Weiningen

Die Sprachheilschule kommt in die Fahrweid

Bis zum neuen Schuljahr im Sommer entsteht dort, wo bis im März dieses Jahres die Provisoriumsbaute für den Kindergarten Föhrewäldli stand, der vierte Standort der Stiftung Sprachheilschulen im Kanton Zürich.

Bis zum neuen Schuljahr im Sommer entsteht dort, wo bis im März dieses Jahres die Provisoriumsbaute für den Kindergarten Föhrewäldli stand, der vierte Standort der Stiftung Sprachheilschulen im Kanton Zürich.

Das Weininger Stimmvolk bewilligte den Baurechtsvertrag für die Stiftung Sprachheilschulen im Kanton Zürich — jedoch nicht ohne Bedenken.

Auf dem Areal des Quartierzentrums Föhrewäldli in der Fahrweid werden bald sprachbeeinträchtigte Kinder zur Schule gehen. Bis zum neuen Schuljahr im Sommer entsteht dort, wo bis im März dieses Jahres die Provisoriumsbaute für den Kindergarten Föhrewäldli stand, der vierte Standort der Stiftung Sprachheilschulen im Kanton Zürich.

Dass die Stiftung dieses Vorhaben in die Tat umsetzen kann, hat sie den Weininger Stimmberechtigten zu verdanken. Diese genehmigten ihr an der Gemeindeversammlung am Donnerstagabend ein auf zehn Jahre befristetes Baurecht. Jedoch nicht ohne eine hitzige Diskussion über die Übertragung des Baurechts, die sogar zu einem Änderungsantrag führte.

Bevor über das Geschäft debattiert wurde, präsentierten Eveline Marcarini, Leiterin des Standorts in Gockhausen und künftig auch in der Fahrweid, und Stiftungsratspräsident Karl Gafner den Anwesenden Eckdaten und Pläne der Stiftung. «Im westlichen Kantonsteil hat es ein Angebot zu wenig. Viele Kinder sind pro Schulweg länger als eine Stunde mit einem Sammeltaxi unterwegs. Das ist zu lange», sagte Gafner. Gemäss Versorgungsplanung des Kantons fehlen in der Region 22 Plätze. «Der Standort in der Fahrweid kommt somit auch Kindern im Limmattal zugute», sagte Marcarini.

Im Schuljahr 2018/2019 hätten etwa drei Kinder aus Schlieren, sieben aus Dietikon, zwei aus Weiningen und ein Kind aus Geroldswil die Sprachheilschule in Gockhausen besucht. «Es würde mich als gebürtige Geroldswilerin besonders freuen, wenn wir hier eröffnen könnten», sagte Marcarini.

Im kommenden Schuljahr sollen zirka acht Mitarbeitende zwei Unterstufenklassen mit insgesamt 24 Schülerinnen und Schülern unterrichten. Die dazu nötigen Container erhält die Stiftung von der Berufsschule Uster im Mai. Sie wisse, dass sie sich ein sportliches Ziel gesteckt hätten, sagte Marcarini. «Doch wir geben alles, dass wir im August starten können.»

Froh um jede Einnahme

Schulpräsidentin Brigitte Schai (SVP) machte auf die finanziellen Vorzüge des Baurechts aufmerksam. «Mit der Sprachheilschule in unserer Gemeinde können wir Transportkosten für die Sammeltaxis von jährlich 19 000 Franken sparen», sagte sie. Zudem werfe das Baurecht auch jährliche Zinseinnahmen von 15 000 Franken ab, sagte Finanzvorstand Reto Beutler (FDP). Und nicht nur das: «Die einmaligen Ausgaben von rund 10 000 Franken für den Rückbau der Fundamentbauten und Werkleitungsanschlüsse für das damalige Kindergartenprovisorium fallen weg», so Beutler. Die Gemeinde hege für das Areal keine anderen Pläne, die relativ kurze Dauer von zehn Jahren stelle kein Risiko dar und Weiningen müsse froh um alle Einnahmen sein. Deshalb sei dieses Geschäft zu unterstützen, sagte der Finanzvorstand.

Das überzeugte nicht alle Stimmberechtigten. «Auf das Kindergarten-Provisorium folgt nun das Sprachheilschul-Provisorium. Wenn Leute fragen, wo ich wohne, sage ich jeweils in den Slums von Weiningen», kritisierte ein Votant. Gemeindepräsident Mario Okle (parteilos) entgegnete, dass auch im Dorf Provisorien für die Schule existieren würden und Container kein spezifisches Merkmal für die Fahrweid seien. Eine andere Bürgerin wollte wissen, ob die Gemeinde den Mehrverkehr durch die Schülertransporte bedacht habe. «Ich rechne täglich mit höchstens zwei bis drei Autos mehr», sagte Schulpräsidentin Schai.

Sorgen bereiteten einigen Stimmbürgern und dem Quartierverein Fahrweid eine Formulierung im Baurechtsvertrag. «Es steht, dass das Baurecht übertragen werden kann. An wen?», fragte ein Votant. Jedes Baurecht sei übertragbar, das sei gesetzlich so vorgesehen, sagte Okle. In diesem Fall jedoch nur zum Zwecke der Führung einer Sprachheilschule. «Und was, wenn eine Sekte auftaucht und diese Aufgabe übernehmen will?», hatte ein Votant einzuwenden. Schliesslich forderte ein anderer Stimmbürger mithilfe eines Änderungsantrags, dass dieser Satz aus dem Vertrag gestrichen wird. Damit hatte er aber keine Chance. Lediglich 16 Stimmberechtigte unterstützten ihn, während sich 84 für den ursprünglichen Vertrag aussprachen. In der Schlussabstimmung wurde der Baurechtsvertrag, so wie ihn der Gemeinderat vorlegte, von einer grossen Mehrheit der 114 anwesenden Stimmberechtigten angenommen.

Autor

Sibylle Egloff

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