Der Verein, der bereits 1810 gegründet wurde, unterstützt junge Leute, zwischen fünfzehn und dreissig Jahren, aus dem Kanton in ihrer Erstausbildung oder in der Zweitausbildung. Dies allerdings nur, wenn sie auf ihrem ersten Beruf nicht mehr arbeiten können. Der Vorstand bewilligt die Gesuche erst nachdem sie von einer öffentlichen Stelle, wie beispielsweise dem Berufsinformationszentrum in Urdorf geprüft wurden. Die Gesuche müssen gewisse Auflagen erfüllen.

Auflagen schrecken ab

«Wir müssen uns gut versichern, dass die Stipendien an den richtigen Ort geraten», sagt Pfarrer Jürg Kaufmann, Präsident des Vereins. Deshalb schicke er den Gesuchstellern als erstes jeweils ein Merkblatt, auf dem die Kriterien für Stipendiengesuche aufgelistet sind. Dazu gehört, dass der angestrebte Ausbildungsgang staatlich anerkannt ist und für das bevorzugte Arbeitsgebiet ein Arbeitsmarkt besteht.

Oft liessen sich die Leute von den Auflagen abschrecken und meldeten sich nicht mehr, sagt Kaufmann. Im Vergleich zu früher werden heute im Raum Zürich viel mehr Stipendien vergeben. Dies erkläre, warum sich einige Leute weniger darum bemühen.

Es komme immer mal wieder vor, dass sich Leute Unterstützung wünschen bei Projekten, die nichts mit Ausbildung zu tun haben.

Kürzlich erhielt Kaufmann den Antrag einer Frau, die sich zu Hause um ihre kranke Mutter kümmert und deshalb keiner bezahlten Arbeit nachgehen kann. Sie bat ihn darum, ihr zwei Flugtickets in ihr Heimatland zu finanzieren, damit sie ihre Familie besuchen könne.

Obwohl die Geschichte Kaufmann berührte, musste er das Gesuch ablehnen. «Das Einzige, was ich in so einem Fall tun kann, ist die Frau an eine andere Stelle weiterzuleiten», sagt er.

Der Fall der Tochter eines bekannten Opernsängers, die um Unterstützung für ihre Ausbildung an einer renommierten Musikschule in New York bat, lehnte der Vorstand allerdings weniger schweren Herzens ab.

Soziales Engagement belohnen

Aktuell zählt der Verein 40 Mitglieder und drei Ehrenmitglieder. Der Vorstand setzt sich zusammen aus sieben Personen aus den unterschiedlichsten Branchen. Dazu zählen unter anderem eine Ärztin, ein Jurist, eine Sängerin, eine Lehrerin und ein Pfarrer.

Jedes Vereinsmitglied kann seinen Einfluss an der Generalversammlung geltend machen. Dort stimmen die Teilnehmer nämlich über die Jahresrechnung und die Anträge des
Vorstands ab.

Bedauerlich findet Jürg Kaufmann, dass sich immer weniger Menschen für den Verein interessieren. Eine Werbeaktion im Coop Silbern in Dietikon im letzen Jahr führte zu keinen Neuanmeldungen. Obwohl den Stipendiaten ans Herz gelegt werde, sich nach Abschluss ihrer unterstützten Ausbildung dem Verein anzuschliessen, sei das bis jetzt leider noch nie vorgekommen, sagt er.

Der Vorstand hat viele neue Ideen, die er nächstens umsetzen möchte. Die Organisation als Verein, und nicht als Stiftung, lässt ihm dabei grossen Spielraum. Diskutiert wird beispielsweise ein Preisgeld für soziales Engagement in der Gemeinde.

Davon könnten sowohl Privatpersonen als auch Vereine profitieren, sagt Kaufmann. Er selbst hat vorgeschlagen, die Altersgrenze der Gesuchsteller heraufzusetzen. Er sagt: «Heutzutage sind auch ältere Menschen im Berufsleben nicht mehr gleich gesichert wie früher.»