Roman Bachmann hat ein klares Ziel vor Augen: Er will Profi-Handballer werden. Als Stammgoalie der U19 von GC Amicitia Zürich und der U17-Nationalmannschaft hat der Dietiker sein Talent bereits unter Beweis gestellt. Zudem sammelt er bei der zweiten Mannschaft der Grasshoppers wertvolle Spielpraxis und trainiert regelmässig mit dem Nationalliga-A-Team. «Auf U19-Stufe bin ich der stärkste Goalie der Schweiz», gibt er sich selbstbewusst. Damit das so bleibt, arbeitet er weiter hart an sich. Acht Trainingseinheiten absolviert er während der Sommerpause, nach Saisonstart sind es sieben. Dazu kommen wöchentlich drei Krafttrainings. Dafür verzichte er auch gerne auf Freizeit. Denn er weiss, dass der Weg zum Profi weit und die Konkurrenz gross ist.

Erst Anfang Juli erlebte Bachmann, der am 5. August seinen 17. Geburtstag feiert, dies im schwedischen Göteborg hautnah mit. Er hütete das Schweizer Tor an der «U17 European Open», einem europäischen Nachwuchsturnier ohne Qualifikation, bei dem nur wenige grosse Handballnationen wie Kroatien, Deutschland und Frankreich fehlten. «Ich habe viel profitiert, weil die Gegner stärker waren als in der Schweiz.»

Dank Siegen gegen Grossbritannien, Luxemburg, Montenegro und Rumänien platzierte sich die Nati bei 24 Teilnehmern auf Rang 10. Trotz respektabler Leistung redet Bachmann mehr von den verpassten Chancen gegen Tschechien oder vom Einbruch in den letzten zehn Minuten gegen Norwegen im Spiel um Platz neun. Die Open EM war sein erstes internationales Turnier mit der Jugendnati. Weil er mit GC aber bereits viel herumgekommen ist, habe er keine Nervosität gespürt. Imponiert hat ihm, dass die Färöer-Inseln mit gerade einmal 50'000 Einwohnern im Finale Schweden besiegten. «Ich habe noch nie eine so gute Juniorenmannschaft gesehen.»

Auslöser war ein Spiel des HC Dietikon-Urdorf

Von Dietikon aus verfolgte Vater und Stadtpräsident Roger Bachmann das Turnier gebannt mit. Über ihn ist Roman Bachmann mit Handball in Berührung gekommen. Noch heute tauschen beide sich gerne über das Handballgeschehen aus. Politik interessiere ihn aber nicht, ergänzt er.

Bachmann antizipiert den Wurf und macht die Ecke zu.

Bachmann antizipiert den Wurf und macht die Ecke zu.

Als Kind habe er viele Sportarten ausprobiert. Zusammen mit seinem Vater, der früher Feldhandball spielte, besuchte er als 7-Jähriger ein Spiel des HC Dietikon-Urdorf (HCDU). «Der Goalie war fantastisch und begeisterte die ganze Halle.» Er selbst war besonders begeistert, gehörte er doch zu den wenigen Kindern, die beim Sport mit Freunden immer schon am liebsten das Tor hüteten.

Als er dem HC Dietikon-Urdorf beitrat, musste Bachmann als Jüngster im Team dennoch zunächst aufs Feld. Doch nachdem sich der Goalie verletzte, durfte er sich im Tor beweisen. Vor rund vier Jahren wurde er dann von GC zum Probetraining eingeladen und hat sich seither als feste Grösse etabliert. Auch in der Jugendnationalmannschaft ist er zur Nummer eins geworden.

Trotz sportlicher Ambitionen will Bachmann seine Ausbildung nicht vernachlässigen. Derzeit absolviert er das KV an der United School of Sports, bei der die Vereinbarkeit von Sport und Bildung im Fokus steht. Das funktioniere sehr gut. «Aber ich muss schon viel nachholen, wenn ich mal eine Woche mit der Nati weg bin.»

Er ist schnell, aber noch nicht der Grösste

Ein guter Handballgoalie muss vorausschauend und geduldig sein, um sich intelligent zu verschieben und nicht zu früh auf Finten zu reagieren. Er benötigt aber auch schnelle Reflexe. Seine grosse Stärke sei es, den Wurf des Gegners gut lesen zu können, sagt Bachmann. «Ich bin sehr schnell, weil ich mit 1,81 Metern nicht der Grösste bin. Aber ich wachse ja zum Glück noch.»

Handballgoalies müssen auch körperlich flexibel sein.

Handballgoalies müssen auch körperlich flexibel sein.

Viele Torhüter in den Topligen sind grösser als 1,90 Meter. Wie der 2-Meter-Hüne Niklas Landin Jacobsen, Bachmanns grosses Vorbild und Schlussmann bei seinem Lieblingsklub, dem THW Kiel. «Ich schaue mir von vielen verschiedenen Goalies etwas ab. Ich sehe mir viele Videos an und probiere dann, die Techniken und Tricks selbst umzusetzen.» Auch von GC-Torhüter Nikola Marinovic habe er im Training schon viel gelernt. Und sogar in Dietikon hat er ein Vorbild gefunden: Der 24-jährige Simon Schelling im Dienst von Pfadi Winterthur stammt ebenfalls aus dem Bezirkshauptort und begann seine Karriere beim HCDU. «Er hat mir auch schon Tipps gegeben und ich habe immer wieder Kontakt zu ihm.»

Emotionen wecken ist für Bachmann auf dem Feld das Schönste: «Es fühlt sich unglaublich an, wenn die ganze Halle nach einer tollen Parade aufsteht und dir zujubelt oder laut buht und gegen dich ist», sagt er. Je grösser die Bühne ist, desto intensiver werden auch die Emotionen. In den nächsten Jahren will Roman Bachmann sich bei GC etablieren und mit der Nationalmannschaft auch international Aufsehen erregen, um es dereinst in die deutsche Bundesliga zu schaffen. «Ich habe nie einfach aus Plausch gespielt, sondern hatte immer ein Ziel vor Augen.»

Wer weiss, vielleicht wird der Name Bachmann in Dietikon bald nicht nur mit Politik in Verbindung gebracht, sondern auch mit sportlichen Höhenflügen.