Urdorf

Dieser 15-jährige Graffiti-Sprayer ist ein echter Künstler

Graffiti-Künstler Leon Goodall in seinem Atelier, dem Keller seines Elternhauses.

Graffiti-Künstler Leon Goodall in seinem Atelier, dem Keller seines Elternhauses.

Der Urdorfer Kantischüler Leon Goodall ist ein Meister der Spraydose. Auch in Berlin hat er schon Wände besprüht. Nun stellt er seine Werke im Gemeindehaus aus, zusammen mit zwei anderen Jungkünstlern.

«Anfänger verstossen oft gegen Regeln», sagt der 15-jährige Leon Goodall. Ein ungeschriebenes Gesetz unter Graffiti-Sprayern sei beispielsweise, dass man nur etwas übersprühe, wenn man es besser oder gleich gut machen könne. Für Anfänger sei der Einstieg daher schwierig, erklärt der junge Graffiti-Künstler und demonstriert gleich in seinem Urdorfer Atelier, an der Kellerwand des Elternhauses, wie man geschickt, aus dem Handgelenk heraus, Spuren für die Ewigkeit hinterlässt.

Obwohl das mit der Ewigkeit so eine Sache bei der Graffiti-Kunst ist. Spuren zu hinterlassen, motiviert die Sprayer. Doch sprüht man an Wänden, die nicht dafür vorgesehen sind, gerät man in Konflikt mit dem Gesetz. Goodall sind einige Personen bekannt, die mit viel Geld büssen mussten oder deswegen im Gefängnis waren. Er selbst nutzt die legalen Wege der Graffiti-Kunst. Beim oberen Letten in Zürich gibt es Mauern, an denen das Sprühen erlaubt ist. Ausserdem fährt Goodall fast jeden Sommer mit seinem Vater nach Berlin, um dort zwei bis drei Tage zu malen. Denn Berlin ist ein Zentrum für Graffiti und Street Art.

«Wer ‹Fuck› an öffentliche Orte malt, ist kein Künstler»

Auch wenn das Sprayen kinderleicht aussieht, birgt es in sich doch einige Tücken. Bis man es schafft, das Vorgestellte auch an der Wand umzusetzen, braucht es einiges an Übung. Sprayer, die «Bitch» oder «Fuck» an öffentlichen Orten malen, sind für den jungen Urdorfer keine Künstler, sondern Schmierer.

Goodall selbst hinterlässt an Wänden seinen Künstlernamen «Scope», den er manchmal auch mit «k» statt «c» schreibt. «Scope» heisst auf Deutsch unter anderem Zielfernrohr. «Ich habe diesen Namen vor allem gewählt, weil mir die Buchstaben und deren Aussehen gefallen», sagt der Graffiti-Künstler.

Zu Weihnachten verschenkt er Graffiti-Karten

Signiert man nur mit dem Künstlernamen, nennt man dies einen «Tag» hinterlassen. «Tag» bedeutet so viel wie Kennzeichen. Wird der «Tag» gestaltet und nicht nur geschrieben, stellt er ein «Piece» dar. Es gibt für «Pieces» gewisse Kriterien, auf die Goodall achtet. Das Gesamtbild müsse stimmen und die Farbkombinationen passen. Mit speziellen Markern auf Papier gestaltet der junge Künstler Graffiti-Karten, die er Freunden und Verwandten zum Geburtstag oder zu Weihnachten schenkt.

Im Auftrag der Gemeinde hat Goodall zusammen mit einem Kollegen auch schon ein Kunstwerk an der Wand neben der Urdorfer Halfpipe erstellt. Dass nun elf Graffiti-Bilder von ihm im Urdorfer Gemeindehaus noch bis zum 27. Oktober ausgestellt sein werden, freut den Kantonsschüler.

Er sprayt nicht nur auf Beton, sondern malt auch auf Leinwände, Papier oder Spanplatten

Den Bildern für die Ausstellung gab der 15-Jährige Namen wie etwa «Jungle», «Stairs» oder «Layers». Beim Bild «Jungle» erinnert das vorwiegend grüne Gesamtbild an einen Dschungel. Das Kunstwerk «Stairs» ist so konzipiert, dass es in einem Treppenhaus aufgehängt werden kann, weil das Bild schräg im Rahmen und parallel zu den Treppen steht. «Layers» zeichnet sich durch Vielschichtigkeit aus. Die Kunstwerke sind auf Leinwand, Papier oder Spanplatte gemalt und gesprüht.

Mittlerweile sei er schon so fortgeschritten, dass er keine Mal-Kleidung anziehen müsse, wenn er Graffiti spraye. Sprühe er in geschlossenen Räumen, trage er aber eine Schutzmaske, denn die Farbpartikel blieben in der Luft und könnten die Gesundheit gefährden, erklärt der junge Künstler.

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