In zwei grauen, unscheinbaren Kisten liegen 119 Umschläge. Sie stehen auf der Bühne zwischen Notenständern und Mikrofonhaltern. Eigentlich ein unpassender Ort, wenn man bedenkt, was sich darin befindet. In den Couverts sind die Maturzeugnisse von 119 Schülerinnen und Schüler der Kanti Limmattal, die sich in den ersten Reihen der Zentrumsanlage Urdorf eingefunden haben. Aufgeregt, freudig und herausgeputzt blicken sie auf die Bühne zu ihrem Rektor Werner De Luca. «Die belastende Prüfungszeit liegt hinter Ihnen. Sie haben sich bewährt und mit Geduld und Ausdauer grossartige Leistungen vollbracht. Ich wünsche Ihnen, dass das Glücksgefühl, das Sie in sich tragen noch lange anhält.» Beifall und Jubel erfüllen die Halle. Auch die anwesenden Eltern und Angehörigen klatschen kräftig mit.

Am Donnerstag zelebrierten die Maturandinnen und Maturanden den erfolgreichen Abschluss ihrer Schulzeit. 122 Jugendliche waren zu den Prüfungen angetreten. 119 haben bestanden. «Die drei Personen, die es nicht geschafft haben, werde ich sicherlich nächstes Jahr erfolgreich verabschieden können», sagte De Luca. Musikalisch begleitet wurde die Feier vom Schulchor und dem Kammermusik-Ensemble.

Viele Optionen als Fluch und Segen

Bevor die Maturi und Maturae ihre Zeugnisse entgegennehmen konnten, philosophierte Gastredner Reto Givel, Leiter der kantonalen Abteilung Mittelschulen, über das Thema Freiheit. Er warf die Frage auf, ob die nun durch die Matur gewonnene Freiheit ein Fluch oder ein Segen sei. «Sie haben nun einen umfassenden Hochschulzugang und können das Fach Ihrer Wahl studieren», sagte Givel. Gleichzeitig seien die vielen Optionen aber auch erdrückend. «Was nützt es, zu studieren, was ich will, wenn ich nicht weiss, was ich will», gab Givel zu bedenken. Schliesslich entschieden sich die Maturandinnen und Maturanden – von Givel dazu aufgefordert – dafür, dass die Matur zu besitzen mehr Vorteile als Nachteile mit sich bringt. Mit auf den Weg gab der Redner den jungen Frauen und Männern drei Tipps zur Stärkung ihrer Willenfreiheit: Skepsis, Realismus und Fatalismus. «Sie haben mit der Matur alles, um mit dem Fluch und dem Segen der Freiheit umzugehen. Sie sind reif für die Freiheit», sagte Givel.

Ein Selfie mit der Abschlussklasse

Einige Maturandinnen und Maturanden genossen sichtlich das Bad in der Menge und den Jubel, als sie zur Bühne schritten und ihre Zeugnisse abholten. Andere waren froh, als sie wieder in den Reihen Platz nehmen konnten. Die Klassenlehrpersonen zeigten sich stolz. «Well done class, proud of you», sagte ein Lehrer. Ein anderer zückte das Handy und schoss ein Selfie von sich und seinen Schülerinnen und Schülern.

10 der 119 Absolventinnen und Absolventen erreichten einen Notenschnitt von 5,3 oder mehr. Sie erhielten eine Urkunde. Zudem wurden drei sehr gute Maturitätsarbeiten prämiert. Dominic Glättli überzeugte mit der Konstruktion, dem Bau und der Ansteuerung einer CNC-Fräsmaschine und Micha Straub beeindruckte mit seiner Arbeit über Genome Editing. Er veränderte die DNA von Zebrafischen. Laura Toigo wurde für ihre Arbeit über nationalsozialistische Rhetorik bei der AfD ausgezeichnet. Besonders schön für die Schülerin war, dass Sie den Preis von ihrem Gotti, Manuela Stiefel, erhielt. Die Schlieremer Stadträtin ist Mitglied der Schulkommission und tat ihren Stolz kund: «Als dein Gotti durfte ich erleben, wie du starke Wurzeln bekommen hast und nun, wie du deine Flügel ausbreitest.»