100-Jahr-Jubiläum

«Die Schweizerische Nationalspende dient dem bedrängten Wehrmanne» – ein geschichtlicher Rückblick zum hundertjährigen Jubiläum

Der Zweck der Stiftung war zunächst insbesondere «die Förderung der leiblichen, sittlichen und seelischen Wohlfahrt der schweizerischen Armeeangehörigen und ihrer Familien». (Archivbild)

Vor 100 Jahren, als die Schweiz keine Sozialwerke kannte, nahm die Schweizerische Nationalspende eine wichtige Rolle ein. Doch auch heute richtet sie noch jährlich eine Million aus.

Im Jahr 1919 bewilligte der Bundesrat die Stiftung mit der Bezeichnung «Schweizer Nationalspende für unsere Soldaten und ihre Familien». Die finanzielle Basis dafür war ein Jahr zuvor gelegt worden; eine landesweite Spendensammlung hatte die damals sehr grosse Summe von acht Millionen Franken eingebracht. Sozialwerke bestanden noch nicht. Und das Soldatenleben war alles andere als einfach, wie es in der Jubiläumsschrift der Stiftung zu ihrem 100-jährigen Bestehen heisst. Die Unterkünfte der Soldaten waren einfach, der Speiseplan bot kaum Abwechslung, und sie erhielten, da die Erwerbsersatzordnung erst im Verlaufe des Zeiten Weltkrieges geschaffen werden sollte, nicht mehr als einen kleinen Sold.

«Wie viel Sorge um die Existenz, um die Familie, um das Brot», hiess es auch im Jahr 1938 noch im «Pionier», dem Organ des Eidgenössischen Pionier-Verbandes. Denn es gelte nicht zu vergessen, dass «die Masse in den Infanteriebataillonen marschierenden Volkes Arbeiter und Angestellte und mit Glücksgütern nicht allzu sehr gesegnete Bauern sind». Die Nationalspende, diese im ganzen Schweizerland bekannte und populäre soziale Institution, sei deshalb von grosser Bedeutung. Und 1942, als der «Pionier» Werbung für eine weitere Geld-Sammlung machte, appellierte er an «den Gemeinsinn und den Opferwillen des Schweizervolkes», damit die wichtige Stiftung ihre fürsorglichen Aufgaben weiterhin erfüllen könne. Denn: «Die Schweizerische Nationalspende, die zentrale freiwillige Fürsorgeinstitution der Armee, dient dem bedrängten Wehrmanne.»

Der Zweck der Stiftung war deshalb zunächst insbesondere «die Förderung der leiblichen, sittlichen und seelischen Wohlfahrt der schweizerischen Armeeangehörigen und ihrer Familien». Die Schweizerische Nationalspende kaufte den Götschihof im Aeugstertal, in dem sie 1920 eine Trinkerheilstätte einrichtete. 1921 eröffnete sie in Tenero im Tessin eine Arbeitsheilstätte für lungenkranke Militärpatienten.

Eine Treuekundgebung

Die finanziellen Mittel wurden immer wieder über nationale Spendenaktionen beschafft. Im Jahr 1940 erwies sich eine solche als «ergreifende Vertrauens- und Treuekundgebung des gesamten Schweizervolkes für seine Armee», wie «Der Fourier», die Zeitschrift des Fourier-Verbandes, danach berichtete. Die Abzeichen und Postkaren hätten einen reissenden Absatz gefunden. Allein in der deutschen Schweiz wurden 521'000 Plaketten verkauft.

In den 1960er-Jahren zeichnete sich ein Wandel ab. So wurden in den Heilstätten in Tenero und im Aeugstertal keine Soldaten mehr eingewiesen. Die Güter wurden landwirtschaftlich genutzt. 1979 verkaufte die Stiftung ein 180'000 Quadratmeter grosses Grundstück in Tenero; der Bund beabsichtigte darauf ein nationales Jugendsportzentrum – das heutige Centro Sportivo Tenero – zu errichten. Den Götschihof behielt die Nationalspende derweil. Im vergangenen Jahr wurde er aufwendig saniert und neu verpachtet.

Ergänzter Stiftungszweck

Die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten in Bezug auf fürsorgerische und soziale Belange von Armeeangehörigen blieben bis in die 1990er-Jahre unverändert. Sie wurden erst 1996 neu geregelt, als die Stiftung Schweizerische Nationalspende neue Strukturen erhielt und vom staatlichen Sozialdienst der Armee entkoppelt wurde. Dieser Sozialdienst unterstützt, begleitet und berät Armeeangehörige bei persönlichen, beruflichen oder familiären Herausforderungen. Er finanziert sich aber noch heute aus Spenden – zu dessen grössten Geldgebern gehört die Stiftung.

Bereits in ihren Anfängen hat die Nationalspende nicht nur einzelne Armeeangehörige unterstützt, die durch den Militärdienst in Bedrängnis geraten waren. Sie hat auch Institutionen und Aktionen gefördert, die «dem Wohle der Truppe dienen». Diese Art der Unterstützung hat in den vergangenen Jahren an Gewicht gewonnen. 2011 wurde deshalb der Stiftungszweck in der Urkunde ergänzt, damit die Nationalspende insbesondere auch Beiträge an Publikationen und Unternehmungen leisten kann, «die der Aufrechterhaltung des Dienstwillens und der militärischen Tüchtigkeit dienen». So unterstützt sie nicht nur militärische Zeitschriften, sondern auch Museen, Anlässe und zahlreiche Projekte. Die von General Henry Guisan mitgegründete Stiftung – er blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1960 Mitglied des Stiftungsrates – finanziert sich heute vor allem durch eine professionelle Bewirtschaftung ihres Wertschriftenportefeuilles. Auch die Vermietung und Verpachtung von Immobilien generiert gewisse Einnahmen. Legate seien hingegen rar geworden, Spendensammlungen seit Jahrzehnten nicht mehr durchgeführt worden, heisst es in der Festschrift. Der Schweizerischen Nationalspende gehe es aber «gut bis sehr gut». Im Jahresbericht 2017 hatte sie ein Eigenkapital von 61,2 Millionen Franken ausgewiesen.

Die Stiftung, die unter anderem auch die Soldatenwäscherei führt, der Militärangehörige mit einer Kopie ihres Marschbefehles kostenlos ihre Wäsche schicken können, richtet heute jährlich insgesamt noch immer «Fürsorgeleistungen von meist über einer Million Franken» aus. Solange es die Armee gebe, solange brauche es auch die Stiftung, hält Stiftungsratspräsident Werner Merk fest.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1