Urdorf
Diese beiden Limmattaler haben eins gemein: Sie malen gegen den Alltagsstress

Ab Freitag stellen im Ortsmuseum eine Limmattalerin und ein Limmattaler ihre Bilder aus.

Sebastian Schuler
Merken
Drucken
Teilen
Vom 31. Mai bis zum 30. Juni findet die Ausstellung «Holz Bilder Steine» im Ortsmuseum Urdorf statt. (Archivbild)

Vom 31. Mai bis zum 30. Juni findet die Ausstellung «Holz Bilder Steine» im Ortsmuseum Urdorf statt. (Archivbild)

SEVERIN BIGLER

«Holz Bilder Steine» heisst die Ausstellung, die vom 31. Mai bis zum 30. Juni im Ortsmuseum Urdorf besucht werden kann. Unter den vier Ausstellern finden sich auch zwei Limmattaler Künstler. Die Geroldswilerin Uschi Huwiler und der Urdorfer Giuseppe Mele präsentieren den Besucherinnen und Besuchern eine Auslese ihrer Werke.

Welche Bilder Mele ausstellen wird, steht noch nicht definitiv fest. «Eine Auswahl zu treffen fällt mir ein bisschen schwer, da ich mittlerweile schon einige Bilder gemalt habe», sagt er. «Jedoch werde ich sicher meine neusten Werke präsentieren und vor Ort entscheiden, was zur Stimmung des Ortsmuseums und zu den Ausstellungsstücken der anderen Künstler passt.»

Der Urdorfer kam bereits früh mit der Malerei in Berührung. «Zwischen meinem zehnten und fünfzehnten Lebensjahr lebte ich in Italien und lernte in der Schule die Wichtigkeit des Fachs Kunst kennen.» Als Mele mit 16 Jahren wieder in die Schweiz zurückkehrte, absolvierte er die Lehre zum Automechaniker und die zum Auto-Elektriker. Später schloss er zusätzlich die Ausbildung zum Werkstatt-Techniker bei der Fiat-Gruppe ab. Vor 25 Jahren machte er sich mit seiner eigenen Autowerkstatt selbstständig.

Ein Hobby, das beruhigt

«Nachdem ich wieder in der Schweiz war, hatte ich wegen meines Berufs und den Kindern keine Zeit mehr, um zu malen» sagt der 52-Jährige. Dass er trotzdem wieder zu Pinsel und Leinwand fand, hat er auch seiner Frau zu verdanken. Als er 2011 ihr gegenüber den Wunsch äusserte, wieder mit dem Malen zu beginnen, kaufte sie ihm kurz darauf eine Staffelei und eine Leinwand. Seit da bietet ihm sein Hobby einen Zufluchtsort vor dem stressigen Alltag. «Während des Malens komme ich zur Ruhe, kann mich entspannen und meine Emotionen auf die Leinwand bringen.»

Giuseppe Mele aus Urdorf experimentiert mit verschiedenen Materialien.

Giuseppe Mele aus Urdorf experimentiert mit verschiedenen Materialien.

Sebastian Schuler

Auch für Uschi Huwiler ist das Malen ein Ausgleich zu ihrem Beruf. «Wenn ich vor der Leinwand stehe, gehe ich vollständig in mich und nehme um mich herum gar nichts mehr wahr. Mein Mann musste mich auch schon daran erinnern, etwas zu essen», sagt sie.

Die 70-jährige Coiffeur-Meisterin betreibt schon seit 45 Jahren ihr Geschäft Coiffeur Löckli in Oberengstringen. Daneben widmet sie sich am Feierabend oder am Wochenende dem Malen. «Das Talent habe ich höchstwahrscheinlich von meinem Vater geerbt. Er malte auch oft in seiner Freizeit.»

Huwiler zeichnete schon in der Schule die Fliessblätter voll und stellte mit 25 Jahren ihre ersten Bilder aus. Seither hat sie ohne grösseren Unterbruch gemalt, manchmal sogar an bis zu drei Bildern gleichzeitig. So kann die Geroldswilerin auch nicht genau sagen, wie lange sie an einem Bild hat. «Es kann durchaus einige Wochen dauern, bis ich an einem begonnenen Gemälde weiter male.»

Die Geroldswilerin Uschi Huwiler vergisst beim Malen alles um sich herum.

Die Geroldswilerin Uschi Huwiler vergisst beim Malen alles um sich herum.

Sebastian Schuler

Giuseppe Mele tüftelte an einem seiner Bilder sogar noch etwas länger. Über ein Jahr hat es gedauert, bis er das Werk mit dem Titel «L’abbandono» fertigstellen konnte. «Die Inspiration für meine Bilder hole ich mir auch bei der Arbeit und da ist mir die Idee gekommen, die dortigen Arbeitsmaterialen für meine Bilder zu verwenden.», sagt er. Die Grundierung wollte er aus Motoren-, Getriebeöl und Scheibenwischerwasser herstellen. Doch liess sich das Öl nur schwer fixieren. «Nach langem Experimentieren ist es mir mithilfe von Zigarettenasche gelungen, das Öl am Wegfliessen zu hindern.»

Experimentierfreudige Künstler

Nebst flüssigen Werkstattmaterialien verarbeitet der Urdorfer auch feste Stoffe in seinen Bildern. So klebte er schon Erde oder oxidierte Kupferfolie und Stahlwolle auf seine Leinwände.

Huwiler zeigt sich bei ihrer Kunst ebenso experimentierfreudig. Sie arbeitet auch mit geflochtenen Papierstreifen, Sand oder Eierschalen, die sie in ihre Gemälde einarbeitet. Aber ihr Hauptarbeitsmittel seien die Acrylfarben. «Ich male vor allem Landschaften und am liebsten habe ich Sujets, die eine Weite haben, wie etwa das Meer oder Sonnenuntergänge», sagt sie. Gefällt ihr ein Gemälde nicht mehr, wird es kurzerhand zu einem neuen Kunstwerk übermalt.

Komplett missglückt ist Mele bisher noch keines seiner Gemälde, wie er sagt. «Jedoch habe ich zu Beginn oft den richtigen Zeitpunkt verpasst, wann ein Bild fertig ist. Man muss manchmal dem Drang widerstehen, diesen oder jenen Strich noch hinzuzufügen», sagt er. Das Gespür dafür habe er aber mittlerweile. Ebenso eignete er sich mit den Jahren neue Maltechniken an und mit ungewöhnlichen Materialien hat er neue Gestaltungsmöglichkeiten geschaffen. Diese werden in Zukunft womöglich noch vielfältiger, denn er will noch lange weiter malen. «Auch als Pensionär möchte ich meine Emotionen auf der Leinwand festhalten und noch mehr Zeit in mein Hobby investieren können.»

Mehr Zeit für das Malen hätte auch Huwiler gerne und wird über diese auch bald verfügen. Ab nächstem Jahr übernimmt ihre Tochter zusammen mit einer Partnerin das Geschäft. Die Tochter hat vor kurzem ebenfalls mit dem Malen begonnen. «Vielleicht können wir sogar einmal zusammen unsere Bilder ausstellen», hofft die 70-Jährige.

Neben Mele und Huwiler stellen im Ortsmuseum auch die beiden Villmerger Künstler Verena Schiess-Nicolini und Ruschy Hausmann aus. Während Schiess-Nicolini geschliffene Steine präsentiert, zeigt Hausmann seine Holzskulpturen. Am 2. und am 15. Juni werden zudem Stein- und Mal-Workshops für Kinder angeboten.

«Holz Bilder Steine» im Ortsmuseum Urdorf

Die Vernissage zur Ausstellung findet statt am Freitag, 31. Mai von 17 bis 21 Uhr und die Finissage am Sonntag, 30. Juni von 14 bis 18 Uhr. Die Ausstellung ist an folgenden Tagen geöffnet: Sonntag, 2. Juni von 14 bis 18 Uhr. Samstag, 8. Juni von 14 bis 17 Uhr. Pfingstsonntag, 9. Juni und Pfingstmontag, 10. Juni von 14 bis 17 Uhr. An den Samstagen 15., 22. und 29. Juni von 16 bis 21 Uhr. An den Sonntagen 16., 23. und 30. Juni von 14 bis 18 Uhr.