Dietikon
Die Stadt bleibt im Mundart-Rap am Drücker: Milli54 meldet sich zurück

In seiner neuen Single schildert der Dietiker mit Raplegende Xen die Kontraste in der Stadt und erklärt uns, warum man sich «gfange i dä Hood» fühlt – auch wenn man von hier wegzieht.

Christoffer Zimmermann
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«Wenn man hier wegzieht, bleibt man geprägt von den vielen Geschichten, die man erlebt hat», so Milli54 über Dietikon.

«Wenn man hier wegzieht, bleibt man geprägt von den vielen Geschichten, die man erlebt hat», so Milli54 über Dietikon.

zvg

Vor acht Jahren machte Milli54 mit seinem Hit «Grüezi Herr Blocher» national Schlagzeilen. Das sozialkritisch geladene Lied schilderte die Diskriminierung von Secondos verschiedener Länder und wurde zum Hit: Ganze 1,3 Millionen Mal wurde das Video bis jetzt aufgerufen.

Milli ist aber kein One-Hit-Wonder: Im Jahr 2020 wurde es auch trotz Corona nicht ruhig um ihn. Er veröffentlichte alle paar Monate eifrig neue Singles, so beispielsweise der Follow-Up Track «Grüezi Herr Glarner». Für «20 Minuten» traf sich der Rapper sogar mit dem Politiker, um zusammen das Stück zu besprechen. Dabei erzählte Glarner dem Künstler, dass er schon in Spreitenbach und Dietikon wohnte – Milli sieht das als mögliche Erklärung dafür, dass Glarner nun bei der SVP ist und «weit über dem Mutschellen wohnt».

Dieses Wochenende veröffentlichte Milli den Track «Hood». Innert weniger als drei Minuten macht er sich mit dem ebenfalls aus Dietikon stammenden lokalen Rap-Überflieger Xen über «biertrinkende Studenten» lustig und beschreibt eine Stadt zwischen Löwen und Wölfen. Das hier beschriebene Dietikon ist ein Dietikon der Kontraste: Zum einen repräsentiert man die Stadt mit Stolz, zum anderen ist die Rede davon, dass man «gfange i dä Hood» sei.

Milli meint hierbei, dass jeder mit seiner Stadt Positives und Negatives verbindet. Die kreativen Köpfe Dietikons seien schon immer Trendsetter für den Rest der Schweiz gewesen. Und dennoch: «Wenn man hier wegzieht, bleibt man geprägt von den vielen Geschichten, die man erlebt hat.»

Der Rapper blickt auf mehr als ein Jahrzehnt im Business zurück. Interessant ist hier der Konstellationen-Wechsel um ihn: Während er mit doch so einigen Künstlern aus den Anfangsjahren quasi keinen Kontakt mehr hat, betätigt sich sein früherer Rap-Kollege Gon Bass mittlerweile als Videoproduzent für ihn. Produzent Chekaa und eben auch Xen arbeiten ferner schon fast seit einem Jahrzehnt mit ihm zusammen.

Bemerkenswert ist hierbei, dass die Message aus «Hood» schon fast an die im Track «DieTiker» von Xen und Milli54 vor 8 Jahren anschliesst. Seinerzeit rappte Xen die Hook: «Hoff mir finded dä Weg us dem dreckige Loch». Nun also in «Hood» das Verständnis, dass man das «Loch» nie so ganz verlassen kann.

Den Einstieg zum Rap fand Milli mit Eminem. Deutschrap hätte ihn letztendlich dazu bewegt, selbst Texte zu schreiben. Seine Kollegen waren seinerzeit aber sicher auch ein Grund für sein Interesse an Musik: «Ich kann mich erinnern, wie Xen auf dem Pausenhof beatboxte», wobei alle anderen – inklusive Milli – einen Kreis um ihn bildeten. «Er hat Hip Hop in den Genen. Musik war schon immer ein Thema hier.»

Er, Xen und die Garde um die beiden waren in den frühen 2010er-Jahren die bahnbrechendsten Newcomer im Mundart-Rap. Zwar seien laut Milli schon vor ihnen Rapper in Dietikon vorhanden gewesen – er nennt aber keine Namen.

Sie hätten eine Mission gehabt: «Die damals namenhaften Rapgrössen aus der Schweiz, fand ich alle wack. Es klingt etwas arrogant.

Schweizerrap wurde meiner Meinung nach von Rappern wie Bligg und Co. in ein Loch geworfen und wir kamen mit der Aufgabe, ihn dort rauszuziehen.»

Auf die Frage, wie es um neuen Hip-Hop aus der Stadt steht, nennt er Reza aus dem Hause Physical Shock – Xens Label – und seinem Kumpel ROB. «Grosses Potenzial ist auf jeden Fall da.» Man kann also gespannt sein.