die Kosten belaufen sich laut Baumer auf 30'000 Franken.

Es gehe auch darum, den Leuten zu zeigen, dass man unter Einhaltung der nötigen Vorsichtsmassnahmen wieder die öffentlichen Verkehrsmittel (öV) benutzen könne. Dazu gehöre zum einen das Maskentragen, wenn viele Leute unterwegs sind. Zum anderen gelte es, sich in Trams und Bussen gut zu verteilen und nicht gleich bei der Tür stehen zu bleiben.

Für den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) gehe der Regierungsrat davon aus, dass die Unterdeckung dieses Jahr um 100 Millionen Franken ansteigen werde. Der Gemeindebeitrag der Stadt Zürich stiege dadurch laut Baumer um 23 Millionen Franken.

Längerfristig geht der FDP-Stadtrat davon aus, dass vermehrt im Homeofffice gearbeitet wird. Auch das würde die öV-Passagierzahlen künftig tiefer als bis anhin halten. Zu hoffen sei, dass sie sich zeitlich besser verteilen und weniger auf die Stosszeiten am Morgen und Abend konzentrieren. Aktuell sind laut Schoch etwa halb so viele Leute mit den VBZ unterwegs wie vor der Coronakrise.

Eine Rentnerin an der Tramstation Bellevue sagt, sie sei heute zum ersten Mal wieder mit dem Tram unterwegs, weil sie zum Arzt müsse. Sie trägt Maske. «Es ist nicht so angenehm», sagt sie – und fügt an: «Normal finde ich das nicht.» Ein Arzt auf dem Weg zur Arbeit im Universitätsspital hat die Maske unter den Arm geklemmt, während er aufs Tram wartet. «Wenn viele Leute im Tram sind, trage ich sie», sagt er. «Wenn ein Viererabteil frei ist nicht unbedingt.»

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