Limmattal
Die Wintersonne ist nicht genug stark: Zwei Drittel leiden an Vitamin-D-Mangel

Fast zwei Drittel leiden auch dieses Jahr an Vitamin-D-Mangel – trotz Rekord-Sonnenschein im Dezember. Mit einem Solariumbesuch lässt sich ein solcher Mangel – obwohl das manche glauben – nicht beheben.

Tabea Wullschleger
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Genug Vitamin D entsteht nicht, trotzdem siehts schön aus.Andreas Petrin

Genug Vitamin D entsteht nicht, trotzdem siehts schön aus.Andreas Petrin

Es ist eine Meldung, die man gerne hört, speziell heute, am kürzesten und somit dunkelsten Tag des Jahres: Der Monat Dezember ist in der Region offiziell der sonnigste seit Messbeginn 1978. Der Wert stammt von der Wetterstation Zürich/Affoltern. Laut Meteo Schweiz ist die geografische Lage der Station mit derjenigen der Limmattaler Gemeinden am ehesten zu vergleichen (siehe Box).

So viel Dezembersonne wie noch nie in der Region

Die Wetterstation Zürich/Affoltern registrierte mit 66 Stunden bereits am 18. Dezember die höchste Sonnenscheindauer seit Messbeginn 1978, wie Meteo Schweiz auf Anfrage mitteilte. Der bisherige Rekord von 63 Stunden stammt aus den Jahren 1985 und 1998.

Im Quartier Fluntern in Zürich könnte es gar den sonnigsten Dezember seit Messbeginn 1884 geben. Es fehlen lediglich noch sieben Sonnenstunden, bis der Rekord der Wetterstation von Meteo Schweiz aus dem Jahre 1985 mit 85 Stunden egalisiert ist. (LBR)

Die Sonne mag zwar länger geschienen haben als in den vergangenen Jahren, doch den Bedarf an Vitamin D wird man in unseren Breitengraden auch diesen Winter nicht allein durch sie decken können. Der Hauptteil des fettlöslichen Vitamins wird in der Haut gebildet, wenn diese der Sonnenstrahlung ausgesetzt ist. Es fördert die Aufnahme von Kalzium und Phosphat sowie deren Einbau in die Knochen.

Eine Unterversorgung, wie sie in der Schweiz im Winter häufig vorkommt, führt zu Knochenkrankheiten wie beispielsweise Osteoporose. Aus diesem Grund befasst sich auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ausführlich mit Vitamin D. Es gab bei der Eidgenössischen Ernährungskommission einen Expertenbericht in Auftrag und wertete Vitamin-D-Messungen in Blutproben einer nationalen Stichprobe aus. Auch Empfehlungen wurden veröffentlicht.

Im Winter wirds knapp

Laut BAG ist die Schweizer Bevölkerung im Sommer zu grossen Teilen ausreichend mit Vitamin D versorgt. Im Winter jedoch wird es kritisch: Das Vitamin D von über 60 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer liegt unter dem empfohlenen Grenzwert des BAG. In unseren Breitengraden ist die Sonnenstrahlung in den Wintermonaten zu gering, um in der menschlichen Haut ausreichend Vitamin D zu bilden. «Dies gilt auch für sonnige Tage im Flachland und in den Bergen», sagt Eva van Beek, Mediensprecherin des BAG.

An einem typischen schweizerischen Sommertag im Juli hingegen reicht es, Gesicht und Hände 20 Minuten der Sonne auszusetzen, um eine Tagesdosis Vitamin D zu bilden. Unser Körper kann das Vitamin im Fettgewebe speichern. Somit tritt ein Mangel nicht gleich zu Winterbeginn ein, da zuerst die Vorräte aufgebraucht werden. Sobald diese jedoch leer sind, weisen viele Menschen zu geringe Vitamin-D-Werte auf.

Zwar kann man auch über die Ernährung das Vitamin aufnehmen, doch nur in sehr geringen Mengen. Das BAG empfiehlt daher die Einnahme von Vitamin-D-Supplementen oder Nahrungsergänzungsmitteln. Kleinkinder, Schwangere und Senioren haben zudem einen erhöhten Bedarf. Bereits jetzt werden Lebensmittel wie zum Beispiel Margarinen oder Cerealien künstlich mit Vitamin D angereichert.

«Ab 1. Januar 2014 kann die Überdosierung von mit Vitamin D angereicherten Produkten bis zu 300 Prozent der empfohlenen Tagesdosis betragen», sagt van Beek. Das Vitamin kann also in Zukunft in grösseren Mengen direkt mit der Nahrung aufgenommen werden.

Lichttherapie gegen Depression

Weit verbreitet ist auch der Irrglaube, dass das begehrte Vitamin durch einen Solariumbesuch produziert werden kann. Zwar kommt die Haut im Solarium mit den benötigten UVB-Strahlen in Kontakt, doch die enorme Menge an UVA-Strahlen, die zeitgleich ausgestrahlt werden, tragen nichts zur Vitamin D-Aufnahme bei. Sie führen jedoch zu vorzeitiger Hautalterung.

Auch eine Tageslichtlampe, wie sie bei Lichttherapien eingesetzt wird, trägt nichts zur Bildung des Vitamins bei. «Die Lampen, die dazu eingesetzt werden, decken jenen Bereich ab, der für das menschliche Auge sichtbar ist. Da der UV-Bereich ausserhalb dieses Spektrums liegt, kann die Lichttherapie nicht für die Vitamin-D-Bildung genutzt werden», erklärt die BAG-Sprecherin van Beek.

Doch für einen anderen Bereich ist die Lichttherapie hervorragend geeignet: Die saisonale Depression, auch Winterdepression genannt. «Ein Zusammenhang zwischen Lichtmangel in der ‹dunklen Jahreszeit› und depressiven Stimmungen ist inzwischen wissenschaftlich unbestritten», sagt Katja Scholz, Oberärztin Psychiatrie im Spital Limmattal. Lichttherapie-Geräte kommen daher auch in Arztpraxen zum Einsatz. Bei mittelgradigen bis schweren Depressionen sollte jedoch eine medikamentöse sowie psychotherapeutische Behandlung erfolgen, wie Scholz sagt.

Ein Rezept, das einer Winterdepression und Vitamin D-Mangel entgegenwirkt, ist der Aufenthalt unter freiem Himmel. Bei einem Spaziergang kann man bequem das tägliche Lichtpensum erhöhen. Und sowieso: Den kürzesten Tag haben wir bald hinter uns. Es geht nur noch bergauf.